Ausbildungsordnungen überarbeitet Ausbildungsjahr 2023: 3 Handwerksberufe modernisiert

Glasapparatebauer, Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker, Mediengestalter Digital und Print – diese Ausbildungsberufe aus dem Handwerk wurden an die heutige Zeit angepasst. Was sich für Lehrlinge und Ausbildungsbetriebe ab dem 1. August 2023 ändert.

Die alte Ausbildungsordnung der Glasapparatebauer war bereits 40 Jahre alt. - © Eugen Werner / Lenz Laborglas GmbH & Co. KG

In Deutschland gibt es 324 anerkannte Ausbildungsberufe, davon über 130 im Handwerk. Jedes Jahr werden einige Ausbildungsordnungen neu geschaffen oder bestehende überarbeitet. So sollen die Ausbildungsberufe den aktuellen Anforderungen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft entsprechen.

Seit 2007 überarbeitet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) gemeinsam mit den zuständigen Bundesministerien sowie den Sozialpartnern und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis die Berufsausbildungen. Das geschieht im Auftrag der Bundesregierung. Dieses Jahr gibt es für drei handwerkliche Ausbildungen eine Modernisierung. Für Auszubildende, die sich bereits in der Ausbildung befinden, gelten die Anpassungen nicht. Die Änderungen ab dem 1. August 2023 im Überblick:

Mediengestalter/-in Digital und Print

Die Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print dauert drei Jahre. Die Lehrinhalte der ersten beiden Ausbildungsjahre sind für alle Auszubildenden identisch. Die Spezialisierung nach den Fachrichtungen erfolgt im dritten Ausbildungsjahr. Bisher gab es drei Fachrichtungen für angehende Mediengestalter. Alle Lehrlinge, die ab dem 1. August 2023 ihre Ausbildung beginnen, können nun zwischen vier Fachrichtungen wählen. Die bisherigen Wahlqualifikationen wurden stark reduziert, damit seit es gelungen, die komplexe Ausbildungsstruktur deutlich zu vereinfachen, so der Bundesverband Druck und Medien (bvdm).

Aus der Fachrichtung "Beratung und Planung" wird "Projektmanagement", "Konzeption und Visualisierung" heißt jetzt "Designkonzeption" und die Fachrichtung "Gestaltung und Technik" wird in "Printmedien" und "Digitalmedien" aufgeteilt. Bei der Erarbeitung der neuen Ausbildungsverordnung und des -rahmenplans wurden die Inhalte Projektdurchführungen, Kommunikation sowie neue digitale Techniken und Anwendungen stärker berücksichtigt. Diese Inhalte werden in den einzelnen Fachrichtungen im 3. Ausbildungshar vermittelt:

ProjektmanagementDesignkonzeptionPrintmedienDigitalmedien
Analysieren von Bedarfen und auftragsbezogenes BeratenAnalysieren von Kundenaufträgen und gestalterischen BedarfenAufbereiten von Produktionsdaten für unterschiedliche DruckverfahrenGestalten von Digitalmedien
Entwickeln von Marketing- und KommunikationsmaßnahmenEntwickeln von IdeenAnwenden von FarbmanagementStrukturieren und Programmieren von Digitalmedien
Kaufmännisches Bearbeiten von AufträgenVisualisieren von Entwürfen und PrototypenUmsetzen von QualitätssicherungErstellen von Prototypen und Steuern von Ausgabeprozessen
Präsentieren von Angeboten und KonzeptenEntwickeln und Präsentieren von DesignkonzeptenWahlqualifikation*Wahlqualifikation*
Konzipieren, Durchführen und Abschließen von ProjektenVorbereiten der Umsetzung von Designkonzepten
Quelle:bvdm

*Der Betrieb wählt in den beiden Fachrichtungen Printmedien und Digitalmedien eine, der jeweils sechs Wahlqualifikation, welche die spezifische Ausrichtung des Betriebes berücksichtigt.

Die letzte grundlegende Neuordnung des Ausbildungsberufes erfolgte im Jahr 2007.

Glasapparatebauer/-in

Manuell und mithilfe von Maschinen stellen Glasapparatebauer zum Beispiel Extraktoren, Reaktionsgefäße und Kühler her. Die alte Ausbildungsordnung war bereits 40 Jahre alt und bedurfte nach Ansicht des Verbandes Deutscher Glasbläser (VDG) dringend einer Modernisierung. Das Erlernen der handwerklichen Fertigkeiten zur Formgebung von Glas ist und bleibt ein zentraler Bestandteil der Ausbildung. Kunden- und Marktanforderungen haben sich aber über die Jahre verändert: "Die Betriebe mussten und müssen sich nicht nur auf eine veränderte Produktpalette einstellen. Auch Themen wie Arbeitssicherheit, Qualitätsanforderungen und Fertigungslosgrößen oder Marktpreise stellen die Branche vor immer neue Herausforderungen", so der VDG. Dafür ständen aber auch viele neue Materialien, Methoden, Werkzeuge, Maschinen und Anlagen zur Verfügung. Durch die Modernisierung seien diese Neuerungen in die Ausbildungsinhalte und Prüfungsanforderungen eingeflossen.

"So offen wie möglich, so konkret wie nötig" war ein wichtiger Grundsatz bei der Erarbeitung der neuen Ausbildungsordnung. Ein Problem der alten Ordnung war laut VDG, dass sich Ausbildungsbetriebe aus den Bereichen Quarzglas oder Weichglas stark an den Anforderungen aus dem Bereich Borosilikatglas orientieren mussten. Mit der Änderung ist das nicht mehr der Fall. Ab dem 1. August 2023 wählen Ausbildende aus den drei Einsatzgebieten mindestens eines aus, in dem die Vermittlung erfolgt. Damit sollen unter anderem hohe Zusatzkosten für Betriebe, die nicht im Bereich Borosilikatglas tätig sind, vermieden werden. Der weiterhin steigenden Bedeutung der maschinellen Glasbearbeitung wird durch deutlich konkretere Anforderungen bei der Ausbildung an der Glasdrehbank Rechnung getragen.

Im Ausbildungsrahmenplan wird zudem mehr Gewicht auf die Planung und Vorbereitung von Arbeitsabläufen gelegt. Neben vielen weiteren Anpassungen ist dies ein wichtiger Baustein, um Verbesserungen in den Bereichen Prozesskenntnis, Kommunikation, Effizienz, Effektivität und Qualität zu erzielen.

Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in

"Es war höchste Zeit, die Inhalte des Rahmenplans, der Ausbildungsverordnung zum Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/in anzupacken und an die heutige Zeit anzupassen", sagt Steffen Fuchs vom Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF). Die letzte Überarbeitung fand 2014 statt. Zehn Jahre ohne Veränderungen seien in dieser hochtechnisierten Branche fast schon zu lang. Ab dem 1. August 2023 werden neue Materialien, Systeme, Reparatur- sowie Herstellungsverfahren in den Ausbildungsinhalten abgedeckt.

"Ein wesentlicher Bestandteil der Neuordnung besteht aus der neuen Fachrichtung Caravan und Reisemobiltechnik", erklärt Fuchs. Damit soll dem Bedarf an spezialisierten Fachkräften in diesem Bereich mit gut ausgebildeten Gesellen entgegengewirkt werden. Die bereits bestehenden Fachrichtungen "Karosserieinstandhaltungstechnik" und "Karosserie- und Fahrzeugbautechnik" bleiben bestehen, wurden aber inhaltlich geprüft und überarbeitet. Die Ausbildungszeit beträgt dreieinhalb Jahre, die zweijährige Grundausbildung ist dabei für alle Lehrlinge identisch. In den letzten 18 Monaten erfolgt die Ausbildung in der jeweiligen Fachrichtung. Neu ist auch die Zusatzqualifikation für das Arbeiten unter Spannung an Hochvoltkomponenten. Ein Überblick der jeweiligen Änderungen der Fachrichtungen:

  • Karosserieinstandhaltungstechnik und Karosserie- und Fahrzeugbautechnik: Die Karosserieinstandhaltungstechnik umfasst die klassische Unfallinstandsetzung von PKWs und Kleintransportern. Bei der Karosserie- und Fahrzeugbautechnik handelt es sich um den herstellenden Karosserie- und Fahrzeugbau und die Oldtimerrestaurierung. In beiden Fachrichtungen wird zukünftig wesentlich intensiver auf Leichtbau, Materialmix, Klebetechnik und vernetzte Systeme gesetzt. Diese Themen werden neu in die Ausbildung aufgenommen oder stundenmäßig verstärkt.
  • Caravan- und Reisemobiltechnik: Diese neue Fachrichtung wird ab dem 1. August 2023 in die Ausbildung aufgenommen. Hier stehen die Instandhaltung von Fahrgestellen, Karosserien und Wohnaufbauten sowie die Konstruktion und Fertigung von Caravan- und Reisemobilen im Mittelpunkt. Weitere Ausbildungsinhalte sind die stark vertretene Klebetechnik, Instandhaltung von Sanitären Anlagen, Versorgung mit elektrischem Strom und Flüssiggasanlagen, die zum Beispiel für Heizung und Kochstellen benötigt werden.

Welche Berufe wurden noch modernisiert?

Neben den oben genannten Ausbildungsberufen wurde noch zwei weitere modernisiert, die aber keine Handwerksberufe sind. Das sind die Berufe Kunststoff- und Kautschuktechnologe/Kunststoff- und Kautschuktechnologin sowie Steuerfachangestellter/Steuerfachangestellte. Neu ist zudem der Ausbildungsberuf Gestalter für immersive Medien/Gestalterin für immersive Medien. In diesem entwickeln und produzieren Auszubildende virtuelle Welten, wofür sie zum Beispiel Augmented Reality oder Virtual Reality nutzen. Der Beruf wurde neu geschaffen, weil die Möglichkeiten dieser immersiven Medien in der Praxis immer häufiger genutzt werden. So können dank ihnen zum Beispiel Messen virtuell besucht oder Konzerte live in voller Klangqualität vom heimischen Sofa aus erlebt werden.