Über Tortentrends, Familie und harte Ausbildung Babobaker: Instagram statt Ladentheke

Wenn Anne Blatter-Miredin Kuchen backt, verfolgen das Tausende auf Instagram und TikTok. Unter dem Namen Babobaker hat die Konditormeisterin eine große Online-Community von Tortenfans aufgebaut. Wie sie den Spagat zwischen Selbstständigkeit, Social Media und ihrem erst wenige Monate alten Sohn meistert – und warum die Kammersiegerin ihren Beruf schon fast an den Nagel gehängt hatte.

Babobaker
Anne Blatter-Miredin bzw. babobaker_konstanz ist Konditormeisterin und Torten-Influencerin. - © Laura Belo

Weiß, sahnig, mit Blüten und Perlen dekoriert – Torten, wie man sie sich erträumt für den Tag der Tage, der Traumhochzeit. Feines Gebäck wie Macarons mit cremiger Füllung, pastellfarben. Oder auch Kekse in Gespensterform zu Halloween mit Zuckerguss und Grinsegesicht. Wer gebackene Geschenkideen, eine Hochzeits- oder Geburtstagstorte braucht, lässt sich gerne durch die Schaufenster oder Ladentheken von Konditoreien inspirieren. Oder er nutzt Instagram.

Babobaker: Authentische Berichte aus dem Berufsalltag

Über die Suche mit dem Stichwort "Hochzeitstorte" landet man schnell auf dem Account "babobaker_konstanz" und damit bei Anne Blatter-Miredin. Die Torten der Konditormeisterin und vor allem die Darstellungen dazu, wie sie sie herstellt – mit viel Fingerspitzengefühl und gleichzeitig großem Spaß an der Arbeit – gehen seit rund zwei Jahren viral durch die Social-Media-Kanäle. Auf Instagram hat die 29-Jährige über 76.000 Follower. Hier gibt sie Einblick in ihren Beruf, den Arbeitsalltag und auch wie sie die Selbstständigkeit im Konditorhandwerk mit Familienbetrieb managt.

Im Frühling kam ihr Sohn auf die Welt und schon nach einer kurzen Pause war Anne Blatter-Miredin wieder in der Backstube und online zu sehen. In den täglichen Storys zeigt sie durchaus authentisch, dass in der bunten Tortenwelt mal etwas schiefgeht. Trotzdem ist sie sich bewusst, dass die Follower sicher den Eindruck haben, dass sie Beruf und Mamasein, Torten verzieren und Videos drehen und noch viel mehr immer ganz einfach unter einen Hut bekommt. "Aber es ist schon manchmal ein organisatorisches Dilemma", gibt sie zu. Dieses Dilemma wuppt sie vor allem mithilfe ihres Ehemanns Jessy Miredin, der ebenfalls Konditor ist. Außerdem wohnen ihre Eltern im selben Ort und unterstützen bei der Kinderbetreuung.

"Mein Part ist derzeit vor allem der kreative", sagt die Konditorin und meint damit das Verzieren und Dekorieren, das sie mit einem Händchen für ganz besondere Details ausführt. Aber auch das muss geplant und organisiert sein – so wie insgesamt die Abläufe in der Backstube, der Auftragsplanung und der Bestellungen der Zutaten. Das Vorbereiten der Tortenböden, der Cremes und anderen Gebäcke übernimmt Jessy Miredin mit einer Aushilfe. "Mein Mann kann zudem immer einspringen und das übernehmen, was ich gerade mache, denn er ist ja vom Fach", sagt sie und meint damit auch, dass man das Leben mit einem Säugling natürlich nicht auf den Punkt durchtakten kann. Auch darüber spricht sie ehrlich – im Interview und wenn man "babobaker_konstanz" verfolgt.

Babobaker
Auf Instagram hat Anne Blatter-Miredin mehr als 76.000 Follower. Hier kann man ihre Torten-Kunstwerke bewundern. - © Laura Belo

Babobaker: Instagram und Co. ersetzen Schaufenster und Ladentheke

In ihren Instagram-Kanal – und auch in TikTok und Facebook – steckt Anne Blatter-Miredin viel Zeit, aber dennoch lohnt es sich für sie. "Die Accounts sind mein Schaufenster, mein gesamter Außenauftritt", sagt sie. Sie ersetzen Investitionen an Zeit und Geld in andere Werbemittel, darüber läuft ein Großteil der Kundenkommunikation und auch Verkaufsaktionen wie zu Halloween oder Weihnachten organisiert sie so, dass ihre Follower über die Plattformen sehen können, wann was bestellt werden kann. "Das erleichtert vieles für mich. Fotos mache ich ja sowieso. Da ist es doch super, wenn ich die gleich mehrfach nutzen kann", so die "Babobakerin". Der Name stammt übrigens von aus ihrer Ausbildungszeit. Damals bekam sie den Spitznamen "Babo", was in der Jugendsprache scherzhaft so etwas wie "Boss" bedeutet. "Ich habe irgendwann das Baker einfach dran gehängt", erzählt sie.

Aktionen mit Weihnachtsplätzchen oder Gebäck zu bestimmten anderen Anlässen sind mittlerweile – neben den Torten – zum umsatzstärksten Bereich der Konditorei geworden. Anne Blatter-Miredin organisiert sie als Vorbestellungen. Sie stellt eine mottostarke Gebäckbox zusammen, stellt sie online vor und bietet sie an. "Wenn dann genügend Bestellungen vorliegen, fangen wir an zu backen", erklärt sie. So muss sie nicht hoffen, dass wirklich alles verkauft wird, sondern es entsteht nur das, was quasi schon verkauft ist. Zumindest war dies der ursprüngliche Gedanke, als die Aktionen starteten. Mittlerweile muss man beim Bestellen schnell sein, denn das, was die beiden Konditoren stemmen können, ist rasant vorbestellt, wenn die Idee dazu veröffentlicht ist – dank Instagram und Co.

Dass ihr Geschäft als Auftragskonditorin so schnell so gut läuft, hatte Anne Blatter-Miredin bei ihrem Start im Jahr 2021 nicht zu träumen gewagt. Denn ihr Schritt in die Selbstständigkeit lag mitten in der Pandemie. "Ich habe als Konditorin in England gearbeitet und als klar war, dass eventuell bald die Grenzen zu sind, bin ich wieder nach Hause gereist und habe stattdessen eine Zeit im Callcenter gearbeitet", erzählt sie. Doch dies sollte nur ein Überbrückungsjob sein. Eigentlich war eine Art Europareise geplant, bei der die Konditorgesellin Erfahrungen sammeln wollte. Da das Reisen nicht möglich war, baute sich Anne Blatter-Miredin stattdessen Stück für Stück die Selbstständigkeit auf.

Der Weg zur Konditormeisterin voller Überraschungen

Alles begann in den Räumen einer Hochzeitslocation, die pandemiebedingt geschlossen hatte. "Hier konnte ich die Küche nutzen und als ich gemerkt habe, dass die Aufträge immer mehr werden, haben wir dann eine eigene Backstube gemietet", berichtet sie. Der Umstieg von der Teilzeit- auf eine Vollzeitkonditorei ging ähnlich schnell und vor allem ähnlich aus dem Bauch heraus wie ihre Entscheidung, überhaupt die Meisterausbildung zu absolvieren. Denn eigentlich wollte die Konditorin den Beruf schon vor der Gesellenprüfung aufgeben.

"Ich war in der Ausbildung in einem Betrieb, in dem ich viel Verantwortung übernehmen musste. Die Arbeitszeiten waren lang und die Aufgaben sehr intensiv." Das führte die damals 23-Jährige direkt ins Burnout und zu einem Krankenhausaufenthalt. Ihre Gesellenprüfung legte sie dann in Absprache mit der Handwerkskammer Konstanz ohne Ausbildungsbetrieb im Hintergrund ab. Das Ergebnis: Anne Blatter-Miredin wurde Kammersiegerin, sie bestand mit Auszeichnung. Dennoch dachte sie danach über ein Studium nach. Kurz bevor sie sich allerdings dafür anmeldete, las sie von der Möglichkeit der Meisterausbildung und dass noch Plätze frei sind. "Ich habe mich dann dort angemeldet – ohne es vorher jemandem aus der Familie zu sagen", erzählt sie und berichtet weiter, dass das erst einmal für eine Überraschung gesorgt hat – heute aber alle froh sind über das spontane Umschwenken.

Babobaker: Was sind die Tortentrends 2025?

Aus der Meisterausbildung hat sie vor allem mitgenommen, dass man neben dem Handwerk und dem kreativen Arbeiten, das für sie zentral ist für den Beruf, auch das richtige Kalkulieren der Preise, der Arbeitszeiten und der Auftragsumfänge gelernt sein will. "Es steckt schon auch einiges an Schreibtischarbeit in jedem Backwerk", sagt sie. Babobaker hat es sich deshalb auch zum Standard gemacht, das gesamte kommende Backjahr jeweils durchzuplanen. Aufträge für das Jahr 2025 nimmt Anne Blatter-Miredin ab dem 1. November 2024 an und wenn der Kalender dann voll ist, kann sie meist erst wieder im nächsten Herbst neu planen. Nur die Aktionen, die dann über Instagram und Co. laufen, kommen sozusagen über das Jahr verteilt dazwischen.

Im Wochenpensum seien etwa drei bis vier zweistöckige oder zwei bis drei dreistöckige Torten zu schaffen. Dass die Einkaufspreise der Zutaten stark schwanken und auch unvorhersehbar steigen können, muss sie dabei einkalkulieren. Denn jede Bestellung, die jetzt für das kommende Jahr eingeht, behält dann auch die abgesprochenen Preise. Dennoch lässt sich das für die Konditorin um Alltag mit der Familie so besser und vor allem stressfreier planen. Fragt man die Konditormeisterin, was im Jahr 2025 in Sachen Torten und Gebäck Trend wird – also, was sie da gerade oft von den Kunden für Wünsche erhält – sagt sie, dass es bunter wird und fancy. Der Trend zu viel Weiß mit ein bisschen Grün nehme hingegen ab. 

Babobaker
Im Frühling haben Anne Blatter-Miredin und ihr Mann Jessy Miredin einen Sohn bekommen. Beide managen den Alltag mit Familie und Konditorei gemeinsam. - © Laura Belo