Der Zoll hat bundesweit Barbershops und Nagelstudios kontrolliert – und ist dabei auf ein bekanntes Muster gestoßen: Schwarzarbeit, fehlende Sozialversicherungsmeldungen, Mindestlohnverstöße. Ein Täuschungsversuch in Troisdorf scheiterte, weil ein Zöllner Vietnamesisch sprach. Was die erste Bilanz aus dem Kölner Raum zeigt

Der Zoll hat am Samstag bundesweit das Friseur- und Kosmetikgewerbe ins Visier genommen. Mehr als 2.200 Einsatzkräfte kontrollierten Barbershops und Kosmetikstudios auf Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Verstöße gegen den Mindestlohn. Bundesweite Ergebnisse stehen noch aus.
Aus dem Zuständigkeitsbereich des Hauptzollamts Köln gibt es jedoch bereits eine erste Bilanz. Mehr als 60 Einsatzkräfte überprüften dort 66 Beschäftigte in 35 Betrieben – in Köln, Bergisch Gladbach, im Oberbergischen Kreis und im Rhein-Sieg-Kreis.
Täuschungsversuch im Nagelstudio: "Sie solle sich als seine Tochter ausgeben"
Besonders ins Auge fiel ein Fall in einem Nagelstudio in Troisdorf. Als der Inhaber die Zöllner kommen sah, rief er seiner 25-jährigen Angestellten zu, sie solle sich als seine Tochter ausgeben, die nur aushelfe. Der Plan scheiterte: Ein Zöllner sprach Vietnamesisch und durchschaute die Lüge. Die junge Frau hatte keinen gültigen Aufenthaltstitel und hielt sich bereits zum zweiten Mal illegal in Deutschland auf. Noch vor Ort leiteten die Beamten Ermittlungsverfahren gegen sie und den Studioinhaber ein. Die zuständige Ausländerbehörde entscheidet nun über weitere aufenthaltsrechtliche Maßnahmen.
Weitere Fälle illegaler Beschäftigung im Kölner Raum
Auch in einem Nagelstudio in Siegburg arbeitete eine 19-jährige Vietnamesin ohne gültige Aufenthaltserlaubnis. Sie konnte weder einen Aufenthaltstitel noch ihren Pass vorlegen. Die Ausländerbehörde übernahm den Fall.
In einem Barbershop in Wipperfürth arbeitete ein 36-jähriger Syrer ohne die erforderliche Arbeitserlaubnis. In einem Barbershop in der Kölner Innenstadt wurde außerdem ein 20-jähriger Syrer illegal beschäftigt. In beiden Fällen leitete der Zoll noch vor Ort Ermittlungsverfahren ein.
Einen weiteren Fall schildert Jens Ahland, Pressesprecher des Hauptzollamts Köln: "Weitere Ermittlungen sind auch bei einem 30-jährigen Vietnamesen notwendig. Denn der meinen Kolleginnen und Kollegen vorgelegte Aufenthaltstitel berechtigte ihn nicht für die Arbeit in einem Siegburger Nagelstudio, sondern nur für die Betreuung eines minderjährigen Kindes, welches allerdings dauerhaft in Hamburg lebt."
Erste Bilanz: Schwarzarbeit, Sozialbetrug, fehlende Stundenzettel
Die Auswertungen dauern noch an. Die bisherige Bilanz aus dem Kölner Raum zeigt aber bereits ein deutliches Bild:
- Bei 15 Beschäftigten gibt es konkrete Hinweise, dass sie nicht ordnungsgemäß zur Sozialversicherung gemeldet wurden – also schwarz beschäftigt werden (elf in Köln, einer in Bergisch Gladbach, drei im Rhein-Sieg-Kreis).
- Bei elf Beschäftigten ergaben sich Anhaltspunkte für Missbrauch von Sozialleistungen (acht in Köln, drei in Bergisch Gladbach).
- In sechs Fällen gibt es erste Hinweise, dass der Mindestlohn nicht gezahlt wurde – alle in Köln.
- In sechs Fällen führten Beschäftigte keine Ausweispapiere mit (fünf in Köln, einer in Hückeswagen).
- elf Betriebe führten keine Stundenaufzeichnungen, wie es das Mindestlohngesetz vorschreibt (zehn in Köln, einer in Bergisch Gladbach).
Ahland hatte bereits vor der Aktion auf bekannte Muster hingewiesen: "Wir hatten auch schon Fälle von illegaler Beschäftigung und Scheinselbstständigkeit." Die Auswertungen der Einsatzkräfte laufen weiter. dpa/fre