Logistik als Gewinnhebel Warum dieser SHK-Betrieb sein Lager zum Kerngeschäft macht

Warten auf Bauteile kostet Zeit – und die summiert sich in fünf Montageteams schnell zu Ausfällen, die den Ertrag empfindlich schmälern können. Rainer Häfele aus Göppingen hat daraus Konsequenzen gezogen: Lagererweiterung, Kofferanhänger, Typenreduzierung, Direkteinkauf bei Herstellern. Wie sein Konzept funktioniert – und welche Stellschrauben auch andere SHK-Betriebe kennen sollten.

Rainer Häfele mit einem Mitarbeiter im Warenlager. Der Firmenchef möchte unnötige Ausfallzeiten verhindern. - © Leonhard Fromm

Um ganze 100 Quadrat­meter will Rainer Häfele sein schon jetzt 220 mal 150 Meter Grundfläche umfassendes Lager erweitern. Doch mehr noch: Die Häfele Haustechnik GmbH in Göppingen hat zusätzlich einen Anhänger als rollendes Materiallager angeschafft sowie einen 3,5-Tonner mit Hebebühne. Der Grund: Die Produktivität seiner Monteure erhöhen, sagt Inhaber Rainer Häfele. Denn Warten auf benötigtes Zubehör kostet Zeit und damit Geld. Oder anders formuliert: In der Logistik steckt der Gewinn.

Der Kostenproporz von Material zu Arbeitszeit liegt bei Häfele bei 70 zu 30 im Heizungsbereich und bei 60 zu 40 im Badbereich. Entsprechend wichtig sind günstige Einkaufskonditionen und die Effizienz der 18 Mitarbeiter, darunter zwei Meister, sechs Monteure und ein Servicetechniker für Wartungsarbeiten an Heizungen. Der Rest sind drei gewerb­liche Azubis und Mitarbeiter in Kundenbetreuung und Buchhaltung.

Rund 2.500 verschiedene Artikel hat der Betrieb im Lager, davon allein 400 Komponenten für Rohrleitungen. "Wir versuchen, deren Verbau zu standardisieren, um die Vielzahl der Teile auf unter 350 oder 300 zu reduzieren", sagt Rainer Häfele, Diplom-Ingenieur Versorgungstechnik und Betriebswirt. Den elterlichen Betrieb von einst fünf Mitarbeitern hat er stetig erweitert und 2013 in einem Göppinger Gewerbegebiet neu gebaut. Er arbeitet fast ausschließlich für Privatkunden im Umkreis von 30 Auto-Minuten.

Der Schwerpunkt sind Komplettbäder und Heizungssysteme. Fast wöchentlich installieren seine Leute eine Wärmepumpe, was inklusive Fundamente, Elektrik und Außenanlage, die vergeben werden, je fünf Werktage dauert.

"Für den Heizungstausch haben wir den Kofferanhänger angeschafft, der alle Bauteile enthält, damit vor Ort nie etwas fehlt, was unnötige Fahr- und Wartezeiten verursachen würde", sagt Häfele. Zudem verkürzt er damit für die Kunden die lästige Baustellenzeit. Zwar seien die Mitarbeiter durch den permanenten Online-Lieferservice der Großhändler direkt auf die Baustelle oder deren dezentrale Abholexpresslager verwöhnt, doch das kostet Zeit und Geld.

Lager sichert Autarkie

Der Göppinger Sanitärbetrieb, der fast nur langjährige Mitarbeiter beschäftigt, setzt dagegen auf Autarkie, wofür das Lager einen wichtigen Faktor bildet. "Wenn ich in größeren Mengen einkaufe, verschlanke ich den Beschaffungsprozess und erziele oft noch bessere Konditionen", sagt Häfele. Im Gegenzug investiert er in den Hänger, den 3,5-Tonner und die Lagererweiterung, aber unterm Strich rechne sich diese Kalkulation.

In der Corona-Pandemie ab 2020 habe er diesbezüglich viel gelernt, weil Komponenten nicht mehr verfügbar waren. Und auch aktuell bilde etwa die Straße von Hormus eine Schwachstelle, weil Containerschiffe mit Waren aus Fernost dort nur sporadisch durchkämen.

"Wenn wir unsere Zeitpläne nicht halten können, weil es an Teilen fehlt, ist das der Worst Case", sagt der 46-Jährige, der auch als Innungsobermeister in seinem Landkreis und als Vorstandsmitglied in seinem Landesverband Akzente setzt. Schon tägliche Verzögerungen im Minutenbereich summierten sich in den fünf Teams auf das Jahr gerechnet zu Ausfällen, die den Ertrag großteils aufzehren könnten. In der Pandemie habe er – trotz voller Auftragsbücher – deshalb sogar kurzzeitig Kurzarbeit anmelden müssen.

Mobiles Warenlager für die Heizungstechnik garantiert die ständige Verfügbarkeit der Komponenten. - © Leonhard Fromm

Deshalb erweitert er das Lager um 30 bis 40 Palettenstellplätze, um den Zeitpuffer zu vergrößern, bis für jedes Teil entsprechender Nachschub kommt. Denn parallel will Häfele, dessen Betrieb kontinuierlich wächst, die Vielzahl der Komponenten und Typen reduzieren. So bestellte er zuletzt gleich zehn Wärmepumpen desselben Herstellers und Typs auf Vorrat. Der Grund: Dann reduziere sich später der Bedarf an Ersatzteilen und bei der Montage würden die Mitarbeiter schneller, wenn sie immer dasselbe Fabrikat verbauen. Das gleiche um ein Mehrfaches den vermeintlichen Vorteil aus, dass eine bestimmte Wärmepumpe gerade günstig im Einkauf sei.

Ware direkt vom Hersteller

70 Prozent seiner Waren, etwa Heizkessel und Badmöbel, kauft Häfele direkt bei einem Dutzend Hersteller. Dank der Volumina ist er bei denen wichtig genug, um gehört und individuell betreut zu werden. 30 Prozent kauft er im Großhandel, wobei er sich unter 15 potenziellen Anbietern für drei entschieden hat. Von denen wiederum ist einer sein Premium­lieferant, von dem er 60 Prozent seines Bedarfs bezieht.

Auch die Mitarbeiter sind teils autorisiert, über das Onlinesystem und über das eigene Warenwirtschaftssystem "Label" direkt und komplett papierlos zu bestellen, um die Buchhaltung zu entlasten. Die Software "ZUGFeRD" für elektronische Rechnungen ist dabei der Datenaustausch für die Rechnungsstellung vom Großhandel in Häfeles Buchhaltung.

Solche digitalen Systeme sind mit ein Grund, sich für bestimmte Lieferanten zu entscheiden. Vor allem kleinere Hersteller und Händler hätten zunehmend Probleme, da mitzuziehen. Standard sei bei vielen Großhändlern, dass Bestellungen bis 19 Uhr am nächsten Tag um 5.30 Uhr vor Ort sind.

Für Rainer Häfele gehört die Logistik zur Arbeitsvorbereitung und ist zentraler Bestandteil, der über den Erfolg eines Betriebes mitentscheidet, weil er auch auf die Kundenzufriedenheit ausstrahlt. Dazu zählen kurze Montagezeiten und ein kompetenter Auftritt. Übrigens will der Handwerker, wenn das erweiterte Lager steht, alle Lagerplätze inspizieren und Fehlbestände wie alte WC-Deckel oder nicht mehr gebräuchliche Rohrteile entsorgen. Nach seiner Schätzung blockieren sie fünf Prozent der kostbaren Lagerfläche.