Autotest: Renault Kangoo Z.E. Elektro-Lieferwagen von Renault

Das Elektroauto Renault Kangoo Z.E. erweist sich als alltagstauglicher Nahverkehrs-Lieferwagen. Doch die hohen Batteriekosten trüben ein wenig die Fahrfreude.

Robert Domina

Im Nahverkehr erwies sich der elektrische Franzose als absolut alltagstauglich. Von außen ist der Z.E. nur an dem Tankdeckel in der Front erkennbar. - © Robert Domina
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So bewertet die DHZ den Renault Kangoo Z. E.
positivnegativ
alltagstauglich im Nahverkehr
leise
hilfreicher Bordcomputer
gute Fahrleistungen
Gesamt-Kostenrechnung
missverständliche Zeigerinstrument für Verbrauch
schwache Heizung

Wie lange hält die Batterie des Kangoo Z. E.?

Jetzt wird’s spannend: Die Nadel der Kapazitätsanzeige liegt satt im roten Bereich, das Zentraldisplay meldet "Eingeschränkte Leistung" und dennoch surrt der Kangoo noch mit 90 km/h über die Landstraße. Bis zur Schnelllade-Station des Renault-Händlers sind es noch gut und gern drei Kilometer – meine Nerven sind positiv angespannt.

Beim Renault-Autohaus angekommen, läuft der Z.E. noch immer. Schaumgebremst zwar – aber er läuft. Und weil ich diese Batterie wirklich leer fahren will, drehe ich noch ein paar Runden auf und ab, bis wirklich Feierabend ist. Da es beim E-Mobil keinen Reservekanister mit Extra-Kilowatt-Stunden gibt, rolle ich sozusagen "auf dem letzten Watt" an die Ladestation.

Seite 2: Was eine Ladestation für den Kangoo Z. E. kostet

Teure Ladestation von Renault für zuhause

Kabel raus, anstecken, fertig. Im Armaturenbrett erscheint die errechnete Ladezeit von Null auf ganz voll: sechs Stunden und 55 Minuten. Die Frage, wie ich jetzt nach Hause komme, stellt sich. Aber: Schlau wie ich bin, habe ich meinen Verbrenner-Van schon mal hier abgestellt und kann später auf gleiche Weise meinen E-Transporter wieder abholen.

Eine Dauerlösung kann das natürlich nicht sein. Dass man sein E-Mobil zum Händler oder zu einer anderen öffentlichen Ladestation zum Tanken fahren muss wäre ein Unding. Eine Drehstrom-Ladestation (Wall-Box) zu Hause zu installieren, ist dagegen machbar, wenngleich noch ziemlich teuer: Mit zirka 1000 Euro plus Installationskosten ist zu rechnen. Und so behelfe ich mir vorm eigenen Haus mit dem sogenannten Not-Ladekabel für 220 Volt (schon dieses kostet rund 400 Euro). Die Ladezeiten liegen in etwa doppelt so hoch wie bei der Wall-Box: Von zirka 20 auf 100 Prozent in einer Nacht ist damit kein Problem. Mein dazwischengeschalteter Zähler dreht sich munter die ganze Nacht, am Morgen sind gut 25 kWh mehr auf dem Zähler, die Batterien dafür voll.

Testwagenüberführung per Anhänger: Langstrecken gehören nicht zur Stärke des Z.E.. - © Robert Domina
auto Praxischeck Kangoo Z.E. 2

Der Kangoo Z.E. liefert sofort das volle Drehmoment

Die nächsten 110 Kilometer Elektro-Fahrt sind auf jeden Fall gesichert. Und die machen ungeheuer Spaß: Aus dem Parkplatz rollt der Z.E. praktisch geräuschlos. Die Beschleunigung aus dem Stand empfindet man als vehement – schließlich liefert ein E-Motor sofort sein volles Drehmoment und das spürt man.

Bei 100 km/h nur wenig Windgeräusche. Im Nahverkehr schwimmt man bestens mit. Die bis zu zehn Prozent steilen Hügel der umliegenden Landstraßen packt der Kangoo Z.E. mit kaum spürbarem Geschwindigkeitsverlust. Allerdings saugen solche Par-Force-Ritte über Steigungen ganz besonders am Stromvorrat und damit an der Reichweite.

Richtig rekuperieren und Strom sparen

Das sieht man am deutlichsten an der Reichweiten-Angabe im Zentraldisplay. Sportliche Fahrweise quittiert der Rechner mit einer gnadenlosen Korrektur der Kilometerangabe nach unten. Andersherum korrigiert sich die Reichweite auch schon mal nach oben, wenn man besonders vorausschauend fährt, schön rollen lässt und die Rekuperations-Funktion optimal nutzt.

Besonders deutlich wird das vor einem Kreisverkehr auf der Bundesstraße: Schon weit vor dem Kreisel – man kennt seine Hausstrecken ja – nimmt man Gas weg und lässt rollen. Kommt man so mit 90 km/h an, rennt der Kangoo noch so gut wie ungebremst. Je langsamer man wird, umso stärker wird der E-Motor als Generator benutzt. Kurz vorm Kreisel ist man auf 20 km/h herunter-"rekuperiert", ohne auch nur einmal das Bremspedal betätigt zu haben. Wer so fährt, kann die Reichweiten des E-Kangoo ganz beträchtlich verlängern.
Und so ist der Aktionsradius schon nach wenigen Tagen verinnerlicht. Die Angst, liegen zu bleiben, weicht einem ungeheuren Fahrvergnügen. Geradezu diebisch ist die Freude, wenn man seine Stamm-Tankstelle nur noch zum Zigarren holen aufsucht: "Haben Sie getankt?" "Nö."

Seite 3: Ob sich der Preis des E-Kangoo wirklich rechnet

E-Kangoo rechnet sich nicht gegenüber Dieselmodell

Als Maxi ist der Kangoo Z.E. 38 cm länger als die Normalversion. - © Robert Domina
auto Praxischeck Kangoo Z.E. 3

Ist der verbrauchte Strom ein ökologisch erzeugter, mischt sich zu dem guten Gewissen, mit "Zero-Emission" (Z.E.) unterwegs zu sein, auch noch große Zufriedenheit angesichts der Tankrechnung. Bei genauerer Betrachtung und tiefer gehender Kalkulation stellt sich jedoch schnell heraus, dass ein E-Mobil wie der Kangoo Z.E. trotz des Mietmodells für die Batterien (noch) ein Draufzahl-Geschäft ist.

Zunächst sieht die Rechnung bei angenommenen Kraftstoff-Preisen von 20 ct für die Kilowattstunde und 1,50 Euro für den Liter Diesel noch sehr ermutigend aus. Bei im Test ermittelten Verbrauchswerten von 23 kWh pro 100 km für den E-Kangoo und 7,6 l/100 km für das Diesel-Pendant ergibt sich ein reiner Kostenvorteil von rund 1.000 Euro pro Jahr oder über 15.000 km. Das klingt sehr gut, ist aber nur die eine Hälfte der Rechnung.

Batteriemiete amortisiert sich erst nach knapp 39 Jahren

Denn hinzu kommt stets der Aufwand für die Batteriemiete. Die Sätze hierfür schwanken zwischen 72 Euro pro Monat (10.000 km, 48 Monate) und 145 Euro bei einer Laufleistung von 30.000 km in zwölf Monaten. Das ist verständlich, spiegeln sich doch in diesen Leasing-Raten höchst unterschiedliche Verschleißsituationen wieder. Bezieht man diese Kosten in die Rechnung mit ein, gleichen sich die "Kraftstoffkosten" nahezu an. Immerhin bleibt ein leichter Vorteil für den E-Kangoo von 120 Euro im Jahr oder 360 Euro über die angenommene Leasing-Laufzeit von 36 Monaten.

Doch dann schlägt der Mehrpreis für den E-Antrieb mächtig ins Kontor: Beim Renault-Kangoo Z.E. beläuft er sich im Vergleich zur 90-PS-Diesel-Variante auf 4.650 Euro. Würde man diesen Mehrpreis ausschließlich über die nur sieben Prozent geringeren Kraftstoffkosten auffangen wollen, müsste man den E-Kangoo knapp 39 Jahre (!) nutzen. Das ist natürlich vollkommen utopisch.

Und deshalb profitieren die Käufer eines E-Autos in Frankreich von einer Staatshilfe in Höhe von just 5.000 Euro. Das macht den Kauf eines E-Autos schon wieder interessant. Eine Steuerbefreiung von E-Autos wie sie in Deutschland geplant ist, ist da zu wenig.