Handwerker im Ausland Backen in Ruanda: So hilft eine Konditorin Betrieben in Afrika

Deutsche Handwerker genießen weltweit einen guten Ruf. Auch ferne Länder wie der ostafrikanische Binnenstaat Ruanda wollen sich ein Vorbild an ihnen nehmen. Zwei Wochen hat Konditormeisterin Lydia Steinbrich dort verbracht und einheimischen Bäckerinnen und Bäckern etwa gezeigt, wie man einen Sauerteig herstellt. Den Weg dorthin fand sie über eine Fortbildung.

Konditormeisterin Lydia Steinbrich verbrachte zwei Wochen in Ruanda, wo sie einheimischen Bäckern und Bäckerinnen neue Arbeitsweisen und Rezepte vermittelte. - © GIZ/Lydia Steinbrich

Eine wunderschöne hüglige Landschaft und angenehm ruhige, fleißige Menschen. Diese Eindrücke hat Lydia Steinbrich von ihrem Besuch in Ruanda mitgenommen. Nach zwei Wochen Aufenthalt weiß sie aber auch, welche Backwaren die Einwohner des kleinen Landes im östlichen Zentralafrika am liebsten mögen. "In Ruanda wird gerne ein süßes Brot gebacken. Ähnlich unserem Milchbrot", sagt die Konditormeisterin aus Stuttgart. Insgesamt neun Betriebe hat sie dort besucht, um als Handwerkerin Entwicklungszusammenarbeit zu leisten. Darunter Restaurants, Hotels und reine Backbetriebe. Den einheimischen Bäckerinnen und Bäckern hat sie gezeigt, wie die Abläufe in deutschen Bäckereien aussehen. Sie hat ihnen Grundwissen rund ums Backen vermittelt und Ideen für neue Rezepte mitgegeben.

Deutsches Handwerk als Vorbild

Denn in Ruanda sind das Fachwissen und die Kenntnisse deutscher Handwerker gefragt. Die Wirtschaft im Land wächst zwar seit einigen Jahren stark. Aber den ansässigen Betrieben fehlt es etwa an gut ausgebildeten Fachkräften. "Die Ausbildung zum Bäcker in Ruanda dauert nur ein halbes Jahr, deshalb können die Mitarbeiter kaum auf Erfahrungswerte zurückgreifen", erklärt Steinbrich. Weil die Situation in vielen Entwicklungsländern ähnlich ist, bietet etwa die Handwerkskammer (HWK) für Schwaben einen speziellen Lehrgang an. Dort bereiten sich Handwerksmeister auf einen Praxiseinsatz in einem Schwellenland vor, wo sie ihr Wissen an ortsansässige Betriebe weitergeben. Zuvor lernen die deutschen Handwerker in einer theoretischen Fortbildung mehr über den Umgang mit anderen Kulturen, internationales Projektmanagement und Unternehmensführung im Ausland.

Auch Steinbrich hat an diesem Lehrgang teilgenommen, den sie auch anderen Handwerkern empfiehlt. "Die Fortbildung bietet für Einsteiger eine gute Hilfestellung, wie man international arbeitet. Außerdem kommt man dadurch auch in die entsprechenden Netzwerke, um an Aufträge zu kommen." Die Aufenthalte seien über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vermittelt worden, die laut Steinbrich auch die Kosten für den Flug, Unterbringung und Spesen der Teilnehmer in den jeweiligen Ländern übernommen hat. So sei die Handwerkerin auch in Ruanda gelandet. Kurz bevor die Reise losging, habe sie sich einen Einblick über die Verhältnisse und Probleme in den Betrieben vor Ort gemacht. "In zwei Onlineschulungen habe ich den Teilnehmern eine virtuelle Betriebsführung gegeben und ihnen die Produktionsabläufe in deutschen Bäckereien gezeigt", so die Konditormeisterin. Kommuniziert wurde dabei in Englisch.

Ruandische Bäcker backen deutsches Sauerteigbrot

Vor Ort sei es vor allem um Grundkenntnisse des Backens gegangen. "In Ruanda werden Rezepte selten aufgeschrieben. Das Brot wird zum Beispiel in Ofen geschoben, und eben dann erst rausgeholt, wenn es fertig ist. An Zeitangaben wird sich nicht gehalten“, so Steinbrich. Die Konditorin half dabei, diese und andere Prozesse zu optimieren und vermittelte wichtige Grundlagen, auf die die ruandischen Bäcker aufbauen können. "Ich habe ihnen zum Beispiel gezeigt, wie man eine deutsche Buttercreme macht, die kostengünstiger in der Herstellung ist und nicht nur aus Fett und Zucker besteht. Außerdem haben wir ein Sauerteigbrot aus lokalen Zutaten gebacken. Das kam sehr gut an“, erzählt die Handwerkerin.

Anfangs seien ihr die Bäcker aus Ruanda zwar mit Skepsis begegnet. Aber schnell hätten sie gemerkt, dass sie viel von der deutschen Konditormeisterin lernen können. Und auch Steinbrich selbst hat der Aufenthalt nachhaltig begeistert. "Es ist der Wahnsinn zu sehen, wie hochmotiviert die ruandischen Kollegen sind und wie es sich auch unter einfachen Umständen professionell arbeiten lässt."

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    Einblicke in die Backstube von "Classie Cakes" in Ruanda.
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    "In Ruanda werden Rezepte selten aufgeschrieben", sagt Konditormeisterin Lydia Steinbrich. Während ihres zweiwöchigen Aufenthalts im ostafrikanischem Land half sie mehreren Bäckerei-Betrieben dabei, ihre Backprozesse zu optimeren. So zeigte sie zum Beispiel, wie man eine deutsche Buttercreme macht.
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    Bäcker bei "Lamane Bakery & Café" produzieren Croissants.
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    Steinbrich vermittelte den ruandischen Bäckerinnen und Bäckern theoretisches und praktisches Wissen.
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    Internationales Backprodukt: Ruandische Brottextur mit deutschem Brotgeschmack.
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    Die gelungenen Backversuche gingen direkt in die Verkaufstheke.
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    Die Partner aus Ruanda waren zufrieden mit dem Input aus Deutschland.

Partner für Kooperationen mit Bäckereien in Ruanda gesucht

Damit ihr Einsatz auch nachhaltig wirkt, sucht Steinbrich jetzt Partnerbäckereien aus Deutschland, die Interesse an einer langfristen Kooperation mit den Betrieben in Ruanda haben. "Vielen Betrieben fehlt es zum Beispiel an Bäckerei-Equipment und zuverlässigen Maschinen. Oft kommen die aus dem asiatischen Raum und gehen schnell kaputt", so Steinbrich. Das Engagement könne für deutsche Bäckereien eine Möglichkeit sein, Kunden und potenzielle Mitarbeiter auf sich aufmerksam zu machen. Aber auch beruflich und persönlich würde der Austausch laut Steinbrich viel bringen. "Es ist eine tolle Erfahrung, wenn man sieht, wie offen die Menschen für den Input von außen sind und das man als Handwerker auch mit ein wenig Hilfe eine Änderung bewirken kann." Wenn sich genügend Betriebe für Partnerschaften finden, plant die Konditormeisterin eine gemeinsame Studienreise nach Ruanda zu organisieren.

Darüber hinaus kann Steinbrich, die zurzeit als Jugendreferentin arbeitet und schon Strafgefangenen in Kolumbien das Backen beigebracht hat, jedem Handwerker empfehlen, sein Können auch mal anderswo zu nutzen. "Das ist ja das Schöne am Handwerk: Dass man weltweit arbeiten kann."

>>> Wer Interesse an einer Kooperation mit einer Bäckerei in Ruanda hat, kann sich bei der Deutschen Handwerks Zeitung unter kontakt@deutsche-handwerks-zeitung.de melden. Die Anfragen werden dann an Lydria Steinbrich weitergeleitet.

Fortbildung zum Internationalen Meister

Der Lehrgang an der HWK für Schwaben umfasst 200 Unterrichtseinheiten (an Freitagen und Samstagen sowie eine Vollzeitwoche). Die HWK gibt auf ihrer Website Kosten für die Fortbildung von insgesamt 2.390,00 Euro an. Der Kurs wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Der nächste Lehrgang startet im Januar 2022. Einen entsprechenden Lehrgang für Handwerksmeister unterschiedlicher Gewerke bietet auch die Handwerkskammer Rhein-Main an. In diesem Artikel aus dem Archiv der Deutschen Handwerks Zeitung lesen Sie mehr über die Fortbildung zum Internationalen Meister und die Erfahrungen von Handwerkern während ihrer Auslandseinsätze:

>>> Lesetipp: Der Internationale Meister als Tor zur Welt