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ZDK fordert bundesweite Öffnung "Anzeige in Kauf genommen": Autohändler protestieren in Berlin

Drei plakatierte Autotransporter sorgten am Donnerstag für Aufsehen in Berlin. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) forderte am Kanzleramt eine Öffnung des Autohandels. Verbandspräsident Jürgen Karpinski kassierte dafür eine Anzeige.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Drei beladene Pkw-Transporter hielten auf ihrer Rundfahrt durch Berlin-Mitte auch in der Nähe des Kanzleramts. Die gut sichtbare Botschaft: "Frisör, 10m2, 1 Kunde: geöffnet. Autohaus, 500m2, 1 Kunde: geschlossen. Politiker*innen: Lernt endlich Rechnen! #AutohäuserÖffnen".

"Niemand versteht mehr, warum viele Autohäuser mit ihren großen Flächen nach wie vor geschlossen bleiben müssen, während beim Frisör zehn Quadratmeter pro Kunde als unproblematisch angesehen werden", bedauert ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. "Ich weiß nicht, wann die Politikerinnen und Politiker, die über den Lockdown entscheiden, zuletzt in einem Autohaus gewesen sind. Es ist dringend an der Zeit, dass sie sich vor Ort ein Bild von der Situation machen. Dazu laden wir sie gerne ein."

Präsident Karpinski wird angezeigt

Da die Demonstration nicht angemeldet war, kassierte Präsident Jürgen Karpinski eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsverbot, bestätigte ein Sprecher auf Nachfrage. Der Verband habe das allerdings in Kauf genommen. Denn klar ist: 90 Prozent aller Verkäufe werden stationär im Autohaus vor Ort und nicht online abgewickelt. Die Auftragseingänge im Januar und Februar waren laut den Ergebnissen einer Blitzumfrage des ZDK von Ende Februar unter rund 2.000 Autohäusern und Kfz-Betrieben um bis zu 60 Prozent eingebrochen.

Das so wichtige Frühjahrsgeschäft drohe laut ZDK-Präsident Karpinski zum zweiten Mal in Folge weitgehend auszufallen. Ohne Zweifel müsse alles getan werden, um die Verbreitung des Virus und seiner Mutationen nachhaltig zu stoppen. "Mit ihren großen Verkaufsräumen bei geringer Kundenfrequenz sowie unter erprobter Einhaltung der Corona-Schutzauflagen sind Autohäuser jedoch sichere Orte", betont Karpinski.

Kaum Infektionsgeschehen in Autohäusern

Schon der Einzelhandel insgesamt trage laut Robert-Koch-Institut kaum mehr zum Infektionsgeschehen bei als etwa Zusammenkünfte im Freien (Platz 13 unter 17 untersuchten Kategorien). Dieses schon im Schnitt niedrige Infektionspotenzial unterschreite der Automobilhandel aufgrund seiner besonderen Verhältnisse nochmals deutlich. "Damit liegt auf der Hand, dass sich dieses Risiko in unseren Betrieben bei nahezu Null bewegt", so Karpinski. "Deshalb fordern wir vom nächsten Corona-Gipfel ein klares Ja zur bundesweiten Wiedereröffnung aller Autohäuser."

ZDK plant weitere Aktionen

Die Demonstration in Berlin soll nicht die einzige Aktion des ZDK gewesen sein. Wie das Online-Portal "kfz-betrieb" berichtet, haben in Niedersachen Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Gewerbes Niedersachsen, und der Geschäftsführer Christian Metje gleich mehrere Kartons an die niedersächsische Landesregierung übergeben. Darin verpackt: Taschenrechner und ein Schreiben, das Politiker zum Rechnen auffordert: "Rechnen Sie vor dem nächsten Corona-Gipfel noch einmal nach, wie sich verfügbare Fläche und mögliche Kundenfrequenz im Automobilhandel zueinander verhalten: Frisör, 10 m2, 1 Kunde: geöffnet. Autohaus, 500 m2, 1 Kunde: geschlossen. Da passt etwas nicht." 

In einem Video, welches unter anderem auf Facebook zu sehen ist, erklärt Karpinski, diese Situation nicht mehr hinnehmen zu wollen und kündigt an verschiedenen Stellen Klagen an.

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