Toxische Egos "Arschloch": Wie man mit ätzenden Kollegen umgeht

Eine seltene Spezies sind sie nicht. Sie vermiesen die Stimmung, senken die Produktivität, führen im schlimmsten Fall sogar dazu, dass sich Mitarbeiter krankmelden oder kündigen. Im Volksmund titulieren wir sie gerne als "Arschlöcher", toxische Menschen, die andere drangsalieren und mobben. Wie schützen sich Betriebe vor Kotzbrocken?

Experten raten bei schwierige Kollegen dazu, Ausraster zu dokumentieren, sich Verbündete zu suchen oder die Problematik in aller Sachlichkeit darzulegen. - © Cagkan - stock.adobe.com

"Ein fauler Apfel verdirbt den ganzen Korb." Ein sprichwörtliches Phänomen, das Unternehmern gar nicht schmeckt. Toxische Mitarbeiter sind ansteckend, können die Atmosphäre vergiften, die Zusammenarbeit in einem Betrieb lahmlegen. In einer Studie der Universitäten Georgia und Purdue hatten US-Wissenschaftler die Probanden gefragt, wer das "größte Arschloch" in ihrem Leben sei. Die Beschriebenen waren in vier Fünftel der Fälle männlich, hatten ein Durchschnittsalter von knapp 43 Jahren; darunter waren Beziehungspartner, Familienangehörige, aber auch Bosse und Kollegen.

Die Charaktereigenschaften, mit denen die Widerlinge am häufigsten umschrieben wurden, waren Zorn und Unverträglichkeit. Unverträgliche Menschen verhalten sich Psychologen zufolge egoistisch, unfreundlich und rücksichtslos. In den Augen seiner Mitmenschen zum Arschloch wird zudem, wer sich maßlos und anmaßend aufführt, emotional, unmoralisch, unbescheiden und unsympathisch, eine kurze Zündschnur hat und nicht vertrauenswürdig ist. Darunter fallen insbesondere Psychopathen und Narzissten, selbstverliebte, machthungrige, aggressive, manipulative und unzurechnungsfähige Charaktere.

"Wenn sich Menschen verhalten können, wie sie wollen…"

Doch endet die Problematik nicht bei der Persönlichkeit eines Menschen, auch die äußeren Umstände können aus netten Zeitgenossen Ekelpakete machen. "Wenn ich Situationen schaffe, in denen sich Menschen so verhalten können, wie sie wollen, ohne dass es Konsequenzen hat, dann werden sie das wahrscheinlich auch tun", sagt Nale Lehmann-Willenbrock, Arbeits- und Organisationspsychologin von der Universität Hamburg. Speziell Menschen in Machtpositionen neigen dazu, ihre Hemmungen fallen zu lassen und mitunter wie kleine Diktatoren aufzutreten. Und auch das Verlangen nach Macht ist eine Triebfeder für toxisches Verhalten. So sind es laut Untersuchungen der Universität Stanford zufolge vor allem Männer ohne Machtpositionen, die Gelegenheiten nutzen, in denen sie Frauen belästigen, drangsalieren und stalken können.

Experten schlagen vor, Hierarchieebenen aufzulösen, eine offene Unternehmenskultur zu etablieren, in der Missstände angesprochen werden können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. "Toxische Führungskräfte haben häufig sehr loyale Mitarbeitende, so dass das negative Verhalten der Führungskraft auch durch das unterstützende Verhalten der Mitarbeitenden aufrechterhalten wird", meint Lehmann-Willenbrock. "Toxische Führung funktioniert nicht mehr, wenn sich Mitarbeitende, möglichst mehrere, dagegen wehren."

Bei der Auswahl neuer Mitarbeiter wiederum könnten professionelle Persönlichkeitstests helfen. "Oft wird nach Bauchgefühl entschieden. Nach dem Motto: Der ist ja ganz sympathisch", sagt Martin Puppatz. Ein Fehler, der einem viel Ärger ins Haus holen könne. Der Wirtschaftspsychologe ist Geschäftsführer der Linc GmbH, eines Spin-Offs der Leuphana-Universität Lüneburg, dessen Persönlichkeitstest Aufschluss über den Charakter eines Bewerbers geben soll. "Treten gewisse Persönlichkeitsmerkmale in Kombination auf, dann ist Vorsicht geboten", meint Puppatz. "Fundierte Persönlichkeitsanalysen sind ein Trend, der stark zunimmt. Aber bei vielen Unternehmen gibt es noch sehr viel Luft nach oben", sagt Puppatz. "Kunden aus dem Handwerk haben wir nicht und auch keine Anfragen." Gleichzeitig rät er Unternehmen, nicht ausschließlich auf Basis eines Persönlichkeitstests über einen Bewerber zu entscheiden, sondern ihn als Fundament für das nachfolgende Interview zu nutzen.

"Schwarz-Weiß-Denken vermeiden"

Aber was, wenn der Fiesling längst unter Vertrag steht? Der Stanford-Professor Robert I. Sutton, der über die Jahre mehrere Bücher über den Umgang mit Arschlöchern geschrieben hat, rät dazu, Fieslingen zunächst aus dem Weg zu gehen, im nächsten Schritt zurückzuschlagen und bei Ausweglosigkeit letztlich zu kündigen. Zwar ist die Taktik, sich im Homeoffice vor einem Ekelpaket abzuschirmen, in vielen Handwerksbetrieben nicht praktikabel. Doch helfen im Einzelfall schon kleine Tricks. Zum Beispiel könnte man in der Werkshalle den Arbeitsplatz suchen, der so weit wie möglich vom Rüpel entfernt sei, oder das Mittagessen nicht gemeinsam mit ihm verbringen. Die Kommunikation verlangsamen, Antworten auf WhatsApp-Nachrichten oder Anrufe - sofern keine Dringlichkeit besteht - hinauszögern. Die Ausraster des Rüpels über einen längeren Zeitraum dokumentieren, um im Streitfall Handhabe zu haben. Sich Verbündete unter den Kollegen suchen. Oder auch das Ekelpaket dezent zur Seite zu nehmen und ihm die Problematik in aller Sachlichkeit darlegen. All das kann helfen.

Und natürlich sind Arschlöcher auch Menschen, Menschen mit ganz eigenen Stärken. "Wenn ich ein vermeintliches 'Arschloch' in eine Position setze, in der es darum geht, ein Produkt an den Mann zu bringen und weniger darum, mit anderen kollegial zusammenzuarbeiten, kann das gegebenenfalls von Vorteil für das Unternehmen sein", so Psychologin Lehmann-Willenbrock. In der Tat deuten Studien darauf hin, dass dieser Typus Mensch neue Idee mitunter besser verkaufen kann. "Jede Persönlichkeitseigenschaft hat immer auch ihre gute Seite", sagt Martin Puppatz. "Schwarz-Weiß-Denken sollte man prinzipiell vermeiden."