Kolumne Wissen vermitteln: Was alles dazugehört

Informationen? Kenntnisse? Können? Oder doch gespeichertes Wissen? Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, wie sich das Wissen der Auszubildenden von reinen Kenntnissen unterscheidet und wie Ausbilderinnen und Ausbilder Wissen nachhaltig vermitteln.

Wissen vermitteln
Wissen vermitteln: Eine zentrale Aufgabe von Ausbilderinnen und Ausbildern, bei sie aber unterscheiden müssen zwischen reinen Informationen und praktischen Kenntnissen. - © smolaw11 - stock.adobe.com

Zum Wissen der Auszubildenden gehören alle Kenntnisse und Fähigkeiten, die sie durch Erfahrung, Lernen oder Mitteilung erworben haben. Sie nehmen Informationen nicht nur auf. Sie verbinden neues Wissen gedanklich mit vorhandenen Erfahrungen und bewerten es. Durch selbstständiges Nachdenken entwickelt sich Verständnis. Sie sollten selbstständig denken, Fragen stellen sowie ihr persönliches Verhalten betrachten und bewerten können, um daraus zu lernen. Um das Wissen zu fördern, reicht es nicht, ihnen nur Tatsachen, Daten und Sachverhalte zu vermitteln. Eine positive Lernumgebung verstärkt den Lernerfolg, Angst vor dem Versagen bremst ihn.                                          

Wissen und Kenntnisse sind nicht genau das Gleiche, auch wenn sie eng verwandt sind. Wissen ist ein allgemeiner, umfassender Begriff für gesammelte Informationen, Tatsachen, Einsichten, Daten, Sachverhalte oder Tatbestände. Kenntnisse sind in der Regel anwendungsbezogen und beschreiben Abgrenzbares. In der Ausbildung sind sie auf einen Beruf bezogen. In der Praxis wird das noch um Fertigkeiten und Kompetenzen erweitert und um die Fähigkeit, Wissen und Kenntnisse in neuen, unvorhersehbaren Situationen erfolgreich anzuwenden.

Wissen vermitteln in unterschiedlichen Methoden

Wenn eine Ausbilderin oder ein Ausbilder Wissen vermittelt, werden Informationen, Fähigkeiten und Erfahrungen nach dem betrieblichen Ausbildungsplan an Auszubildende weitergegeben. Ausbilderinnen und Ausbilder nutzen unterschiedliche Methoden zur Vermittlung. Hierzu gehören vor allem verschiedene Unterweisungsmethoden, zum Beispiel Frontalunterricht, Vorträge, Seminare, Gruppenarbeit, Fallstudie oder Lernvideos und digitale Geräte.

Wichtig ist, dass sich Verantwortliche auf ihre Auszubildenden einstellen und genau über deren Kenntnisstand informiert sind. Das können sie aus den Ergebnissen der regelmäßigen Lernerfolgskontrollen ableiten. Hilfreich sind eine klare Sprache und die Bereitschaft, Rückmeldungen zu nutzen.                                                           

Formales Wissen ist geordnetes Wissen über Spielregeln, organisatorische Abläufe und kontrollierbare Verfahren. In der Berufsausbildung wird das durch rechtlich bindende Ordnungsmittel festgelegt und gegliedert. Für Ausbildende gilt hier der Ausbildungsrahmenplan, der als Anlage jeder Ausbildungsordnung beigefügt ist. Hieraus wird der betriebliche Ausbildungsplan abgeleitet und zum verbindlichen Teil des Berufsausbildungsvertrags.

Wissen vermitteln in der Berufsschule und im Betrieb

Für den Unterricht in der Berufsschule gibt es Rahmenlehrpläne. Es ist jedoch ratsam, anhand der Eintragungen im Ausbildungsnachweis zu verfolgen, ob sich die Lehrkräfte daran gehalten haben und alles vermittelt wurde.

Wurden Themen nicht behandelt, die in der Prüfung vorkommen können? Kann im Betrieb das Schulwissen nicht angewendet werden? Hier gilt in gewissem Rahmen eine pädagogische Freiheit. Vertragspartei sind die Ausbildenden und nicht die Lehrkräfte am eigenständigen Lernort Berufsschule. Lehrkräfte dürfen Themen gewichten, zeitlich verschieben oder vertiefen. Der Rahmenlehrplan ist kein genauer Fahrplan. Ausbildende können hier keine Vorschriften machen.

Wurde im Berufsschulunterricht wichtiges Wissen weggelassen oder nicht rechtzeitig vermittelt, müssen Ausbildende als Vertragspartei ausgleichend nachsteuern. Da Sie die Ausbildungspflicht tragen, liegt es an Ihnen, diese durch betrieblichen Unterricht, gezielte Aufgaben oder Lehrgänge zur Prüfungsvorbereitung zu erfüllen.

Stilles Wissen der Auszubildenden ist praktisches Können und Erfahrungswissen, das in ihren Köpfen verankert ist und sich kaum in Worte fassen oder aufschreiben lässt. Erfahrene Ausbilder erkennen schnell und ohne lange nachzudenken, wo ihr Auszubildender einen Fehler gemacht hat.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.