Bäckermeister Kevin Klein "Mein Azubi reiste um die halbe Welt, um bei mir zu lernen"

Mut zur Selbstständigkeit, regionale Zutaten und der Blick über den Tellerrand: Bäckermeister Kevin Klein hat einer Traditionsbäckerei in Radebeul ein frisches Konzept verpasst. In der Backstube gestaltet ein Auszubildender aus Bangladesch die Zukunft des Handwerks mit.

Kevin Klein und Azubi Sajid Newaz Shehab in der Backstube
Bäckermeister Kevin Klein und Azubi Sajid Newaz Shehab bereiten Zimt-Plätzchen in der Backstube in Radebeul vor. - © Peggy Michel

Blick auf die Weinberge und Duft von frischem Brot: Mit der Bäckerei Café Klein in Radebeul hat sich Bäckermeister Kevin Klein am 1. Juli 2024 selbstständig gemacht. Mit Meisterbrief seit 2010 und viel Erfahrung im Gepäck hegte der 41-Jährige den Wunsch nach einer eigenen Backstube schon seit Jahren. "Durch Zufall hörte ich von der Nachfolgersuche und habe letztendlich nicht mit dem Zuschlag meines Vorgängers gerechnet", erinnert sich Kevin Klein. Bei der Übernahme der Bäckerei mit einem kleinen Café half ihm auch die betriebswirtschaftliche Beratung der Handwerkskammer Dresden.

Qualität trotz Kostensteigerung

Rückblickend waren die letzten Monate eine sehr aufreibende und spannende Zeit für den Familienbetrieb, in dem auch seine Frau und zeitweise seine Mutter im Verkauf unterstützen. Als größte Herausforderung beschreibt er den Spagat zwischen Umsatzsteigerung bei steigenden Kosten und seinem hohen Qualitätsbewusstsein. "Dafür braucht es gutes Personal", bekräftigt er. "Bäcker ist ein schöner Beruf. Leider hat die hiesige Jugend wenig Interesse", ergänzt Klein.

Reise um die halbe Welt

Umso mehr freut er sich, einen Azubi mit großer Motivation gefunden zu haben. Seit August zählt neben einem angestellten Bäcker Sajid Newaz Shehab aus Bangladesch zum Team. Der Weg des 23-Jährigen beeindruckt den Bäckermeister: "Dass jemand um die halbe Welt reist, um den Beruf zu erlernen, ist großartig. Ich bin auch stolz, dass er von mir lernen möchte." Natürlich sei die Arbeit körperlich anstrengend, mit nächtlichem Start und manchmal holpriger Verständigung verbunden. "Aber ich bin sehr zufrieden mit ihm."

Große Motivation

Den Kontakt vermittelte ebenfalls die Handwerkskammer Dresden und organisierte ein Online-Bewerbungsgespräch mit dem jungen Bangladescher. Bei diesem hatte Klein sofort ein gutes Bauchgefühl und schickte Sajid Newaz Shehab den Ausbildungsvertrag. Nach dem Abitur lernte er anderthalb Jahre Deutsch in seiner Heimatstadt Chattogram – mit rund 2,6 Millionen Einwohnern ist sie die zweitgrößte Stadt des Landes, nach der Hauptstadt von Bangladesch, Dhaka.

Damit kommt der junge Auszubildende nun auch gut in der Berufsschule in Dresden zurecht. "Hier in der Bäckerei lerne ich alle kleinen und großen Dinge über das Handwerk. In Deutschland gibt es so viele Arten von Brötchen – das wollte ich lernen", sagt Shehab. An der dualen Ausbildung schätzt er die Praxisnähe und das eigene Einkommen.

188 ausländische Staatsbürger haben in diesem Spätsommer allein im Kammerbezirk Dresden eine Ausbildung begonnen. Insgesamt lernen aktuell 377 Migranten hier einen Handwerksberuf.

Stollensaison

Währenddessen läuft in Radebeul die zweite Stollensaison – unzählige Stollen mit Rosinen, Mandeln oder Schokolade werden täglich gebacken, gebuttert und gezuckert. Bäckermeister Kevin Klein setzt bei seinem breiten Sortiment aus Kuchen, Brötchen und Brot bewusst auf Handwerk und Regionalität: keine Fertigprodukte, Mehl aus der Max Bähr-Mühle in Bad Gottleuba-Berggießhübel "Ich will die handwerkliche Kunst bewahren", sagt er. Dazu gehört für ihn auch die Umsetzung von Kundenwünschen wie Malfabrötchen oder Burger-Buns – und neuen Rezepten, für die er und sein Team offen sind.