Leuchtturmprojekt der Denkmalpflege Die Auferstehung von St. Michael

14 Jahre lang haben Restauratoren und Handwerker an der Generalsanierung der ehemaligen Abteikirche in Bamberg
gearbeitet. 43 Millionen Euro sind in eines der größten und komplexesten Bauvorhaben der Stadtgeschichte geflossen – eine Meisterleistung in der Denkmalpflege.

Michaeliskirche Bamberg
Über Jahre hinweg war der Michaelsberg in Bamberg Dauerbaustelle. Inzwischen sind die Gerüste an der Kirche verschwunden, erstrahlt das Gotteshaus außen wie innen in neuem Glanz. - © Bürgerspitalstiftung Bamberg/Lara Müller

Der Stein des Anstoßes fiel am 6. November 2012 in der Michaelskirche von der Decke. Der zwei Kilo schwere Putzbrocken löste sich aus dem Ge­­wölbe und prallte auf eine der Bankreihen. Wie aus Vorsehung war kein Gottesdienst. Aber in der Bamberger Bürger­spitalstiftung läuteten die Alarm­glocken. "Uns wurde schlag­artig bewusst, dass wir nicht mehr punktuell reparieren können", blickt Stiftungsreferent Bertram Felix zurück. Die einsturzgefährdete Kirche wurde gesperrt und eine 14 Jahre andauernde Generalsanierung eingeleitet, die bundesweit ihresgleichen sucht.

Denkmalpflege mit Know-how und Herzblut

Seit reichlich vier Monaten er­­strahlt die ehemalige Abteikirche St. Michael nun in neuem Glanz. Ein Leuchtturmprojekt der Denkmalpflege und ein Signal dafür, zu welchen Spitzenleistungen akademische und handwerkliche Restauratoren fähig sind. Die Generalsanierung ist zeigt zudem, was eine Gesellschaft vermag, wenn alle für ein gemeinsames Ziel an einem Strang ziehen: von der Bürgerspitalstiftung, der Eigentümerin der Kirche, über Genehmigungsbehörden, Fördermittelgebern, engagierten Bürgern bis hin zu fachkundigen Planern, Restauratoren und Handwerkern.

Nur so konnte es gelingen, den Raumeindruck des 18. Jahrhunderts wieder lebendig werden zu lassen, wie Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, sagte. "In diesem Projekt stecken unzählige Stunden, selten gewordenes Know-how, Kraft und Herzblut."

Gigantische Dimensionen

Die Daten der Generalsanierung lassen ihre Dimensionen erahnen: 74 Fachfirmen aus 32 Gewerken waren daran beteiligt. Seit Abschluss der Notsicherung im Jahr 2015 arbeiteten 2.600 Personen an dem Vorhaben. Während der statischen Instandsetzung war die Kirche innen von 16.000 Kubikmetern Raumgerüst und außen von 11.600 Quadratmetern Fassadengerüst eingehüllt.

Ab 2020 wurden rund 3.700 Quadratmeter Natursteinfläche bearbeitet, etwa 11.600 Quadratmeter gereinigt und rund 13,5 Kilometer Fugen erneuert. Steinmetzmeister Rudolf Spangel hat über Monate hinweg jeden Stein untersucht. "Das war Handarbeit im besten Sinne, denn jeder Stein erzählt seine Geschichte. Unsere Aufgabe war es, diese Geschichte zu bewahren, ohne die Spuren der Zeit wegzuschleifen", erklärt Spangel, der im Immobilienmanagement der Stadt Bamberg die Steinarbeiten koordiniert.

Künftige Projekte profitieren

43 Millionen Euro hat die Generalsanierung von St. Michael gekostet, darunter acht Millionen, die Bürgerspitalstiftung und Stadt Bamberg aus Eigenmitteln beigesteuert haben. Eine Investition, die nachwirken wird. "Von den Erkenntnissen aus den Arbeiten werden künftige Projekte profitieren", ist sich Bauleiterin Karin Hamper sicher. So wurden für die statische Sicherheit der nach außen kippenden Wände spezielle Querzuganker entwickelt, die unsichtbar für die Besucher zwischen Dachboden und Gewölbe das Bauwerk stabilisieren.

UV- und Infrarotschutz für Fensterglas entwickelt

Für die Fenster im Chor mit seinen lichtempfindlichen Gemälden gelang es Spezialisten der Glasmanufaktur Lamperts aus Waldsassen, das weltweit erste mundgeblasene Einfachglas mit integriertem UV- und Infrarot-Schutz herzustellen.

An die Handwerker, die sich bei der Generalsanierung um einen Auftrag bemühten, wurden hohe Anforderungen gestellt. Um zum Beispiel eines der Alabaster-Epitaphe zu restaurieren, mussten qualifizierte Bewerber bei Probearbeiten zunächst nachweisen, dass sie mit dem weichen Gestein umgehen können. "Sie mussten zum Beispiel einen fehlenden Finger für eine Figur modellieren. Wer das in Alabaster hinbekommt, braucht viel Erfahrung", erklärt Rudolf Spangel. Die Restaurierung der zehn Epitaphe, die im 19. Jahrhundert aus dem Dom nach St. Michael kamen, wird noch bis ins nächste Jahr andauern. Aber die meisten Arbeiten sind abgeschlossen.

Wer die Kirche betritt, schaut automatisch nach oben. Dort, wo vor 14 Jahren noch der Putz bröckelte, zieht der berühmte Himmelsgarten wieder die Blicke der Besucher an wie ein Magnet. Mit seiner Strahlkraft zeugt das ba­rocke Deckengemälde von der handwerklichen Perfektion, die bei der Generalsanierung der Michaelskirche bis ins kleinste Detail zum Tragen kam.