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Familie und Ausbildung Ausbildung in Teilzeit: Das gilt für Arbeitszeit, Lohn und Urlaub

Die Ausbildung in Teilzeit bietet Azubis mit Kindern eine Möglichkeit, Familie und Ausbildung zu meistern. Darauf sollten Azubis bei der Teilzeitausbildung achten.

Handwerksbetriebe stehen heute mehr denn je im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens spielt dabei eine zunehmende Rolle. Dazu gehört auch, dass Azubis mit Kind ihre Lehre in Teilzeit absolvieren können. Das sollten Azubis bei der Ausbildung in Teilzeit beachten.

Wie verbreitet ist die Ausbildung in Teilzeit schon?

Zwar ist die Ausbildung in Teilzeit in der Praxis noch eher selten zu finden, doch das Interesse steigt. Das belegen die Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Initiative "Jobstarter" des Bundesbildungsministeriums (BMBF): Wurden 2008 nur 0,1 Prozent aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Teilzeit abgeschlossen, waren es 2016 bereits 0,4 Prozent. Damit starteten 2016 insgesamt 2.085 aller neuen Azubis ihre Ausbildung in Teilzeit. 21 Prozent davon kommen aus dem Handwerk.

Schaut man sich die Verteilung auf die Bundesländer an, so ist die Teilzeitausbildung in den Ländern Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und dem Saarland prozentual höher als in den anderen Bundesländern. Laut Jobstarter war der Anteil der Teilzeitausbildungen an den Neuabschlüssen der Berufsausbildungen aber 2016 in keinem Bundesland größer als 0,9 Prozent.

Was noch so unbedeutend klingt, bietet viel jedoch Potenzial – gerade wenn wieder einmal über den Fachkräftemangel diskutiert wird. Denn wenn Fachkräfte fehlen, bekommen vermeintliche Randgruppen und neue Arbeitsmodelle größeres Interesse – so auch die Ausbildung in Teilzeit. Allerings ist diese vielen Arbeitgebern und Jobsuchenden noch wenig bekannt.

Wie verläuft die Ausbildung in Teilzeit? 

Die Ausbildung in Teilzeit verläuft wie die Vollzeitausbildung – nur, dass die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit im Betrieb reduziert wird. Hier werden individuelle Vereinbarungen getroffen; meistens liegt die wöchentliche Ausbildungszeit zwischen 20 und 35 Stunden. Verkürzt wird bei der Teilzeitausbildung allerdings nur die Zeit im Betrieb. Das heißt, Azubi und Betrieb einigen sich auf eine wöchentliche Ausbildungszeit. Die genauen Details werden im Ausbildungsvertrag festgehalten.

Teilzeitausbildung: Wie oft muss der Azubi zur Berufsschule?

Der Berufsschulunterricht und überbetriebliche Lehrgänge erfolgen in der Regel in Vollzeit. Je nach Klassenstärke können gegebenenfalls Teilzeitklassen in Berufsschulen eingerichtet werden.  Das könnte sich in Zukunft allerdings ändern, denn hier kommen nach Angaben des BIBB immer mehr E-Learning-Module zum Einsatz. Prinzipiell ist eine Teilzeitberufsausbildung in allen anerkannten Berufen des dualen Ausbildungssystems möglich.

Dauert eine Ausbildung in Teilzeit länger?

Die Ausbildung in Teilzeit führt nicht zwingend zu einer längeren Ausbildungsdauer. Beträgt die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts mindestens 25 Stunden pro Woche, wird die Ausbildungsdauer in der Regel nicht verlängert. Beträgt sie nur 20 bis 24 Wochenstunden, kann sie sich um maximal ein Jahr verlängern.

Bei der Entscheidung, ob und wie lange eine Ausbildung verlängert wird, spielen die schulische Vorbildung sowie eventuell vorhandene Berufserfahrung des Azubis eine Rolle. Ebenso muss eingeschätzt werden, ob die verkürzte Zeit im Betrieb ausreicht, um innerhalb der Regeldauer alle notwendigen Kenntnisse an die Auszubildenden zu vermitteln. Die Ausbildungsdauer kann auch noch zu einem späteren Zeitpunkt geändert werden. 

Wie viel verdient man bei einer Ausbildung in Teilzeit? 

Für die Vergütung in einer Teilzeitausbildung gibt es keine klaren Vorgaben. Das BIBB rät dazu, dass die Ausbildungsvergütung möglichst der einer Vollzeitstelle entsprechen soll. Die Vergütung wird dann in der Regel zeitanteilig angepasst. Rein rechtlich kann die Ausbildungsvergütung allerdings auch verringert werden, "soweit sie noch als angemessene Vergütung zu betrachten ist", lautet die aktuelle Bestimmung.

Gibt es zusätzliche finanzielle Leistungen für Teilzeit-Azubis?

Zur finanziellen Entlastung können Azubis bei der Agentur für Arbeit zusätzliche Leistungen beantragen. Dazu gehören beispielsweise Berufsausbildungsbeihilfe, Kindergeld für sich und/oder das eigene Kind, Wohngeld, Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld.

Hat der Azubi in Teilzeit einen Anspruch auf Urlaub?

Der Urlaubsanspruch eines Azubi in Teilzeit entspricht dem von Vollzeitauszubildenden, sofern nur die tägliche Ausbildungszeit reduziert wird. Reduziert sich die Zahl der betrieblichen Ausbildungstage pro Woche, fällt auch der Urlaubsanspruch in der Regel anteilig aus.

Lässt sich die Teilzeitausbildung mit einem Handwerksberufs vereinbaren?

Für Handwerker, die früh morgens gemeinsam zum Kunden nach Hause oder auf eine Baustelle fahren, ist eine Ausbildung in Teilzeit tendenziell schwieriger umzusetzen als für Azubis in einem kaufmännischen Beruf. Wenn sich Auszubildende und Betriebe jedoch auf weniger, dafür ganztägig zu leistende Tage einigen, dann lässt sich auch hier die Ausbildung in Teilzeit meistern. Die Betriebe profitieren davon, dass sich die Ausbildungszeit flexibel passend zur Betriebsstruktur gestalten lässt.

Welche Vorteile hat eine Ausbilung in Teilzeit für kleine Betriebe?

Nach Angaben des BIBB profitieren von einer geringeren Ausbildungsvergütung vor allem Klein- und Kleinstunternehmen, die geringere finanzielle Kapazitäten haben. Die Teilzeitausbildung ermöglicht es ihnen, in die Ausbildung einzusteigen.

Ausbildung in Teilzeit

Nadja, eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, absolviert in Stuttgart eine Ausbildung zur Bäckereiverkäuferin. Im Teilzeit-Modell dauert die Ausbildung drei Jahre, sie arbeitet 32 Stunden pro Woche.

Wichtig ist es dabei jedoch, alle Mitarbeiter über das Teilzeit-Modell zu informieren. Denn es kann Missgunst und Streit unter den Mitarbeitenden erzeugen, wenn Auszubildende kürzer arbeiten, eventuell das gleiche verdienen und am Ende die gleichen Qualifikationen vorweisen können. Dabei haben die Azubis, durch die Doppelbelastung mit Kind und Beruf meist eine hohe Arbeitsbelastung zu meistern, die es wertzuschätzen gilt.

Lassen sich die Abbrecher-Quoten durch Ausbildungen in Teilzeit reduzieren?

Wenn das gelingt, würden die Vorteile nach Land für alle überwiegen. Modellprojekte haben gezeigt, dass die " Abbruchquoten" der Teilzeitauszubildenden durchweg unter denen von Vollzeitauszubildenden ohne Erziehungspflichten lagen. Zudem hatten die Teilzeit-Azubis weniger Fehlzeiten, bessere Abschlussnoten und waren insgesamt motivierter bei der Arbeit. jtw/aro

Infos zur Ausbildung in Teilzeit gibt es beim BIBB >>>

Teilzeitausbildung in Zahlen

  • Bundesweit wurden 2016 insgesamt 2.085 Ausbildungsverträge in Teilzeit neu abgeschlossen. Das sind 0,4 Prozent aller Ausbildungsverträge.
  • Der Frauenanteil bei der Ausbildung in Teilzeit liegt bei 91 Prozent.
  • Verteilung nach Zuständigkeitsbereichen: IHK-Bereich (46 Prozent ), HWK-Bereich (21 Prozent), Freie Berufe (20 Prozent), Öffentlicher Dienst (7 Prozent), Landwirtschaft (3 Prozent), Hauswirtschaft (2 Prozent)
  • Seit 2005 ist die Ausbildung in Teilzeit rechtlich im Berufsbildungsgesetz (§ 8 BBIG) und in der Handwerksordnung (§ 27 HwO) verankert.

Quelle: Jobstarter, BIBB

Dieser Beitrag wurde am 12. Oktober 2018 aktualisiert.

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