Kolumne Warum die Kooperation mit einer Lernhilfeschule sinnvoll ist

"Es lohnt sich, wenn die Menschen ihr Herz für solche Projekte öffnen und durch ihre aktive Mitwirkung unterstützen", schreibt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner aktuellen Kolumne – und berichtet von seinen Eindrücken an einer Lernhilfeschule.

Als ehrenamtlicher Auditor war unser Autor eine Zeit lang an einer Lernhilfeschule tätig, der ein sonderpädagogisches Beratungs- und Förderzentrum angeschlossen ist. - © tkyszk - stock.adobe.com

Von Gastautor Peter Braune

Wenn es immer weiter summa cum laude regnet, werden wir bald genügend handwerkliche Fachkräfte haben. Ich habe gelesen, dass manche Universitäten für mehr als siebzig Prozent der Doktorarbeiten diese Bestnote vergeben. An anderen Universitäten wiederum erhalten nicht einmal zehn Prozent diese Auszeichnung. Ich würde die größere Anzahl der Absolventen gerne einmal nach dem Abschluss auf die entsprechende Anzahl Handwerksbetriebe verteilen. Es wäre sicher interessant zu beobachten, wie sich die jungen Damen und Herren, vor allem aus den Orchideenfächern, wie zum Beispiel Onomastik, Kristallografie oder Promenadologie, in der Praxis bewähren.

Da solche Wünsche in der Regel nicht in Erfüllung gehen, kann ich nur persönliche Vermutungen anstellen. Das wird nichts. So eine bildungspolitische Gleichmacherei, auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner hat schlimme Folgen für die Betroffenen und uns alle.

Schulen bereiten Jugendliche auf Berufswahl und -ausübung vor

Aber von diesem gedanklichen Höhenflug zurück auf den harten Boden des Lebens. Der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule besagt, dass die Schülerinnen und Schüler befähigt werden sollen, ihr zukünftiges privates, berufliches und öffentliches Leben auszufüllen, bei fortschreitender Veränderung wachsende Anforderungen zu bewältigen und die Freizeit sinnvoll zu nutzen. Die Schulen tragen in Zusammenarbeit mit anderen Stellen zur Vorbereitung der jungen Leute auf die Berufswahl und Berufsausübung sowie auf die Arbeit in der Familie und in anderen sozialen Zusammenhängen bei.      

Lernhilfeschule mit vorbildlich umgesetzter Berufsorientierung

In diesem Zusammenhang war ich vor einiger Zeit als ehrenamtlicher Auditor in einer Lernhilfeschule tätig. Diese Schule, der ein sonderpädagogisches Beratungs- und Förderzentrum angeschlossen ist, hatte sich um ein Gütesiegel beworben. Es wird an Schulen vergeben, die eine vorbildliche Berufsorientierung für die Schülerinnen und Schülern gestalten und mit Bezug zur Praxis umsetzen.

Das Gütesiegel fördert die Verbesserung der beruflichen Orientierung, die Kommunikation interner und externer Partner und den Wettbewerb von Ideen. Unter dem Gesichtspunkt der Schulentwicklung dient die Verankerung der Berufs- und Studienorientierung im Schulcurriculum zur Profilbildung der allgemeinbildenden Schulen. Die mit einer nachweislich vorbildlichen Studienorientierung können damit werben, dass sie eine gute Grundlage für eine möglichst schnelle und passgenaue Einmündung in den Ausbildungsmarkt oder in ein Hochschulstudium bieten.

Für alle Erziehungsberechtigten ist das ein entscheidender Hinweis, wenn es um die Frage geht, an welcher Schule sie ihre Kinder nach der Grundschule anmelden. Das Gütesiegel bietet die Möglichkeit, im Rahmen des Bewerbungsverfahrens ihre Konzepte zu durchleuchten und diese zertifizieren zu lassen. Die Zertifizierung gilt für drei Jahre. Danach können Schulen sich rezertifizieren lassen.

Mehr als 80 Prozent der Absolventen in Ausbildung vermittelt

Am Ende des Audits war ich beeindruckt, wie vorbildlich dort für diese schwierige Schülergruppe gearbeitet wird. Die Lehrkräfte und viele Unterstützende können stolz sein. Die Ergebnisse der unendlichen Bemühungen, um jede Schülerin und jeden Schüler, können sich sehen lassen.

Nach dem Motto "Fit für das Leben" werden sie dazu befähigt ein selbstständiges Leben mit beruflicher Perspektive zu führen. Die Lehrerinnen und Lehrer fördern und fordern sehr individuell und stärken die positiven Ansätze. Viele Menschen außerhalb der Schule sorgen für ein breites Förderangebot und unterstützen damit das Konzept. Die Lehrkräfte zeigen einen großen Einsatz und reagieren mit der nötigen Beweglichkeit auf die Wünsche und Erwartungen. Damit ermöglichen sie die fächerübergreifende Umsetzung der im Schulprogramm verankerten Berufsorientierung. Das Beste zum Schluss, mehr als 80 Prozent der Schüler und Schülerinnen, die den Hauptschulabschluss erreichen, werden in nicht geförderte Ausbildungsverhältnisse vermittelt und von den Lehrkräften bis zum Abschluss begleitet.

Die berufliche Orientierung ist ein Teil der persönlichen Förderung und gehört zu den Aufgaben der Schule. Die Schülerinnen und Schüler sollen, möglichst fächerübergreifend, auf die Berufswahl und Berufsausbildung vorbereitet werden. Sie sollen am Ende ihrer schulischen Laufbahn in der Lage sein, eine ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechende, begründete Berufswahlentscheidung treffen und dann an sie gestellten Anforderungen bewältigen.

Alle mutigen Unternehmer wurden belohnt

Die beteiligten Unternehmerinnen und Unternehmer, von denen viele einen Handwerksbetrieb leiten, unterstützen die mühsame Arbeit der Lehrkräfte durch die Betriebspraktika und Betriebserkundungen. So erhielten die Schülerinnen und Schüler die nötigen Einblicke in die Berufs- und Arbeitswelt. Sie konnten ihre Fähigkeiten in der Praxis anwenden und wurden dadurch für einen beruflichen Bildungsweg motiviert. In diesem Zusammenhang lernten sie unter anderem, sich unter lebensnahen Bedingungen zu bewerben und wie man sich bei den Ausbildenden vorstellt. Sie erprobten, ob sie den Anforderungen in einem der angebotenen Berufe genügen.

Die beteiligten Handwerkerinnen und Handwerker konnten erstaunliche Erkenntnisse gewinnen. Da hatten sie die Schülerinnen und Schüler aus einer Lernhilfeschule im Unternehmen und die zeigten sich von ihrer besten Seite. Es lohnt sich also, wenn die Menschen ihr Herz für solche Projekte öffnen und durch ihre aktive Mitwirkung unterstützen. Es ist ein wenig mehr Anstrengung damit verbunden. Es waren halt nicht die Windschnittigen, die sich im Betrieb zeigten. Alle Mutigen, die anschließend die Möglichkeit der betrieblichen Berufsausbildung eröffneten, wurden belohnt. Am Ende der Ausbildungszeit gelang es vielen, wenn auch manchmal wegen der schwierigen Theorieprüfung im dritten Anlauf, die Abschlussprüfung zu bestehen. Diese jungen Leute sind heute die Indianerinnen und Indianer, die im Betrieb zum Arbeiten gebraucht werden.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.