Bäckerei Schwarz Aus Asien ins Allgäu: "Ein Gewinn für alle"

Wie Integration im Handwerk funktionieren kann, zeigt die Bäckerei Schwarz: Im Betrieb und auf dem eigenen Campus unterstützt sie junge Auszubildende aus Vietnam und Indonesien auf ihrem Weg ins Berufsleben. Die hohe Übernahmequote beweist, dass das Konzept aufgeht.

Die Azubis überzeugen mit Freundlichkeit, Fleiß und Bescheidenheit.
Eine nachhaltige Strategie: Die Bäckerei Schwarz setzt auf Auszubildende aus Asien, um den Familienbetrieb langfristig zu erhalten. Die Azubis überzeugen mit Freundlichkeit, Fleiß und Bescheidenheit. - © Stefanie Blochmann

Wenn Dirk Oberst über seine Auszubildenden spricht, schwingt Begeisterung in seiner Stimme mit. In der traditionsreichen Bäckerei Schwarz im Allgäu sind jungen Menschen aus Vietnam, Indonesien und anderen asiatischen Ländern inzwischen zum festen Bestandteil des Teams geworden. "Wir haben mit unseren Azubis aus Asien durchweg hervorragende Erfahrungen gemacht", schwärmt der Prokurist und Mitglied der Geschäftsführung. "Sie sind fleißig, motiviert und unglaublich lernwillig. Beinahe alle von ihnen bleiben nach der Ausbildung dauerhaft bei uns – die Quote liegt bei rund 97 Prozent."

Traditionelles Handwerk

Die Bäckerei Schwarz, auch bekannt als die "Brotrebellen", steht für echtes Handwerk. Rund 80 Filialen betreibt das Familienunternehmen in der Region, dazu einen eigenen Ausbildungs-Campus, in dem Schulungen stattfinden. "Wir backen noch traditionell – mit Kochstücken, Teigruhe, ohne Zusatzstoffe. Unsere Produkte brauchen Zeit und handwerkliches Können", betont Oberst. Diese Haltung prägt auch die Ausbildung: Neben der Berufsschule besuchen alle Auszubildenden interne Workshops zu Fachsprache, Produktkunde und Verkaufskompetenz sowie natürlich die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung im BTZ Kempten.

Echtes Interesse am Handwerk

Dass gerade viele junge Menschen aus Asien den Weg in deutsche Handwerksbetriebe finden, habe mehrere Gründe. "Zum einen sind diese Auszubildenden hervorragend vorbereitet", erklärt Oberst. Sie absolvieren bereits im Heimatland verpflichtende Sprachkurse und müssen das Sprachniveau B1 nachweisen. "Und wir sehen schon beim Vorstellungsgespräch über Videokonferenzen, wie gut sie sich ausdrücken können. Das ist kein auswendig gelernter Text, das ist echtes Interesse", so Oberst.

Die Bäckerei arbeitet seit Jahren mit einer Vermittlungsagentur zusammen, die in Vietnam und Indonesien Sprachschulen betreibt. "Dabei wird mit den deutschen Botschaften und den Handwerkskammern zusammengearbeitet – alles auf legalem Weg", sagt Oberst.

Gute Vorbildung

Auch Arnulf Kleinle, Fachbereichsleiter für die Bäcker- und Konditoren-Ausbildung bei der Handwerkskammer für Schwaben, beobachtet den wachsenden Zustrom aus Fernost: "In den letzten zwei Jahren erleben wir einen starken Anstieg von Lehrlingen aus Asien", sagt er. Besonders deutlich zeige sich dies in den überbetrieblichen Lehrgängen. "Viele bringen eine sehr gute Vorbildung mit – wir hatten etwa Teilnehmer mit abgeschlossenem BWL- oder Germanistik-Studium in ihren Heimatländern, die sich bewusst für das Handwerk in Deutschland entscheiden."

Insbesondere der Fachverkauf im Lebensmittelhandwerk sei gefragt. "Gesucht werden Berufe, in denen viel kommuniziert wird, um die Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. Da eignet sich eine Bäckerei viel besser als ein Bürojob", weiß Kleinle. Auch die Sozialleistungen und finanziellen Rahmenbedingungen wirkten positiv: "Der Bäckerberuf ist wieder attraktiver geworden, nicht zuletzt durch höhere Ausbildungsvergütungen. Viele Betriebe in der Region zahlen überdies einen sogenannten Allgäutarif, der über dem Tariflohn liegt."

"Wir nehmen Sie an die Hand"

Neben der finanziellen Absicherung spielen soziale Aspekte eine große Rolle. Kleinle betont die Bedeutung des Miteinanders: "Die jungen Leute aus Asien sind höflich, respektvoll, sehr diszipliniert. Sie passen hervorragend in die Strukturen eines Handwerksbetriebs, wo Verlässlichkeit zählt." Wichtig sei jedoch, dass die Betriebe den Neuankömmlingen Orientierung bieten, etwa durch gemeinschaftliche Wohnangebote. Die Bäckerei Schwarz stellt für die ausländischen Azubis Unterkünfte bereit und kümmert sich auch um eine schnelle Integration. "Wir nehmen sie vom ersten Tag an die Hand", berichtet Oberst. "Ob es um Arzttermine, Behörden oder einfach den Alltag geht – sie werden begleitet und fühlen sich schnell zuhause." An die neue Kultur würden sich die meisten Azubis rasch gewöhnen. "Anfangs ist der Dialekt im Kundenkontakt vielleicht eine Herausforderung", sagt Oberst lachend, "aber das legt sich meist nach ein paar Monaten. Unsere Verkäuferinnen und Verkäufer sind kommunikativ und wissbegierig, das merken auch die Kunden. Vorurteile erleben wir praktisch nicht."

Ein Lehrling aus Vietnam wurde kürzlich sogar als beste Auszubildende auf Kammerebene ausgezeichnet – für Oberst ein Beispiel dafür, was Engagement und Förderung bewirken können: "Das junge Mädchen ist voller Energie. Ehrgeiz, Neugierde und Eigeninitiative – das treibt sie an."

Integration sichert die Zukunft

Für die Bäckerei Schwarz ist die internationale Ausbildung eine Zukunftsstrategie. "Der Fachkräftemangel zwingt uns zum Umdenken", sagt Oberst offen. Während viele junge Menschen in Deutschland lieber studieren oder im Büro arbeiten möchten, fehle es an Nachwuchs im Handwerk. "Wir haben uns nicht aus einer Laune heraus nach Asien orientiert, sondern aus Notwendigkeit. Wir wollen unsere Tradition sichern – und das funktioniert nur mit guten Leuten." Dass diese Strategie aufgeht, zeigt die geringe Fluktuation. "Unsere asiatischen Azubis bleiben meist im Betrieb. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr." Für ihn ist das ein Signal: Wer in Ausbildung und Integration investiert, profitiert langfristig. Das sieht auch Kleinle so: "Das Handwerk hat hier eine große Chance, dem Nachwuchsmangel zu begegnen. Viele der Auszubildenden möchten bleiben, vielleicht die Meisterschule besuchen oder selbst einen Betrieb führen." Entscheidend sei, Perspektiven und Aufstiegschancen zu bieten. "Dann haben wir einen Gewinn für beide Seiten."