Kolumne KI-Grafiken im Handwerk: Wenn alle gleich aussehen

ChatGPT erstellt in wenigen Minuten Flyer, Motive und Infografiken – und immer mehr Handwerksbetriebe entdecken, was damit möglich ist. Doch wer der KI keinen klaren Auftrag gibt, bekommt Einheitsbrei zurück. Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg macht in ihrer DHZ-Kolumne deutlich, welche Fragen Betriebe zuerst beantworten müssen, bevor sie KI ans Werk lassen.

Kunterbunt, überladen, beliebig: KI-generierte Stellenanzeigen wie diese verraten auf den ersten Blick, dass hier genommen wurde, was die KI als Erstes ausgespuckt hat – welcher Betrieb dahintersteckt, bleibt unsichtbar. - © Mit KI generiert

Es wird gerade bunt im Handwerk. ChatGPT erstellt inzwischen Bilder, Flyer und Infografiken. Und immer mehr Handwerksbetriebe entdecken, was damit alles möglich ist. Plötzlich entstehen in wenigen Minuten Motive, für die früher viel Zeit, Geld oder externe Unterstützung nötig waren.

Das ist eine gute Entwicklung. Haben Sie die Funktion schon ausprobiert?

Ich bin ausdrücklich dafür, dass Handwerksbetriebe künstliche Intelligenz nutzen. Nicht als Spielerei, sondern als selbstverständliches Werkzeug, als zusätzliche Arbeitskraft, die einfach alles kann und weiß. Sie kann wiederkehrende Aufgaben schneller erledigen. Sie kann Arbeit übernehmen, die langweilt, Zeit frisst oder die schlicht niemand gerne macht.

Das Ergebnis verrät mehr, als es zeigen soll

Aber nur weil KI etwas erstellen kann, ist das Ergebnis noch lange nicht gut für Ihr Unternehmen. 

Denn viele der Grafiken, die gerade auf Social Media und Webseiten auftauchen, sehen vor allem nach einem aus: nach KI. Kunterbunt. Überladen. Beliebig. 

Man erkennt nicht, welcher Betrieb dahintersteht. Man erkennt keine Haltung, keine Geschichte und keine Werte. Die Schreinerei sieht aus wie der Dachdeckerbetrieb. Der traditionsreiche Familienbetrieb wie das Start-up von nebenan. 

Eigentlich sollte eine Grafik zeigen, wofür der Betrieb steht. Tatsächlich sagt sie häufig: Schauen Sie, wir haben genommen, was uns die KI als Erstes ausgespuckt hat. Wer diese Art von Grafiken einmal selbst erstellt hat, erkennt die der anderen aus kilometerweiter Entfernung. Und nein, die eigenen sind kein bisschen besser.

Kathrin Post-Isenberg KPI
Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg führte jahrelang ihren eigenen Handwerksbetrieb. Heute ist sie Speakerin, Host des Podcasts "Nach fest kommt ab" und treibt die Diskussion rund um Arbeitgebermarke, Führung und Fachkräftesicherung im Handwerk voran. - © Markus Zielke

Damit verraten Betriebe mehr, als sie zeigen wollen. Nämlich, dass sie das Werkzeug zwar bedienen, es aber noch nicht für sich arbeiten lassen. 

KI kann mehr – wenn sie weiß, für wen

Dabei kann KI die Farben eines Unternehmens berücksichtigen. Sie kann die Sprache eines Unternehmens aufgreifen. Sie kann Tradition sichtbar machen, Werte transportieren und sich an einem bestehenden Erscheinungsbild orientieren. 

Dafür muss sie allerdings wissen, was Ihren Betrieb ausmacht. Wer sind Sie? Wie sprechen Sie? Wofür stehen Sie? Was sollen Kunden, Bewerber und Mitarbeiter bei Ihnen fühlen? Was unterscheidet Sie von dem Betrieb drei Straßen weiter? 

Wenn Sie darauf keine Antwort geben, liefert die KI Einheitsbrei. Nicht weil sie es nicht besser kann, sondern weil sie kein brauchbares Material bekommen hat, um daraus etwas Individuelles zu machen, etwas, was Ihren Handwerksbetrieb widerspiegelt.

Der Auftrag ist das Handwerk

Viele halten die Technik für das Problem. Tatsächlich ist es der fehlende Auftrag. Es ist wie bei einem Praktikanten, den man mit dem Auftrag ins Lager schickt: Hol mal das Werkzeug. Wahrscheinlich bringt er nicht das mit, was gerade gebraucht wird, denn der Auftrag war zu ungenau.

Nutzen Sie KI. Lassen Sie sich Arbeit abnehmen. Probieren Sie aus, was möglich ist. Aber legen Sie Ihre Unternehmensidentität dabei nicht vor der Tastatur ab. 

Denn Fortschritt bedeutet nicht, auszusehen wie alle anderen. Fortschritt bedeutet, neue Werkzeuge so einzusetzen, dass am Ende immer noch Sie zu erkennen sind. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.