W-Fragen sind ein wichtiges Werkzeug im Lehrgespräch. Sie regen Auszubildende zum Nachdenken an, fördern eigene Antworten und helfen Ausbilderinnen und Ausbildern dabei, Lernziele gezielt zu erreichen. Welche W-Fragewörter besonders häufig eingesetzt werden und wie sie sich in der Ausbildung anwenden lassen, erläutert Ausbildungsberater Peter Braune.

W-Fragen sind offene Fragen, die mit einem Fragewort beginnen und möglichst genaue Informationen liefern sollen. Im Gegensatz zu geschlossenen Fragen können Auszubildende W-Fragen nicht einfach mit "Ja" oder "Nein" beantworten. Stattdessen sind sie aufgefordert, frei und mit eigenen Worten zu antworten.
Zu den häufig verwendeten W-Fragewörtern gehören:
- Wer?
- Was?
- Wo?
- Wann?
- Warum?
- Wie?
W-Fragen eignen sich deshalb besonders gut, um Auszubildende aktiv in ein Lehrgespräch einzubeziehen und sie zum eigenen Denken anzuregen.
W-Fragen gezielt im Lehrgespräch einsetzen
Ausbilderinnen und Ausbilder können W-Fragen nutzen, um bei ihren Auszubildenden eigene Gedanken anzustoßen. Sie helfen dabei, Vorwissen abzufragen, Zusammenhänge zu erkennen und gemeinsam auf ein Lernziel hinzuarbeiten.
Gerade im Lehrgespräch sind W-Fragen ein geeignetes Mittel, um Auszubildende schrittweise zu einer Lösung oder zu einem bestimmten Lernergebnis zu führen. Die Anwendung lässt sich anhand berufsübergreifender Lernziele verdeutlichen.
Beispiel 1: Digitale Medien, Tools und Daten sicher nutzen
Lernziel:
Digitale Medien, Tools und Daten sicher und gesetzeskonform im Berufsalltag nutzen.
Mögliche Frage:
"Was sind wichtige Gesichtspunkte beim Einsatz digitaler Medien?"
Mögliche Ergebnisse:
- sichere Handhabung digitaler Software und Geräte
- datengestützte Zusammenarbeit in Teams
- Einhaltung von Datenschutz und Informationssicherheit
- Erkennen von Risiken in der digitalen Kommunikation
Die offene Frage gibt den Auszubildenden die Möglichkeit, eigene Erfahrungen und Kenntnisse einzubringen und verschiedene Aspekte des Themas zu nennen.
Beispiel 2: Ressourcen schonen und umweltbewusst handeln
Lernziel:
Ressourcen schonen und umweltbewusst im Betriebsalltag handeln.
Mögliche Frage:
"Warum ist der betriebliche Umweltschutz wichtig?"
Mögliche Ergebnisse:
- Vermeidung von Umweltbelastungen
- sparsamer Einsatz von Energie und Materialien
- Mülltrennung und Recycling
- Beachtung von Nachhaltigkeitsprinzipien im eigenen Arbeitsbereich
Die Frage nach dem "Warum" fordert die Auszubildenden dazu auf, Zusammenhänge zu erklären und die Bedeutung des betrieblichen Umweltschutzes zu reflektieren.
Beispiel 3: Gefahren am Arbeitsplatz erkennen und Unfälle vermeiden
Lernziel:
Gefahren am Arbeitsplatz erkennen und Unfälle sowie Berufskrankheiten aktiv vermeiden.
Mögliche Frage:
"Wie können Unfälle und gesundheitliche Gefährdungen am Arbeitsplatz vermieden werden?"
Mögliche Ergebnisse:
- richtiges Verhalten bei Unfällen
- Beachtung von Brandschutzmaßnahmen
- ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes
- sicherer Umgang mit Gefahrstoffen
- Nutzung geeigneter Schutzausrüstung
Durch die offene Fragestellung können Auszubildende verschiedene Maßnahmen zur Arbeitssicherheit selbstständig benennen und miteinander in Verbindung bringen.
Beispiel 4: Den eigenen Betrieb verstehen
Lernziel:
Den eigenen Betrieb verstehen und Rechte sowie Pflichten im Arbeitsleben kennen.
Mögliche Frage:
"Wie ist unser Betrieb organisiert?"
Mögliche Ergebnisse:
- Aufbauorganisation
- Ablauforganisation
- verschiedene Arbeitsplätze und Zuständigkeiten
- Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Die Frage "Wie ist unser Betrieb organisiert?" eignet sich, um die Auszubildenden dazu anzuregen, Strukturen und Abläufe des eigenen Ausbildungsbetriebs zu beschreiben.
W-Fragen als Werkzeug für aktive Lernprozesse
W-Fragen ermöglichen es Ausbildern, Lehrgespräche offen zu gestalten und Auszubildende aktiv einzubeziehen. Statt lediglich vorgegebene Informationen abzufragen, können sie dazu beitragen, dass die Lernenden eigene Überlegungen formulieren, Zusammenhänge erkennen und Wissen selbstständig anwenden.
Dabei sollte die jeweilige W-Frage möglichst genau zum Lernziel passen. Je nach Thema können beispielsweise "Was?", "Warum?" oder "Wie?" unterschiedliche Denkprozesse anstoßen. So werden W-Fragen zu einem einfachen, aber wirkungsvollen Werkzeug für die Gestaltung von Lehrgesprächen in der Ausbildung.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.