Das Parlamentarische Patenschafts-Programm des Bundestags bietet jungen Gesellen die Chance, ein Jahr in den USA zu leben, zu lernen und zu arbeiten. Wir haben mit einem ehemaligen, einem aktuellen und einer zukünftigen Stipendiatin gesprochen. Sie erzählen, wie das PPP für sie zum Sprungbrett in die Selbstständigkeit wurde, berichten von der Arbeit mit einem anderen Maßsystem und von handwerklichen Kursen am College.

Ein Jahr in den USA leben, studieren und arbeiten – für junge Gesellen macht das Parlamentarische Patenschafts-Programm für Berufstätige (PPP) genau das möglich. Das deutsch-amerikanische Austauschprogramm wird vom Deutschen Bundestag und dem US-Kongress getragen.
Zu Beginn besuchen die Teilnehmer ein College, danach startet die sogenannte Arbeitsphase. Dabei sind sie auf sich gestellt: Sie müssen eigenständig eine passende Arbeitsstelle finden und sich bewerben.
Doch was bringt das Abenteuer USA konkret für junge Handwerker? Drei von ihnen – ein ehemaliger, ein aktueller und ein künftiger Teilnehmer – berichten von ihren Erfahrungen.
Der Ehemalige: Vom PPP in die Selbstständigkeit
Boris Reininghaus ist 48 Jahre alt, gelernter Tischler und kommt aus Köln.
Wie lange liegt Ihr PPP-Jahr schon zurück?
Boris Reininghaus: Bei mir ist es schon etwas länger her. Von 1998 bis 1999 war ich im Rahmen des PPP-Austauschprogramms in Amerika. Zuvor hatte ich von 1993 bis 1996 eine Ausbildung zum Tischler absolviert und meinen Zivildienst abgeleistet.
In welchem Teil der USA haben Sie gelebt?
Ich wurde im südlichsten Zipfel des Bundesstaats Maine platziert – zunächst in Brunswick/Portland, später in York. Während meines Austauschjahres habe ich bei zwei Gastfamilien gelebt: Zuerst bei einer alleinstehenden Frau, deren Kinder gerade ihr Studium begonnen hatten. Nach meinem berufsbedingten Umzug zog ich zu einem Mann, dessen Partner in Japan lebte.
Welches College in Portland haben Sie besucht?
Ich bin auf das Southern Maine Community College in South Portland gegangen.
Hatten Sie dort auch handwerkliche Kurse?
Ja, das hatte ich – es war ein technisches College. Unter anderem hatte ich drei CAD-Kurse, also technisches Zeichnen am Computer. Das Erlernte prägt mich bis heute und hat mich sehr weitergebracht. Außerdem wurde hier generell mein Interesse für das Thema geweckt. In den letzten 25 Jahren hat sich natürlich viel verändert, aber den Grundstein habe ich hier gelegt. In einem anderen Kurs haben wir auch praktisch an einem "Modular Home" gearbeitet – quasi einem Mini-Haus, das auf einem Trailer steht. Damals stand gerade der Innenausbau an. Daher habe ich dort Türen und Fenster eingesetzt, Fußboden verlegt und ähnliche Tätigkeiten durchgeführt. Das Lustige daran war, dass ich durch meine deutsche Ausbildung teilweise einen anderen Lerneffekt hatte. Ich konnte meinen Kollegen und den Ausbildern auch Tipps und Tricks weitergeben.
Wie sah Ihre Arbeitsphase in Amerika aus? Wo ging es für Sie nach dem College hin?
Ich habe bei einem Ladenbaubetrieb mit etwa 20 Mitarbeitern gearbeitet. Hauptsächlich war ich am Fertigungsstandort in Maine tätig. Ich durfte aber auch die eine oder andere Montage in den USA begleiten und bin daher gut herumgekommen. Dank meiner Ausbildung konnte ich direkt mit anpacken. Das nötige Wissen und die Kenntnisse hatte ich bereits. Das Werkzeug und die Ausrüstung waren ähnlich wie in Deutschland. Die größte Herausforderung war das andere Maßsystem, aber nach ein paar Wochen hatte ich mich daran gewöhnt. Manchmal war die Arbeitsweise auch anders. Ein Beispiel ist das Einrichten einer Küche. In Deutschland wird alles im Schreinereibetrieb angefertigt und dann zur Küche gebracht und montiert. In Amerika werden die Küche und das Zubehör direkt im neu gebauten Haus angefertigt.
Wie ging es für Sie weiter, als Sie wieder zurück in Deutschland waren?
Als ich vom PPP zurückkam, konnte ich mir nicht mehr vorstellen, jemals wieder als Angestellter zu arbeiten. Deshalb habe ich mich direkt nach dem Auslandsjahr im August 1999 handwerksähnlich selbstständig gemacht und parallel dazu meinen Meister begonnen. Diese Entscheidung lebe ich bis heute und bereue sie nicht. Meine Ausbildung hatte ich bei der Stadt Köln gemacht. Sie war wirklich umfassend und gut, aber in meiner Zeit als Geselle waren die Aufgaben etwas steif und einseitig. Mir hat der Handwerksgedanke gefehlt. Meine Erfahrungen im amerikanischen Ladenbaubetrieb waren der Antrieb, etwas Eigenes zu machen. Dass man als Selbstständiger quasi keinen Urlaub hat und weniger Freiheiten, war ich aus Amerika schon gewohnt.
Welche Fähigkeiten und Erfahrungen aus Ihrem PPP-Jahr haben Ihnen beim Schritt in die Selbstständigkeit geholfen?
Ich glaube, dass ich nicht in klassisch deutschem Sicherheitsdenken gefangen bin, sondern auch mit Freiheiten und Ungewissheiten umgehen kann. Irgendwie geht es trotzdem immer weiter. Sachen wie eine Krankenversicherung, Urlaubsgeld, bezahlter Urlaub und weiterer "Luxus" sind zwar schön, aber es funktioniert auch ohne – das ist kein Weltuntergang. Außerdem hat mir das PPP gezeigt, dass es sich lohnt, sich etwas zu trauen. Wenn ich als junger Geselle für ein Jahr nach Amerika gehen kann, schaffe ich es auch, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
Haben Sie nach all den Jahren noch immer eine Verbindung zu Amerika?
Ja, ich bin seit dem PPP immer noch jedes Jahr in Nordamerika. In den ersten Jahren hat mein ehemaliger Betrieb in Maine ein Arbeitsvisum für mich besorgt und ich war jedes Jahr drei bis sechs Monate dort. Ich habe bei meinem alten Gastvater gewohnt und in dem Betrieb gearbeitet. Die letzten 15 Jahre war ich jeden Sommer – und manchmal auch zwischendurch – in Kanada, weil ich mir dort ein Ferienhaus am Meer gebaut habe.
Der Aktuelle: Deutsche Ausbildung eine top Vorbereitung
Ron Thomas ist 22 Jahre alt, gelernter Konstruktionsmechaniker und kommt aus dem Erzgebirge in Sachsen.
Welche beruflichen Erfahrungen hatten Sie vor dem PPP?
Ron Thomas: Ich habe im Februar 2023 meine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker in einem mittelgroßen Betrieb im Erzgebirge abgeschlossen. Danach arbeitete ich dort als Schweißer.
Sie waren im PPP-Jahrgang 2024/25. Seit wann sind Sie zurück in Deutschland?
Nach einem Jahr in Amerika bin ich jetzt seit dem 9. Juli 2025 wieder zurück in Deutschland.
Wo sind Sie aufs College gegangen?
Ich war auf dem Wabash Valley College im Bundesstaat Illinois. Es war ein kleineres College. Es gab keine riesigen Vorlesungssäle, sondern normale Klassenzimmer, wie wir sie auch in Deutschland kennen. Einen handwerklichen Kurs hatte ich allerdings nicht gewählt. Für meinen Berufszweig hätte es zwar "Basic Welding", also die Grundlagen des Schweißens, gegeben. Aber da ich bereits seit fünf Jahren schweiße, hat mich der Kurs nicht angesprochen.
Gibt es Unterschiede zwischen dem Unterricht an einem College und dem an einer Berufsschule?
In der deutschen Ausbildung ist es klassischerweise so, dass man in der Berufsschule hauptsächlich Theorie lernt und im Betrieb hauptsächlich Praxis. Zwar gibt es in der Berufsschule auch eine Werkstatt für handwerkliche Arbeiten, aber der Theorieanteil überwiegt deutlich. Am College lernt man Theorie und Praxis gleichzeitig, wobei der Praxisanteil größer ist. Je nach College ist auch die Kursauswahl entscheidend. Teilweise kann man Kurse nur für das Praktische belegen. Das Gleiche gilt umgekehrt für reine Theorie-Kurse. Somit kann man sich den Lehrplan durch die verschiedenen Kursangebote selbst zusammenstellen und sich in verschiedene Fachrichtungen spezialisieren.
Wie ging es für Sie nach dem College weiter? Wo haben Sie gearbeitet?
Während meiner Arbeitsphase bin ich an die Ostküste Virginias gezogen. Dort habe ich eine Stelle in einem kleinen Schweißbetrieb gefunden.
Welches Geschäftsfeld hatte Ihre neue Arbeitsstelle?
Die Metallbude war auf Reparaturarbeiten im Geländerbau sowie auf unterschiedlichste Oberflächenverkleidungen spezialisiert. In der Werkstatt haben wir viele Vorarbeiten geleistet – etwa Verkleidungselemente, komplette Schränke und Hängeschränke für Industrieküchen angefertigt. Auch im Geländerbau wurden die Bauteile zunächst in der Werkstatt vorbereitet. Anschließend haben wir unsere Pick-up-Trucks beladen und sind zum Kunden gefahren. Vor Ort wurde dann aufgebaut, geschweißt und montiert.
Wie sah ein typischer Arbeitstag für Sie aus?
Mir hat es gut gefallen, dass ich sehr selbstständig arbeiten durfte. Das war ich aus meiner Arbeit in Deutschland nicht gewohnt. Man hat mir ein Projekt mit einer Zeichnung zugeteilt. Ich musste dann das passende Material heraussuchen, es zuschneiden oder fräsen – dann natürlich alles fachgerecht verschweißen. Gelegentlich musste ich auch lackieren und anschließend zum Kunden fahren und dort montieren. Ich war also von Anfang bis Ende an dem Projekt voll beteiligt und habe nicht nur den Zwischenschritt als Schweißer erledigt.
Hatten Sie am Anfang Probleme bei der Arbeit oder waren Sie dank Ihrer Ausbildung gut vorbereitet?
Praktisch gesehen hatte ich keine Probleme. Als ich bei meinem Vorstellungsgespräch Probeschweißen musste, waren viele sehr überrascht, wie gut ich mit 22 Jahren schon schweißen konnte. In Amerika ist es anscheinend nicht üblich, dass junge Menschen schon verschiedene Schweißverfahren beherrschen und gleichzeitig auch so gut verschiedene Materialien wie Stahl, Edelstahl und Aluminium schweißen können. Mein größtes Problem hatte ich anfangs mit den anderen Maßen. In Deutschland haben wir das metrische Einheitensystem mit Millimetern, Zentimetern usw. In Amerika wird dagegen das imperiale Einheitensystem mit Inch, Foot und Yard verwendet. Das war eine große Umstellung, die anfangs zu einigen Problemen geführt hat. Aber nach etwa einem Monat hatte ich mich daran gewöhnt.
Gibt es Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Schweißen?
Eigentlich gibt es nicht viele Unterschiede. Die Amerikaner hatten einfach anderes Material, Werkzeug und andere Maschinen. Das Handwerk ist aber das gleiche. Auch die Methoden und Arbeitsweisen unterscheiden sich kaum. Der größte Unterschied besteht eigentlich bei den Sicherheitsmaßnahmen.
Ach ja, warum denn das?
In Amerika gibt es deutlich weniger. In Deutschland hat mir der Arbeitgeber beispielsweise Arbeitsklamotten gestellt, in den USA muss man sich hingegen um alles selbst kümmern. Auch das Werkzeug musste ich mir teilweise selbst für meine Arbeit kaufen. Zum Beispiel Hammer, Schonhammer, Zangen, Krippzangen und auch Messmittel. Also typische Werkzeuge, die man in einer Werkzeugkiste hat. Bei anderen PPP-Teilnehmern, die ebenfalls handwerklich gearbeitet haben, waren die Voraussetzungen ähnlich.
Was wäre passiert, wenn Sie sich keine Sicherheitskleidung gekauft hätten?
Mein Arbeitgeber hat mir Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen empfohlen. Beim Rest durfte ich selbst entscheiden. Ich hatte das Glück, dass ich von zwei Freunden günstig die Klamotten abkaufen konnte. Mein alter Arbeitgeber aus Deutschland hatte mir damals Sicherheitsschuhe, Stahlkappenschuhe, eine Schweißerhose, eine Schweißerjacke und einen Schweißerhelm bereitgestellt.

Welche weiteren Unterschiede zwischen der deutschen und der amerikanischen Arbeitswelt fallen Ihnen noch ein?
Ich habe mein Gehalt hier nicht jeden Monat ausgezahlt bekommen. In Amerika ist es üblich, das Gehalt alle zwei Wochen zu erhalten. Die Höhe wurde genau an die Stunden angepasst, die ich in diesen zwei Wochen gearbeitet habe. Wenn du zum Beispiel frei oder Urlaub nimmst, ist dieser deshalb auch unbezahlt. Dadurch waren die Arbeitszeiten sehr flexibel. Ich habe immer mindestens 40 Stunden pro Woche gearbeitet. Meine Kollegen haben jedoch ganz unterschiedlich gearbeitet. Manche sind zeitiger gekommen, andere sind eher gegangen oder waren nur drei Tage in der Woche da. In den USA ist ein Arbeitsvertrag kein Standard. Als ich meinen Chef danach gefragt habe, hat er mich erst einmal komisch angeschaut. Die Bezahlung war sehr gut. Ich habe pro Stunde 25 Dollar und für die Überstunden jeweils 37 Dollar bekommen.
Welche persönliche Entwicklung haben Sie durch das PPP-Jahr durchlaufen?
Diese internationale Arbeitserfahrung kann mir niemand mehr nehmen. In Zukunft könnte ich auch im englischsprachigen Raum außerhalb Europas arbeiten. Einerseits natürlich, weil ich mein Englisch enorm verbessern konnte, andererseits, weil ich jetzt das imperiale Maßsystem kenne. Im fachlichen Bereich hätte ich mich zwar auch in einem deutschen Betrieb verbessern können, trotzdem ist die Herausforderung in einem fremden Land eine ganz andere. Daran bin ich gewachsen und selbstständiger geworden.
Die Zukünftige: So läuft ein Bewerbungsverfahren in den USA ab
Carolin Krause ist 23 Jahre alt, gelernte Kirchenmalerin und kommt aus Warstein-Suttrop in Nordrhein-Westfalen.
Ihr Auslandsjahr steht Ihnen noch bevor. Wann geht Ihr Flieger nach Amerika?
Für mich geht es am 14. August 2025 los. Zunächst fliege ich mit meinem kompletten Jahrgang nach Washington, D.C., bevor jeder zu seinem Platzierungsort weiterfliegt. Eine Arbeitsstelle habe ich bereits in Saint Paul im Bundesstaat Minnesota gefunden. Auf welches College ich gehen werde, weiß ich momentan noch nicht.
Wie verlief die Kommunikation mit Ihrem deutschen Arbeitgeber während des PPP-Jahres?
Ich bin seit einem Jahr Gesellin in meinem Ausbildungsbetrieb. Von 2021 bis 2024 habe ich meine Ausbildung zur Malerin und Lackiererin mit der Fachrichtung Kirchenmalerei und Denkmalpflege im nordrhein-westfälischen Rüthen absolviert. Ich habe immer offen mit meinem Betrieb kommuniziert. Sie freuen sich für mich, haben mich immer unterstützt und stehen meiner Entscheidung positiv gegenüber, da von Anfang an klar war, dass ich nicht für immer dort bleiben werde. Es ist ein kleinerer Betrieb mit familiärer Stimmung, deshalb gab es da keine Probleme. Nach meinem Jahr in den USA werde ich voraussichtlich noch einmal für zwei Monate dort arbeiten, bevor es für mich nach Wien geht. Dort habe ich einen Studienplatz für Konservierung und Restaurierung erhalten.
In welchem Betrieb werden Sie in Saint Paul arbeiten?
Es handelt sich um eine kleine Vergolderwerkstatt namens "Master Framers", die sich hauptsächlich auf die Herstellung und Restaurierung von Bilderrahmen und Kunstwerken spezialisiert hat. Sie befindet sich in Downtown Saint Paul und hat ungefähr zehn Mitarbeiter. In der Werkstatt werden auch öfter mal Kunstwerke lokaler Künstler ausgestellt, sodass es quasi auch eine kleine Kunstausstellung ist. Das finde ich sehr spannend.
Wie sind Sie auf diese kleine Werkstatt aufmerksam geworden?
Ich habe im Internet recherchiert und in ganz Amerika nach passenden Betrieben gesucht. Durch die Ausbildung wusste ich, dass ich unbedingt im Bereich der Vergoldung arbeiten möchte. Deshalb wollte ich einen Betrieb, in dem dies hauptsächlich gemacht wird. In meinem deutschen Betrieb war es leider eher eine seltene Aufgabe. Dort habe ich hauptsächlich an größeren Baudenkmälern wie Kirchen, Schlössern oder Fachwerkhäusern gearbeitet. Von Fassaden bis zu Innenräumen war alles dabei. Das ist etwas anderes als kleinere Bilder oder Möbel. Ich nutze das PPP-Jahr also als Weiterbildungsmaßnahme, um in diesem Bereich mehr praktische Erfahrung zu sammeln und mich weiterzubilden.
Ist es Ihr Ziel, auf dem College einen Vergoldungskurs zu belegen?
Der Traum wäre es, etwas kunsthandwerkliches als Kurs zu finden, das finde ich sehr spannend. Ich muss abwarten, wo ich eingesetzt werde, und lasse alles auf mich zukommen. Vielleicht wird es ja auch ganz anders.

Wie läuft eine Bewerbung bei einem amerikanischen Betrieb eigentlich ab?
Ich habe verschiedene Unterlagen vorbereitet. Darin habe ich meine Schul- und Ausbildungszeugnisse, meinen Lebenslauf, mein Bewerbungsschreiben und ein Portfolio meiner Arbeiten zusammengestellt. Meine Zeugnisse habe ich einfach eingescannt und die Noten auf die amerikanische Benotung umgerechnet. Als Handwerker ist ein Portfolio mit meinen Arbeiten wahrscheinlich ohnehin aussagekräftiger als Berufsschulnoten. Ich habe meine Bewerbung an alle Betriebe geschickt, die ich über Google gefunden habe. Master Framers hat sehr schnell geantwortet, war sehr interessiert und proaktiv. Wir hatten ein Zoom-Meeting und danach ist die Entscheidung sehr schnell gefallen.
Wie viele Bewerbungen haben Sie geschrieben?
Ich habe tatsächlich eine Liste geführt, deshalb kann ich hier sehr genau antworten. Ich habe 36 Bewerbungen an Vergolder und größere Unternehmen, die Dekorationsmaler beschäftigen, geschrieben. Davon habe ich von knapp der Hälfte eine Antwort bekommen. Die meisten haben allerdings direkt abgesagt. Neben Master Framers hätte ich bei zwei bis drei anderen Betrieben noch eine realistische Chance auf eine Einstellung gehabt.
Gibt es Unterschiede zum Bewerbungsablauf in Deutschland?
Ich habe kaum Bewerbungserfahrung in Deutschland. Mir ist aufgefallen, dass ich in den USA zwar oft sehr schnell eine Antwort erhalte, danach aber nie wieder eine Rückmeldung bekomme. Überrascht hat mich eine positive Erfahrung: Einige Betriebe, die mir abgesagt haben, haben mir Kontaktdaten und Informationen zu anderen potenziellen Arbeitgebern vermittelt. Wichtig ist auch, dass der Lebenslauf in Amerika ganz anders aufgebaut ist als in Deutschland. Er ist viel anonymer und unpersönlicher, was an den starken Antidiskriminierungsgesetzen liegt. Foto, Geschlecht, Familienstand oder andere persönliche Informationen dürfen nicht angegeben werden. In Deutschland wirken Bewerber dadurch sympathischer und nahbarer, aber in Amerika darf man diese Informationen nicht angeben.
Parlamentarisches Patenschafts-Programm: Würden Sie anderen jungen Handwerkern empfehlen, sich zu bewerben?
Boris Reininghaus: Auf jeden Fall! Ich empfehle das PPP jedem wärmstens. Warum? Weil es eines der wenigen Austauschprogramme im Berufssektor nach Nordamerika ist. Für Gesellen gibt es nichts Besseres. Die Persönlichkeitsentwicklung, die in diesem Jahr stattfindet, ist enorm und würde anderswo viel länger dauern, ich spreche aus Erfahrung. Allgemein kann ich sagen: Die Erfahrungen, die man in einem Jahr mit dem PPP sammelt, macht man sonst vielleicht in einem ganzen Jahrzehnt nicht.
Ron Thomas: Ja, ich kann jetzt zwar nur für Schweißer sprechen, aber wenn man als Handwerker Lust auf Amerika hat, sollte man diese Chance wahrnehmen. Allein schon für den kulturellen Austausch empfehle ich es jedem jungen Menschen. Durch die deutsche Ausbildung im Handwerk stehen die Chancen, einen Job zu finden, auch gut.
Carolin Krause: Mein PPP-Jahr steht zwar noch bevor, ich empfehle das Programm aber trotzdem jedem. Einfach, weil es eine einzigartige Chance ist. Es ist etwas Besonderes, so eine lange und intensive Auslandserfahrung als Geselle zu erleben. Sonst ergibt sich das gefühlt immer nur für Studenten mit einem Auslandssemester hier oder einem Auslandspraktikum dort. Gerade handwerkliche Ausbildungen werden bei Auslandsaufenthalten oft vernachlässigt – umso wertvoller ist es, wenn sich Handwerker diese Chance nicht entgehen lassen. Wer Lust auf ein Jahr im Ausland hat, bringt bereits die wichtigste Voraussetzung mit.



