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Bedarfssätze sollen an BAföG angepasst werden Ausbildungsbeihilfe für Azubis: Mehr Geld ab 1. August 2019

Der Staat will Auszubildende, die während ihrer Lehre nicht bei den Eltern wohnen, stärker bezuschussen. Auch das Ausbildungsgeld für junge Menschen mit Behinderung soll steigen. Welche Förderhöhe künftig möglich ist und wer die Zuschüsse beantragen kann.

Das Arbeitsministerium möchte die Berufsausbildungsbeihilfe für Auszubildende, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, deutlich erhöhen. "Insbesondere die Pauschalen für Unterkunftskosten werden signifikant angehoben", heißt es in einer Mitteilung. Eine entsprechende Gesetzesänderung hat das Kabinett Mitte März auf den Weg gebracht. Konkret soll der Höchstbetrag für Lebensunterhalt und Wohnen ab 1. August 2019 von derzeit 622 Euro auf monatlich 716 Euro steigen. Zum 1. August 2020 ist dann eine weitere Erhöhung auf 723 Euro pro Monat vorgesehen. Zusätzlich können weiterhin Zuschüsse, etwa für Fahrkosten oder Kinderbetreuung, beantragt werden.

"Durch die Anpassung wird den steigenden Unterkunfts- und Verpflegungskosten aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung Rechnung getragen", heißt es im Gesetzentwurf. Das Arbeitsministerium gleicht die Beihilfe damit an das Niveau der BAföG-Sätze an, für die das Bildungsministerium erst kürzlich ebenfalls eine Erhöhung beschlossen hat.

Berufsausbildungsbeihilfe: Wer sie bekommt

Auszubildende können die Berufsausbildungsbeihilfe bei der Agentur für Arbeit oder ihrem zuständigen Jobcenter beantragen. Im Jahr 2017 haben rund 87.000 junge Menschen eine entsprechende Förderung erhalten, darunter auch Teilnehmer an berufsvorbereitenden Maßnahmen. Das Arbeitsministerium schätzt, dass durch die geplante Änderung Mehrkosten in Höhe von jährlich bis zu 123 Millionen Euro entstehen werden.

Anspruch haben Lehrlinge, die nicht bei ihren Eltern wohnen können, weil die Ausbildungsstelle zu weit vom Elternhaus entfernt ist. "Zu weit" bedeutet in diesem Fall, dass für Hin- und Rückweg mehr als zwei Stunden benötigt werden. Volljährige Auszubildende, die mit ihrem Partner in einer Wohnung leben oder selbst bereits Eltern sind, können die Beihilfe unabhängig von der Entfernung beantragen. Voraussetzung in beiden Fällen ist, dass die Ausbildungsvergütung für Miete, Verpflegung und Fahrten nicht ausreichend ist.

Auch Ausbildungsgeld wird erhöht

Eine ähnliche Förderung wie die Ausbildungsbeihilfe ist das Ausbildungsgeld. Der Zuschuss wird an Menschen mit Behinderung vergeben, die auf besondere Ausbildungseinrichtungen angewiesen sind. Auch hier sieht der Gesetzentwurf eine Verbesserung vor. Das Ausbildungsgeld soll künftig an die Bedarfssatzstruktur der Berufsausbildungsbeihilfe angeglichen werden. Im selben Zug sollen für beide Förderinstrumente mehrere Sonderregelungen wegfallen. "Von 24 Bedarfssätzen bleiben dann nur noch 14 Bedarfssätze übrig − ohne dass sich die Unterstützung für die Betroffenen verringert – im Gegenteil", verspricht eine Sprecherin des Arbeitsministeriums.

Mehr Geld sollen künftig auch Personen erhalten, die im Eingangsverfahren oder im Berufsbildungsbereich einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen oder an vergleichbaren Maßnahmen anderer Träger teilnehmen. "Unterschiede in der Höhe während des Ausbildungszeitraumes werden abgeschafft", teilt das Arbeitsministerium mit. Darüber hinaus würde auch der Bedarfssatz bei einer individuellen betrieblichen Qualifizierung im Rahmen einer Unterstützten Beschäftigung deutlich erhöht. fre/bir

Diese Förderhöchstsätze sind künftig möglich
  Grundbedarf Unterkunft Gesamt
Bis 31. Juli 2019 372 Euro 250 Euro 622 Euro
Ab 1. August 2019 391 Euro 325 Euro 716 Euro
Ab 1. August 2020 398 Euro 325 Euro 723 Euro

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