Einkaufen im Lockdown "Click & Meet": Wie funktioniert das Shoppen mit Termin?

In den Laden gehen und nach Herzenslust shoppen: So einfach geht das leider noch nicht. Immerhin ist nun der Einkauf nach vorheriger Terminvergabe in vielen Geschäfte erlaubt. Doch von "Click & Meet" ist der Handel nicht wirklich begeistert.

Eileen Wesolowski

Mit "Click & Meet" kann auch im Lockdown geshoppt werden – jedoch erst nach vorheriger Terminvergabe. - © Andrey Popov - stock.adobe.com

Auf "Click & Collect" folgt "Click & Meet": Bund und Länder erlauben in ihrem Beschluss vom 3. März das Shopping im Einzelhandel nach vorheriger Terminbuchung. Vorraussetzung ist eine stabile oder sinkende Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Bei einer Inzidenz unter 50 dürfen Läden für eine begrenzte Kundenzahl sogar geöffnet werden. Ein Lichtblick für den Handel könnte man meinen – doch der hält davon nicht viel.

ZDK-Präsident Karpinski: "Regelungen nicht berechenbar"

Kritik äußert etwa der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Da sich die Inzidenzzahlen täglich änderten, seien diese Regelungen weder für die Kunden noch für die Betriebe berechenbar. "Ohne den täglichen Blick auf die aktuellen Inzidenzzahlen kann ich gar nicht entscheiden, ob mein Betrieb jetzt teilweise oder ganz öffnen darf", bemängelte Präsident Jürgen Karpinski. Auf diese Weise lasse sich das notwendige wirtschaftliche Aufbruchsignal nicht erzeugen.

Auch viele Händler bewerten das seit Montag in vielen Bundesländern und Regionen mögliche Einkaufen nach Terminvereinbarung als keine wirklich hilfreiche Perspektive. Das zeigt eine Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) unter mehr als 1.100 Unternehmen. Zwar wollen mehr als 90 Prozent der Einzelhändler ihren Kunden diese Möglichkeit anbieten, knapp ein Viertel der Befragten aber sieht dabei bei hohem Aufwand und großen Kosten nur geringe Umsatzeffekte. 13 Prozent schätzen "Click & Meet" mit Blick auf Personal- und Gebäudekosten als reines Verlustgeschäft ein.

Der Präsident des Handelsverbandes Textil (BTE), Steffen Jost, urteilte nicht ganz so harsch: "Für kleinere Geschäfte mit hoher Beratungsorientierung mag das ein sinnvoller Zwischenschritt sein", sagte er. Doch bei Häusern mit hohen Kundenfrequenzen rechne es sich wohl eher nicht.

Bisher nur wenig Interesse an "Click & Meet"

Tatsächlich fällt die erste Öffnungsbilanz im Handel durchwachsen aus. Händler, die bereits komplett öffnen durften, meldeten hohes Kundeninteresse. Zu einem Ansturm haben die ersten Lockerungen nach Angaben von Städten aber nicht geführt, Einkaufstourismus sei ausgeblieben. Oft herrschte Zurückhaltung, in manchen Regionen klagten Händler und Kunden über verwirrende Regeln. So gab es Berichte etwa aus Rheinland-Pfalz und Hamburg, dass nur wenige Kunden das Shoppen nach vorheriger Terminvereinbarung in Anspruch nehmen würden.

Unter welchen Bedingungen ist "Click & Meet" erlaubt?

Der Einzelhandel darf bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von weniger als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner Termine fürs Einkaufen in einem fest begrenzen Zeitraum vergeben. Zwecks der Kontaktverfolgung muss zudem eine Dokumentation erfolgen. Eine weitere Einschränkung: Die Öffnung ist auf eine bestimmte Kundenzahl begrenzt. Erlaubt ist ein Kunde pro angefangene 40 Quadratmeter Verkaufsfläche. Darüber hinaus müssen geltende Corona-Regeln wie die Maskenpflicht eingehalten werden.

Bei einer Inzidenz unter 50 dürfen Läden für eine begrenzte Kundenzahl öffnen. Die Länder setzen diese Vorgabe entweder landesweit oder nach Regionen ausdifferenziert um.

Wie funktioniert "Click & Meet"?

Viele Geschäfte regeln die Vergabe von Terminen online – ein Beispiel sind die Einrichtungshäuser von IKEA. Auch eine telefonische Terminvereinbarung ist denkbar. Informationen darüber, wie Terminvergabe erfolgt, finden sich meist auf den Websiten der Händler. In NRW ist z. B. auch das spontane Nachfragen am Ladeneingang möglich, wie der WDR berichtet. Mitunter sieht man in Geschäften auch Schilder, die darauf hinweisen, dass "Click and Meet" angeboten wird. Wichtig: Der Termin muss in einem fest begrentzen Zeitraum erfolgen. Wie lange der Termin maximal dauert – z. B. 30, 60 oder 90 Minuten – ist von Laden zu Laden unterschiedlich.

Während des Shoppens ist nicht nur das Einkaufen selbst erlaubt, sondern auch die Beratung, Anprobe und der Umtausch von Waren. Jedoch sollten Kunden dafür genügend Zeit einplanen, um die Dauer des Termins nicht zu überschreiten.

Wo und ab wann ist "Click & Meet" erlaubt?

In Berlin, Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt darf seit dem 8. März mit Termin eingekauft werden, im Saarland flächenabhängig mit mehr Kunden als bisher. Auch in Nordrhein-Westfalen ist Termin-Shopping möglich – offen war dort zuletzt noch, wie mit Regionen mit niedriger Inzidenz verfahren wird. In Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein entscheiden die regionalen Zahlen, ob der Handel in einigen Regionen auf die Terminvergabe verzichten kann. In Thüringen ist die Öffnung des Einzelhandels wegen einer Inzidenz von über 100 vorerst vertagt, ab dem 15. März dürfen aber Baumärkte Terminshopping anbieten.

Mit Inhalten von dpa

Sie nutzen ein kostenloses Angebot der Deutschen Handwerks Zeitung. Die hier bereitgestellten Informationen wurden mit größter Sorgfalt recherchiert und zusammengestellt. Sie ersetzen jedoch keine fachliche Beratung. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei auch um Informationen aus unserem Archiv handeln kann, die sich im Laufe der Zeit überholt haben. Die Aktualität eines Artikels wird auf unserer Internetseite stets über der Überschrift angezeigt.

Individuelle Fragen kann und wird die Redaktion nicht beantworten.