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Rentenversicherung Altersvorsorge für Selbstständige: Handwerker bezahlen Pflichtbeiträge

Selbstständige sind in besonderem Maße von Altersarmut bedroht. Eine gesetzliche verpflichtende Rentenversicherung ist daher immer wieder gefordert. Auch die Bundesregierung hat Pläne. Für Selbstständige im Handwerk besteht seit vielen Jahren eine Versicherungspflicht. Doch was gilt im Detail und warum hat auch die Rückkehr einiger Gewerke zur Meisterpflicht etwas damit zu tun?

Für das neue Rentenpaket, das ab 2019 gelten soll, muss die Bundesregierung einige Milliarden einrechnen. Welche Rolle bei der Finanzierung die gesetzliche Rentenkasse spielen wird und was aus Steuermitteln bezahlt werden soll, steht noch nicht fest. Erst kürzlich hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil jedoch angekündigt zu prüfen, ob und wie es möglich ist, weitere Berufsgruppen in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Die anschließende Diskussion drehte sich einerseits um Beamte und andererseits um die schon mehrmals angekündigte verpflichtende Altersvorsorge für Selbstständige. Letztere ist auch im Koalitionsvertrag enthalten. Darin heißt es, dass zukünftig eine gründerfreundlich ausgestaltete,  Altersvorsorgepflicht für alle Selbständigen eingeführt werden soll. Selbständige sollen zwischen der gesetzlichen Rentenversicherung und – als sogenannte Opt-out-Lösung – anderen geeigneten insolvenzsicheren Vorsorgearten wählen können.

Von diesen Plänen werden auch aus dem Handwerk einige Betriebe betroffen sein – allerdings nicht die größte Gruppe derjenigen, die ein zulassungspflichtiges Handwerk der Anlage A betreiben. Denn für sie besteht in der Regel eine Versicherungspflicht bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Die sogenannte Handwerkerversicherung ist immer wieder in der Diskussion und mit dem Wandel der Handwerksordnung verändert auch sie sich. So hätte auch die derzeit diskutierte Rückkehr einiger Gewerke zur Meisterpflicht Auswirkungen.

Doch was gilt grundsätzlich bei der Pflichtversicherung für Handwerker? Wer muss einzahlen? Und wie haben sich die Zahlen der Beitragspflichtigen in den letzten Jahren verändert?

Rentenversicherungspflicht für Handwerker: Wer muss einzahlen?

Die sogenannte Handwerkerpflichtversicherung gilt für jeden Handwerker, der ein Einzelunternehmen gründet, das laut Handwerksordnung der Anlage A zuzurechnen ist. Er ist für 18 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Ausbildungs-, Gesellen- und Erziehungszeiten werden auf diese Zeit angerechnet. Nach 18 Jahren kann man sich auf Antrag von dieser Pflicht befreien lassen.

Handwerker aus Gewerken der Anlagen B1 und B2 sind nicht pflichtversichert. Und auch Inhaber von Kapitalgesellschaften wie GmbHs zahlen keine Pflichtversicherungsbeiträge, wenn sie mindestens 50 Prozent des Stammkapitals halten.

Wie viele Handwerksunternehmer sind pflichtversichert?

Nach einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund waren am 31. Dezember 2016 in der gesetzlichen Rentenversicherung 50.832 Selbständige als Handwerker pflichtversichert. Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor.

Generell nimmt die Zahl der Pflichtversicherten bis auf Ausnahmen seit Jahren kontinuierlich ab. Waren im Jahr 2000 noch 82.745 Handwerker Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung. So zeigt sich seitdem eine starke Abnahme – vor allem seit dem Jahr 2004 – das Jahr, indem die Handwerksordnung geändert wurde und einige Gewerke die Zulassungspflicht verloren und damit für sie auch keine Pflichtversicherung mehr galt. Ende 2004 waren noch 59.485 Handwerksunternehmer pflichtversichert.

Welche Nachteile haben Handwerksunternehmen, die aus der Pflichtversicherung austreten?

Wenn Handwerksunternehmen nach 18 Jahren aus der Pflichtversicherung austreten und damit keine Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung mehr leisten, erlischt mit Ablauf von zwei Jahren nach der Befreiung der grundsätzliche Anspruch auf eine Rente wegen Erwerbsminderung. Die bisher gezahlten Beiträge verbleiben im Versicherungskonto. Aus ihnen kann später einer Altersrente gezahlt werden.

Seit einiger Zeit ist eine Ausweitung der zulassungspflichtigen Handwerke im Gespräch? Hätte das Folgen für die Versicherungspflicht zur Rente?

Mit dem Rentenreformgesetz im Jahr 1992 kam es auch zur Einführung der Versicherungspflicht für Handwerker nach § 2 Nr. 8 SGB VI wie sie auch heute noch besteht. Allerdings hat sich die Zahl der verpflichtenden Beitragszahler aus dem Handwerk durch die Reform des Handwerksrechts im Jahr 2004 verändert und genau das könnte nun wieder geschehen. Denn werden einzelne Handwerksberufe wieder als zulassungspflichtige Gewerke deklariert , führt dies nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung auch nach der jetzigen Rechtslage grundsätzlich zur Versicherungspflicht als selbständiger Handwerker. jtw

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