Bauwirtschaft "Alarmsignal": Zahl der Baugenehmigungen gesunken

Neue Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass allein die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser im ersten Halbjahr 2022 um 17 Prozent gesunken ist. Die IG BAU spricht von einem Alarmsignal. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes geht davon aus, dass Bauwillige aufgrund der gestiegenen Kosten mit der Antragsstellung zögern, ist sich aber sicher, dass die Preise nicht sinken werden.

Baustelle Wohnungsbau.
Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2022 um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken, so das Statistische Bundesamt. - © SZ-Designs - stock.adobe.com

Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2022 gesunken. Die Behörden bewilligten den Neu- und Umbau von 185.772 Wohnungen. Das waren 2,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am 18. August in Wiesbaden mitteilte. Allein im Juni gab es gegenüber dem Vorjahresmonat ein Rückgang um 4,5 Prozent auf 30.425 Wohnungen.

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden von Januar bis Juni 161.177 Wohnungen genehmigt. Das sind 2,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Bewilligungen für Einfamilienhäuser sank deutlich um 17,0 Prozent auf 41.765. Bei Zweifamilienhäusern stieg die Zahl genehmigter Wohnungen dagegen um 1,6 Prozent auf 16.622. Bei Mehrfamilienhäusern gab es ein Plus von 7,8 Prozent auf 99.755 Wohnungen.

Zahl der Stornierungen nimmt zu

Diese Ergebnisse stützen auch Zahlen, die das ifo-Institut und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) kürzlich veröffentlicht haben. (Die Deutsche Handwerks Zeitung berichtete.) Hierbei wurde die Seite der Antragssteller betrachtet und festgellt, dass Bürger und Investoren weniger Bauanträge stellen. Demnach ging die Zahl der Bauanträge für Einfamilienhäuser im Mai um 17 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurück. Im Schnitt verzeichnete der Verband für diesen Monat einen Rückgang der Genehmigungen um sechs Prozent.

Als weiteres Problem kämen vermehrt Stornierungen von Aufträgen hinzu. Darauf hat der Verband erneut im August verwiesen. "Ich gehe davon aus, dass diese Stornierungen in der Hoffnung auf sinkende Preise erfolgen. Dies wird nicht passieren, denn die jetzigen Preise haben eine starke politisch, dauerhaft gewollte Komponente, und das ist die CO2-Umlage", sagte ZDB-Präsident Reinhard Quast.

Fehlende Kapazitäten und steigende Preise verzögern den Wohnungsbau ebenfalls

Die Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) sprach angesichts der sinkenden Zahl der Baugenehmigungen von einem Alarmsignal. Sie ist mit Blick auf die Wohnungsnot in vielen Städten ein wichtiger Indikator. Allerdings werden genehmigte Wohnungen häufig zunächst nicht gebaut, weil Handwerker und Baufirmen wegen großer Nachfrage keine Kapazitäten haben. Hinzu kämen steigende Preise bei Baustoffen und Bauland, anziehende Bauzinsen, drohende Lieferengpässe bei Baumaterial, dazu die generelle Ungewissheit einer Krise, sagte IG BAU-Chef Norbert Feiger.

"Vor allem bei den Sozialwohnungen und bei bezahlbaren Wohnungen gibt es in weiten Teilen Deutschlands einen erheblichen Mangel", sagte Feiger. Er forderte Alternativen zum Neubau. "Konkret geht es darum, den Umbau und die Dachaufstockung voranzubringen – mit einem Baurecht, das dies ermöglicht und nicht erschwert." Allein durch den Umbau von Büros, die durch das Homeoffice nicht mehr gebraucht würden, könnten bis zu 1,9 Millionen neue Wohnungen entstehen.

Der ZDB ist sich derweil sicher, dass die Finanzierungskosten auch in Zukunft steigen und das jetzige noch günstige Niveau verlassen werden. "Die Politik muss die Preis- und Verordnungsfesseln lösen, und alle Bauwilligen sollten das jetzige Preisniveau als das günstigste aller zukünftigen Tage erkennen", so Quast abschließend. dpa/ew