Bauwirtschaft 6 Gründe, warum die Baupreise weiter steigen werden

Für die kommenden beiden Jahre prognostizieren Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Preissteigerungen in der Bauwirtschaft von über 20 Prozent. Sechs Gründe machen sie dafür verantwortlich. Immerhin: In puncto Bauzinsen gibt es für Bauwillige eine gute Nachricht.

Bauarbeiter (Maurer) auf der Baustelle.
Sechs Gründe macht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC für den weiteren Anstieg der Baupreise verantwortlich. Dazu zählt auch der Fachkräftemangel. - © U. J. Alexander - stock.adobe.com

Bauen wird scheinbar noch teurer. Experten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC sehen Preissteigerungen in der Bauwirtschaft von über 20 Prozent in den kommenden beiden Jahren als realistisch an. Allein im zweiten Quartal 2022 habe der Preisanstieg bei Nichtwohngebäuden bei rund 19 Prozent gelegen, wie die jüngste Auswertung von Destatis gezeigt habe. Und auch langfristig bleibe die Nachfrage nach Bauprojekten hoch. In einer Analyse hat PwC sechs Faktoren analysiert, die maßgeblichen Einfluss auf die Preisentwicklung in der Baubranche haben werden:

Hohe Nachfrage treibt Baupreise hoch

Zum einen werde die hohe Nachfrage nach Bauprojekten langfristig nicht abreißen  – trotz gestiegener Öl- und Gaspreise und geopolitischer Unsicherheiten. So würden zwar viele Bauunternehmer berichten, dass Auftraggeber Bauprojekte aufgrund der Preisunsicherheiten und Zinsentwicklung in Folge des Ukraine-Kriegs und den damit verbundenen Sanktionen gegen Russland zurückstellen. Und bereits während der Pandemie hätten Investoren teilweise auf die Bremse getreten. "Wir gehen jedoch davon aus, dass viele Auftraggeber in den kommenden Jahren Nachholinvestitionen tätigen werden. Insofern rechnen wir langfristig mit einer gesteigerten Nachfrage im Bereich Gewerbe und insbesondere im Wohnungsbau", so die Einschätzung von Harald Heim, Partner bei PwC Deutschland im Bereich Real Estate.

Inflation sowie steigende Energie- und Materialpreise

Verschärft werde die Lage durch die rekordhohe Inflation und die steigenden Energiekosten. Aber auch die Kosten für Baumaterialien seien stark angestiegen, nicht zuletzt aufgrund der corona- und kriegsbedingt gestörten Lieferketten. "Während die Produktion von Baustoffen in der Pandemie zurückgefahren wurde, lief ein Großteil der Baustellentätigkeiten weiter", fasst Heim zusammen. Die daraus resultierende Rohstoffknappheit, Lieferengpässe sowie eine gestiegene Nachfrage für Holz, Stahl, Dämm- und Kunststoffe in den USA und China hätten insbesondere in Deutschland zu einer Verteuerung von Baumaterialien geführt.

Fachkräftemangel führt zu steigenden Löhnen

Zudem werde der Fachkräftemangel die Bauwirtschaft empfindlich treffen. "Wir gehen davon aus, dass sich das Angebot-Nachfrage-Verhältnis in Folge des Fachkräftemangels verschieben wird. Die damit einhergehenden Lohnsteigerungen werden dazu führen, dass Bauleistungen teurer werden“, so Heim. Verstärkt werde diese Entwicklung noch durch die stark steigende Inflation.

Entscheidungen der Politik

Nicht zuletzt habe auch die Politik direkten Einfluss auf die Preisentwicklung in der Baubranche: Die Forderung nach der Schaffung von zusätzlichem Wohnraum führe zu einer steigenden Nachfrage nach Bauleistungen und -materialien. "Die im Koalitionsvertrag verankerten politischen Zielsetzungen für Klimaschutz und gesetzliche Anforderungen an Gebäude sind wichtig und richtig – sie werden mittelfristig jedoch ebenfalls zu einer Verteuerung künftiger Bauprojekte führen", so Heim. Dazu kommen regulatorische Vorgaben auf europäischer Ebene: So fordere die EU-Taxonomie-Verordnung die Stakeholder der Bauwirtschaft auf, nachhaltige und dadurch möglicherweise teurere Bautätigkeiten umzusetzen.

Fazit: "Aufgrund der geopolitischen und weltwirtschaftlichen Entwicklungen erwarten wir in den kommenden beiden Jahren keine Entspannung der Preise in der Baubranche", ist Heim überzeugt.

Bauzinsen sinken leicht

Immerhin: eine gute Nachricht für Bau- oder Kaufwillige gibt es. Die bis zur Jahresmitte stark gestiegenen Zinsen auf Immobilienkredite sind zuletzt wieder gesunken. Und zwar um rund 0,5 Prozentpunkte. Das hat die Zeitschrift "Finanztest" (Ausgabe 9/2022) festgestellt.

Wer noch im Juni einen Immobilienkauf zu 90 Prozent finanzieren wollte, musste mit einem Zinssatz von mehr als drei Prozent rechnen – selbst bei zehnjähriger Zinsbindung. Im Juli gingen die Angebote bei denselben Eingangsdaten laut den Testern bei 2,59 Prozent los. Wer mehr Eigenkapital mitbringt, kann sogar etwas günstiger finanzieren.

Mit steigender Zinsbindung nimmt der Zinssatz tendenziell zu. Doch selbst bei 20-jähriger Zinsbindung sind inzwischen wieder Kredite mit weniger als drei Prozent Zinsen zu bekommen. Wie die Entwicklung weitergeht, ist nicht abzusehen. dpa/ew