Personalsuche per Social Media und Co. Digitales Recruiting im Handwerk: So gelingt der Einstieg

Junge Menschen erwarten einen schnellen, digitalen und transparenten Bewerbungsprozess – doch vielen Handwerksbetrieben fehlt das Wissen, wie sie das umsetzen. Ein neuer Leitfaden des Ludwig-Fröhler-Instituts zeigt den Weg: vom mobilfähigen Bewerberbereich über die richtige Kanalwahl bis zur gezielten Erfolgsmessung. Eine Checkliste in vier Stufen macht den Einstieg konkret.

Schreiner mit Smartphone und Laptop
Schnelligkeit ist Grundvoraussetzung im digitalen Recruiting. Wer nicht sofort reagiert, verliert Interessenten wieder. - © Anna Stills - stock.adobe.com

Die Vorteile von digitalem Recruiting sind für Andrea Greilinger ganz klar: "Es eröffnet dem Handwerk neue Chancen, Fachkräfte gezielt anzusprechen, den Auswahlprozess effizient zu gestalten und langfristige Beziehungen zu talentierten Mitarbeitern aufzubauen." Greilinger hat am Ludwig-Fröhler-Institut einen Leitfaden erstellt, der Chancen und Herausforderungen, vor allem aber auch Lösungsansätze und Best Practice-Fälle für digitales Recruiting im Handwerk vorstellt.

Im Digital Recruiting zählt Schnelligkeit

"Junge und qualifizierte Talente fordern einen schnellen, digitalen und transparenten Bewerbungsprozess", erklärt Greilinger. Doch Handwerkern fehlt häufig das Wissen, wie sie die digitalen Möglichkeiten effektiv nutzen können.

In ihrem Leitfaden leitet die Wissenschaftlerin durch den gesamten Prozess: wie sie als Arbeitgeber sichtbarer werden, sie auch passive Kandidaten erreichen, wie sie Bewerbungsverfahren vereinfachen und den Auswahl- und Einstellungsprozess beschleunigen und nicht zuletzt, wie sie Kandidaten binden.

Ohne professionellen Internetauftritt geht nichts

Grundvoraussetzung für digitales Recruiting ist ein professionell gestalteter Internetauftritt mit Karriereseite. Darin stellt sich der Betrieb vor, veröffentlicht Stellen und bietet einen einfachen Bewerbungsprozess an, der selbst am Smartphone unkompliziert funktioniert, beispielsweise per "1-Klick-Bewerbung".

Aufmerksamkeit für sich erzeugen Betriebe dann über Plattformen wie Instagram, TikTok, Facebook, LinkedIn oder X – nicht auf allen, sondern besser auf einem sorgfältig gewählten und dann regelmäßig gepflegten Kanal. "Social Recruiting ist mehr als das Veröffentlichen eines Job-Angebots. Es ist ein strategischer Mix aus Sichtbarkeit, Storytelling, Interaktion mit der Zielgruppe und gezielter Ansprache, wenn es um Stellenangebote geht", räumt Greilinger mit der Idee auf, es genüge, nur nach Lust und Laune zu posten.

Jobportale im Digital Recruiting unverzichtbar

Anders als über Social Media, die alle Personengruppen ansprechen, erreichen Unternehmer über Jobportale und Online-Jobbörsen genau diejenigen, die auf Stellensuche sind. Die kostenlose Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit sei zwar gerade für kleine Betriebe mit häufigem Personalbedarf attraktiv, weiß Greilinger. "Trotz großer Reichweite ist hier allerdings die Sichtbarkeit oft geringer als bei kostenpflichtigen Jobportalen und die Qualität der Bewerbungen teilweise ungenügend."

"Trotz großer Reichweite ist hier allerdings die Sichtbarkeit oft geringer als bei kostenpflichtigen Jobportalen und die Qualität der Bewerbungen teilweise ungenügend."

Dr. Andrea Greilinger

Sie empfiehlt, auch kostenpflichtige Angebote zu prüfen. Sinnvoll sei es, hier zunächst mit einem kleinen Testbudget auf zwei bis vier passenden Portalen zu starten. Nicht alle Plattformen eigneten sich für alle Branchen und Regionen gleichermaßen. Es lohne sich also, genau auszuwerten, von wo Reaktionen kommen und wie gut sie passen, bevor für zukünftige Personalsuchen weiteres Geld investiert wird.

Anzeigenbudget effizient einsetzen

"Beim Schalten einer Online-Stellenanzeige braucht man als Betrieb selbst kein Know-how, was die Auswahl erfolgreicher Kanäle betrifft, auf denen die Anzeige laufen soll", nimmt Greilinger etwas Druck von den Betrieben. Mit Programmatic Job Advertising ermittele KI die erfolgreichsten Kanäle und optimiere ständig, um die Zielgruppe zu erreichen. Das zur Verfügung stehende Anzeigenbudget des Betriebs werde somit effizient eingesetzt.

Nicht zu unterschätzen ist im digitalen Recruiting die Wirkung von Online-Bewertungsplattformen, die bekannteste darunter ist Kununu. Hier schreiben aktuelle und ehemalige Mitarbeiter anonym über Arbeitsbedingungen, Unternehmenskultur oder Führungsstil. Positive Bewertungen erhöhen die Sichtbarkeit erheblich, negative allerdings schrecken Interessenten ab. Nur durch konstruktive Kommunikation auf diesen Portalen können Betriebe hier Schaden abwenden.

Checkliste für Digitales Recruiting

Digitales Recruiting im Handwerk funktioniert dann gut, wenn es persönlich, einfach, sichtbar und schnell ist. Handwerksbetriebe müssen nicht sofort in komplexe KI-Lösungen oder große Kampagnen investieren. Der wirksamste Einstieg liegt häufig in den Grundlagen:

  • kontinuierliche Erfolgsmessung,
  • eine überzeugende, mobilfähige Karriereseite,
  • klare und konkrete Stellenanzeigen,
  • authentische Einblicke ins Team und den Arbeitsalltag,
  • gezielte Social-Media-Präsenz,
  • eine unkomplizierte Bewerbung,
  • schnelle persönliche Rückmeldung, wenn Interessenten sich melden.

Es genügt nicht, nur Stellen auszuschreiben, sondern Betriebe müssen zeigen, wie sei arbeiten, was neue Mitarbeiter erwartet und warum sich ein Wechsel in diesen Betrieb lohnt.

Folgende Checkliste gibt einen kurzen Überblick über die Schritte zum digitalen Recruiting, der kostenlose Leitfaden des LFI beschreibt das Vorgehen ausführlich.

Stufe 1: Fundament schaffen

  1. Zielgruppe definieren: Azubis, Gesellen, Meister, Quereinsteiger?
  2. Arbeitgebervorteile ehrlich herausarbeiten.
  3. Karrierebereich auf der Website aufbauen oder verbessern.
  4. Google-Unternehmensprofil und Kontaktdaten pflegen.
  5. Mobilfähige Kurzbewerbung einführen.
  6. Zuständigkeit und Reaktionszeit verbindlich festlegen.

Stufe 2: Sichtbarkeit aufbauen

  1. Einen bis zwei passende Social-Media-Kanäle auswählen.
  2. Einfache Content-Routine etablieren.
  3. Dort Team und Arbeitsalltag sichtbar machen.
  4. Stellenanzeigen klar und attraktiv formulieren.
  5. Geeignete Jobportale testen.

Stufe 3: Prozesse professionalisieren

  1. Bewerbungen zentral verwalten.
  2. Standardkommunikation automatisieren.
  3. Bewerbungseingänge und Kanäle messen.
  4. Erfolgreiche Kanäle ausbauen, schwache stoppen.
  5. Talentpool datenschutzkonform anlegen.

Stufe 4: Fortgeschrittene Maßnahmen nutzen

  1. Bezahlte Social-Media-Kampagnen einführen.
  2. Multiposting oder Programmatic Job Advertising nutzen.
  3. Video-Recruiting.
  4. Active Sourcing.
  5. Chatbots und KI für Standardprozesse.

>> Hier geht es zum LFI-Leitfaden "Digitale Recruiting-Strategien für das Handwerk".