Nach Jahren der Steigerung soll der Zusatzbeitrag 2027 stabil bleiben – so die amtliche Prognose. Ob das auch für den eigenen Fall gilt, ist damit noch nicht gesagt.

In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sollen Beitragszahler im kommenden Jahr laut amtlicher Schätzung von steigenden Krankenkassenbeiträgen verschont bleiben. "Wir haben unser Ziel erreicht. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bleibt im kommenden Jahr stabil", sagte Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) nach Bekanntgabe der Ergebnisse des GKV-Schätzerkreises. Nach wiederholten Beitragssteigerungen sei dies ein gutes Zeichen. Ob einzelne Krankenkassen ihre Beiträge dennoch anheben, ist allerdings offen.
Beitragsstabilisierungsgesetz soll Ausgabenanstieg bremsen
Der Schätzerkreis rechnet für 2026 mit GKV-Ausgaben von 370 Milliarden Euro und für 2027 mit 378 Milliarden Euro. Dass die Ausgaben 2027 deutlich langsamer steigen als 2026, führt das Ministerium auf das Beitragsstabilisierungsgesetz (BstabG) zurück, das die Kassen 2027 um bis zu 15 Milliarden Euro entlasten soll.
Schätzergebnis für 2027 lässt hoffen
Wie das Bundesamt für Soziale Sicherung mitteilte, ergibt sich aus den Schätzergebnissen für das Jahr 2027 "ein rechnerischer durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz in Höhe von unverändert 2,9 Prozent". Auf Grundlage dieser Schätzung legt das Bundesgesundheitsministerium bis zum 1. November den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für 2027 fest.
Höhere Beiträge einzelner Kassen möglich
Ob die einzelnen Krankenkassen diesem Orientierungswert folgen, ihn unterschreiten oder höhere Zusatzbeiträge bei ihren Mitgliedern und deren Arbeitgebern erheben, ist noch offen und hängt von der jeweiligen Finanzlage ab. Nach Daten der Kassen liegen die tatsächlich erhobenen Zusatzbeiträge aktuell zwischen 2,18 und 4,39 Prozent, im Schnitt bei 3,1 Prozent. Der Zusatzbeitrag wird zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent erhoben.
IKK e. V.: Schätzergebnisse sind "gutes Signal"
Für den Geschäftsführer des IKK e. V., Jürgen Hohnl, sind die Schätzergebnisse zunächst einmal ein "gutes Signal". Voraussetzung sei allerdings, dass die prognostizierten Einsparungen vollständig erreicht würden. Auch dürfe die aktuelle Prognose nicht darüber hinwegtäuschen, dass die finanzielle Lage in der GKV angespannt bleibe und die grundlegenden Ursachen des Defizits nicht beseitigt seien. "Jetzt müssen tiefgreifende Strukturreformen zügig angegangen werden", forderte er.
Finanzkommission soll bis Ende 2026 Reformvorschläge vorlegen
Auch Linnemann sieht Handlungsbedarf: "Wir müssen die strukturellen Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung lösen und ihre Finanzierung dauerhaft auf eine solide Grundlage stellen." Nach Angaben des Ministeriums soll die Finanzkommission Gesundheit bis Ende 2026 Vorschläge für mittel- bis langfristige Strukturreformen in der GKV vorlegen.
Seit 2022 hat sich der Zusatzbeitrag mehr als verdoppelt
Hintergrund der angespannten Finanzlage ist, dass die Ausgaben seit Jahren stärker steigen als die Einnahmen. "Seit 2022 hat sich so der durchschnittliche ausgabendeckende Zusatzbeitragssatz von 1,3 auf 2,9 Prozent mehr als verdoppelt", heißt es im Gesundheitsministerium. In den Jahren 2024 und 2025 seien die Ausgaben um knapp acht Prozent pro Jahr gestiegen – ein Rekord. Auch für 2026 rechne das Ministerium mit einem Zuwachs von sieben Prozent. Erst 2027 werde sich der Ausgabenanstieg voraussichtlich auf unter drei Prozent abschwächen – ein Niveau, das die Einnahmenzuwächse decken könnten.
Mit Inhalten der dpa
