Zuwanderung aus Drittstaaten Arbeitserlaubnis für Türken, Serben und Co. nur in Mangelberufen

Wer aus Drittstaaten wie der Türkei oder Serbien nach Deutschland kommen will, um zu arbeiten, braucht eine Arbeitserlaubnis. Doch die bekommen Zuwanderer in der Regel nur für bestimmte Mangelberufe. Wer Aussicht auf darauf hat.

Joachim Glendenberg

Türkische Arbeitnehmer bekommen in Deutschland meist nur eine Arbeitserlaubnis in Mangelberufen. - © Gina Sanders/Fotolia.com

Arbeitserlaubnis für Arbeiter aus der EU, EWR und Schweiz

Vor der Frage einer möglichen Beschäftigung muss zunächst geklärt werden, welchen Aufenthaltsstatus ein ausländischer Bewerber vorweisen kann. Die gute Nachricht für Staatsangehörige aus EU-Staaten: auch bei den letzten Neu-Mitgliedern sind die Übergangsregelungen aufgehoben worden. Die frühere "Arbeitsgenehmigung-EU" ist derzeit hinfällig und die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit bei der Arbeitsplatzwahl gilt sowohl alle EU-Staatsangehörigen als auch für Isländer, Norweger, Liechtensteiner und Schweizer.

Arbeitserlaubnis für Arbeiter aus Drittstaaten: Sonderfall 1

Für sogenannte Drittstaatenangehörige gelten hingegen die Regelungen des deutschen Aufenthaltsgesetzes (AufenthG): hier fordert die zuständige Bundesagentur für Arbeit die Vorlage eines Aufenthaltstitels. In der Regel ist das ein Visum, das im Heimatland bei der dortigen deutschen Auslandsvertretung beantragt werden kann. Für Staatsangehörige aus den USA, Kanada, Australien, Südkorea, Israel, Japan und Neuseeland ist der Weg einfacher: sie können ohne Visum nach Deutschland einreisen und direkt nach ihrer Ankunft bei der örtlichen Ausländerbehörde einen Aufenthaltstitel bekommen – auf Antrag, versteht sich.

Arbeitserlaubnis für Arbeiter aus Drittstaaten: Sonderfall 2

Und gleich noch eine Ausnahme: vom 1. Januar 2016 bis 31.12.2020 gilt für Staatsangehörige aus Serbien, Montenegro, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Mazedonien die Sonderregelung, dass bei Vorlage eines verbindlichen Arbeitsplatzangebotes aus Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird. Dies gilt für alle Berufe, Ausbildungen und Helfertätigkeiten – auch ohne eine qualifizierte Berufsausbildung. Lediglich die Beschäftigung in einer Leiharbeitsfirma ist untersagt.

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Liste der Mangelberufe erstellt die Bundesagentur für Arbeit

Für Angehörige aller anderen Staaten gibt es eine weitere Hürde: sie nennt sich Mangelliste bzw. "Positivliste" und ist in der Beschäftigungsverordnung, §6 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 nachzulesen oder bei der Bundesagentur für Arbeit abrufbar. In dieser Liste sind Berufe, Aus- und Weiterbildungen aufgeführt, in denen in Deutschland ein latenter Arbeitskräftemangel besteht, darunter auch zahlreiche Handwerksberufe. Wer in anderen Jobs tätig werden möchte hat es schwer.

Arbeitserlaubnis Flüchtlinge und ihre Chancen am Arbeitsmarkt

Ein Sonderfall hat sich durch den Zustrom von Flüchtlingen ergeben, die in Deutschland einen Asylantrag gestellt haben. Hier verlagert sich das Prüfungsverfahren zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Im ersten Schritt wird nach der Antragstellung eine Aufenthaltsgestattung ausgehändigt – nach Ablauf von drei Monaten dürfen diese Asylbewerber eine Beschäftigung aufnehmen, sofern der Arbeitsplatz nicht durch EU-Bürger oder andere bevorrechtigte Arbeitnehmer besetzbar ist. Grundsätzlich muss diese Stelle für alle Bewerber zu gleichen Konditionen angeboten werden.

Nach dem Bescheid über den Asylantrag erhält der Antragsteller im positiven Fall entweder eine befristete oder unbefristete Arbeitserlaubnis und ist damit Drittstaatenangehörigen gleichgestellt. Im negativen Fall droht die Abschiebung oder eine "Duldung", d.h. eine Aussetzung der Abschiebung. Letzteres wird ähnlich behandelt wie die Aufenthaltsgestattung – man darf also arbeiten, in beiden Fällen sogar bei einer Zeitarbeitsfirma.

Die Aufnahme der Tätigkeit schützt den geduldeten Arbeitnehmer jedoch nicht vor der Abschiebung – die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis läuft rechtlich komplett unabhängig von der Jobsituation. Dennoch unterstützt die Agentur für Arbeit Flüchtlinge während der Duldung bzw. Aufenthaltsgestattung bei der Stellensuche.

Rechtliche Grundlagen zu den beschriebenen Sachverhalten finden sich im Asylgesetz (AsylG) sowie in dem bereits genannten Aufenthaltsgesetz und in der Beschäftigungsverordnung.