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Novellierung sei ein Fehler gewesen Wirtschaftspolitiker dringen auf Rückkehr zur Meisterpflicht

In der Großen Koalition mehren sich die Stimmen, die in bestimmen Gewerken die alte Regelung anstreben. Vor allem das Fliesenlegerhandwerk steht im Fokus. Aus diesen Gründen sehen SPD und Union die Rückkehr zur Meisterpflicht als notwendigen Schritt an.

In der Großen Koalition steht die Rückkehr zur Meisterpflicht wieder auf der Tagesordnung. "Die Abschaffung der Meisterpflicht war ein Fehler", sagte Carsten Linnemann, stellvertretender Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vorsitzender der Mittelstandsunion. Die Qualität der Arbeit habe sich in diesen Gewerken teilweise deutlich verschlechtert und es werde deutlich weniger Nachwuchs ausgebildet, bemängelte er. Als Beispiel nannte der Mittelstandspolitiker das Fliesenlegerhandwerk. Hier nehme die Zahl der Betriebe seit Jahren signifikant zu, gleichzeitig sei die Zahl der Auszubildenden deutlich zurückgegangen. 

Rückkehr zur Meisterpflicht: Wirtschaftsminister soll liefern

Selbst die Sozialdemokraten, in deren Regierungszeit die Meisterpflicht 2004 eingeschränkt wurde, möchten das Rad etwas zurückdrehen. "Ich erwarte von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier einen konkreten Vorschlag, wie man die Handwerksordnung ändern kann, ohne vor dem Bundesverfassungsgericht und der Europäischen Kommission zu scheitern", sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Sören Bartol der FAZ. "Wenn da nichts weiter kommt, müssen wir im Bundestag aktiv werden", fügte er hinzu. Union und SPD hatten sich schon im Koalitionsvertrag auf eine Absichtserklärung verständigt. Linnemann zeigt sich unterdessen optimistisch: "Ich bin auch vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte zuversichtlich, dass wir eine EU-konforme Lösung finden", sagte er der Deutschen Handwerks Zeitung.

Handwerk begrüßt Vorstoß

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer befürwortet den Vorstoß: Er begrüße Initiativen, die die Meisterqualifikation und den Meistertitel als Qualitäts- und Qualifizierungsausweis wieder stärken wollten. "Es geht darum, die damalige Entscheidung in ihren Auswirkungen zu überprüfen und dort zu korrigieren, wo Fehlentwicklungen offensichtlich sind", sagte er mit Blick auf die Einschränkung der Meisterpflicht zum 1. Januar 2004. Klar sei aber auch, dass eine Neuregelung europafest und verfassungskonform sein müsse. Deshalb habe das Handwerk zwei Gutachten in Auftrag gegeben, die diese Fragen prüften.

Viele Solo-Selbstständige seit der Novellierung der Handwerksordnung

Seinerzeit hatte die rot-grüne Bundesregierung den Meister in 53 von 94 Handwerksberufen abgeschafft. Nicht nur Fliesenleger, auch Raumausstatter oder Rollladenbauer zählten dazu. Seither darf man sich in diesen Gewerken auch ohne Meistertitel selbstständig machen. Und das hat seine Folgen: Allein die Zahl der Fliesenlegerbetriebe ist von 2004 bis 2016 von rund 12.400 auf knapp 70.000 gestiegen. Viele davon sind Solo-Selbstständige. Gleichzeitig ist die Zahl der Auszubildenden von 3.029 auf 2.239 zurückgegangenen.

Deutlich weniger Auszubildende in zulassungsfreien Gewerken

In anderen zulassungsfreien Gewerken sehe die Entwicklung ähnlich aus, heißt es beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Die Ausbildungszahlen seien zum Teil nicht nur drastisch zurückgegangenen, sagte Wollseifer. Es gebe auch einen deutlichen Rückgang an Meisterprüfungen. "Damit wird eine Dequalifizierungsspirale in Gang gesetzt, die alles andere als das ist, was gegenwärtig gebraucht wird", warnte er.

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