Handwerk statt Studium Auf Umwegen zum beruflichen Glück

Jan Weis ist Bäcker und Fachlehrer für benachteiligte Jugendliche. Den besonderen Draht zu seinen Schülern hat er vor allem deshalb, weil er aus eigener Erfahrung weiß, dass nicht jeder ohne Umwege ans Ziel kommt.

Jan Weis ist Bäckermeister und fand erst nach einem Studium zum Handwerk. Ein Umweg, den er machen musste, um herauszufinden, wo er wirklich hinwill. - © Nadine Heß

Es gibt diese Lehrer der alten Schule. Sie strahlen Strenge und Autorität aus, dazu eine gewisse Distanz. Auf Jan Weis trifft das nicht zu. Als Fachlehrer für benachteiligte Jugendliche begegnet er seinen Schülern auf Augenhöhe. Das gelingt ihm, weil er schon ist, was sie einmal werden wollen: ein Bäcker.

Seinen Schülern auf Augenhöhe begegnen kann er auch, weil er aus eigener Erfahrung weiß, dass nicht jeder ohne Umwege ans Ziel kommt. Deshalb schwingt immer ein tiefes Verständnis mit, wenn Jan Weis über seine Schüler spricht, die er seit mittlerweile zwei Jahren an der Don-Bosco-Berufsschule in Würzburg unterrichtet.

Startpunkt Bäckerhandwerk

Fachlich bringt Jan Weis trotz seines jungen Alters reichlich Erfahrung mit. Das Bäckerhandwerk wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt. Sein Vater führt eine Familienbäckerei in zehnter Generation, von klein auf hat der heute 28-Jährige im Betrieb mitgearbeitet, das traditionelle Handwerk aufgesaugt und schon früh eigene Ideen entwickelt.

Mit seiner Weiterbildung zum Meister vertiefte er nicht nur sein Fachwissen, sondern erwarb auch die Qualifikation als Lehrer im fachpraktischen Unterricht. “Mich reizt am Bäckerhandwerk vor allem das Nachhaltige, das Produzieren in kleinen geschlossenen Kreisläufen“, schwärmt der Bäckermeister. Es ist eine Liebe, die Jan Weis erst entdecken musste, denn nach seinem Abitur hatte er zunächst ein Studium als Wirtschaftsingenieur begonnen – ein Beruf, der an der Schnittstelle zwischen Technik- und Businesswelt angesiedelt ist.

Hier geht es darum, Produktionsprozesse effizienter zu gestalten oder auch Absatzkonzepte zu optimieren, was im starken Gegensatz zu dem steht, das Jan Weis heute macht. Denn als Fachlehrer begleitet er Jugendliche auf dem Weg zum Ausbildungsabschluss, die nicht mit den besten Voraussetzungen ins Berufsleben starten. Das braucht ausreichend Zeit, viel Geduld und großes Einfühlungsvermögen.

Begleiten und unterstützen

“Wichtig ist es, jeden individuell mitzunehmen“, sagt der 28-Jährige über das Unterrichten. Diesen Blick für die persönlichen Geschichten und Voraussetzungen seiner Schützlinge hat Jan Weis auch durch seine Ausbildung in der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth geschärft. Hier leben Bewohnerinnen und Bewohner mit Behinderung und arbeiten in verschiedenen handwerklichen Werkstätten. Unter anderem befindet sich auf dem Gelände eine kleine Bäckerei.

Über das Karriereprogramm Handwerk der Handwerkskammer für Unterfranken konnte Jan Weis als Studienaussteiger dort eine verkürzte Ausbildung zum Bäcker absolvieren, arbeitete dabei in der Backstube Hand in Hand mit den Bewohnern der Dorfgemeinschaft. “Das war manchmal schon eine Herausforderung, aber auch unheimlich erfüllend“, berichtet er.

Ziele gemeinsam erreichen

Denn auch wenn es manchmal langsam ging oder bestimmte Dinge mehrfach erklärt werden mussten, “am Ende zählt, dass man das Ziel gemeinsam erreicht hat“, so Jan Weis. Diese Herangehensweise hilft ihm nun auch bei seiner Aufgabe als Fachlehrer, wo er seine Schüler fachlich und vor allem auch persönlich durch die Ausbildungszeit begleitet.

Dass sich dieser Einsatz lohnt, wird spätestens dann deutlich, wenn Jan Weis vom Gefühl spricht, wenn seine Schüler den Abschluss schaffen. Dann nämlich strahlen seine Augen voller ehrlicher Freude. Es ist ein Gefühl, das ihm zeigt, dass er sich für den richtigen Weg entschieden hat.