Zwei KI-Systeme übernehmen in einem Offenbacher Malerbetrieb Telefonannahme, Angebotserstellung und Bewerbervorauswahl. Malermeister Laszlo Bekö hat die Einführung selbst gestemmt, mit Kammer-Beratung, Mitarbeiterschulungen und Servern in Deutschland. Ein Praxisbericht über das, was funktioniert – und was KI nicht kann.

Petra Schmitt hat keinen Schreibtisch. Keinen Urlaub. Keinen Feierabend. In einem Offenbacher Malerbetrieb nimmt sie trotzdem Anrufe entgegen, hört zu und fragt nach. Und dann landet die Information da, wo sie hingehört: auf dem Smartphone des Chefs. Petra ist eine KI.
"Kein Anruf läuft ins Leere", sagt Laszlo Bekö. Der gebürtige Ungar hat vor fünf Jahren den Malerbetrieb seines Vaters übernommen. Im Alltag setzt er auf künstliche Intelligenz. Die soll vor allem eines: Zeit schaffen für das, was wichtig ist. Mit dem Kunden die Fassadengestaltung besprechen zum Beispiel. Den Azubi auf der Baustelle anleiten. Dem Mitarbeiter bei einer kniffligen Aufgabe helfen.
Bauchgefühl und Menschenkenntnis
Begonnen hat alles vor gut einem Jahr. Urlaubszeit. Kollegen leiten ihre Telefone auf ihn um. Ein Krankheitsausfall kommt dazu. "Da wusste ich: Es muss etwas passieren", sagt der 45-Jährige. Das Problem war nicht zu viel Arbeit. Das Problem war: zu viel Arbeit an der falschen Stelle.
Also beginnt Bekö, KI in seinen Betrieb zu holen. Erst "Petra", später kommt "Fabo" dazu. Kammer-Experten beraten ihn, er informiert sich weiter über Anwendungsmöglichkeiten und Tools. Nach Feierabend setzt sich der Malermeister an den Rechner, hinterlegt Wissen, programmiert Abläufe, automatisiert Prozesse.
Fabo prüft den Lebenslauf
Heute organisiert Fabo Termine, erstellt Angebote und übernimmt das Recruiting. Bewerbung eingegangen? Fabo schaut sie sich an. Lebenslauf? Fabo prüft, ob der Bewerber passt. Das Vorstellungsgespräch führt Laszlo Bekö selbst – mit einem Gesprächsleitfaden, den ihm Fabo erstellt hat – aber vor allem mit Menschenkenntnis und Bauchgefühl. "Das kann KI nicht ersetzen", sagt Bekö.
Der Betrieb profitiert von den digitalen Strukturen. Acht Mitarbeiter beschäftigt Bekö, plus Azubi, plus drei Angestellte im Büro und Projektmanagement. Die KI übernimmt wiederkehrende Aufgaben. Bei der Digitalisierung nimmt Bekö sein Team mit. Schulungen gehören dazu. Alle sollen wissen, was die neue Technologie kann. Jeder hat ein Smartphone. Zeiterfassung, Urlaubsanträge und wichtige Apps laufen digital.
Handwerk statt Informatik
Hätte er nicht lieber Informatik studiert? Laszlo Bekö lacht. "Vielleicht", sagt er. Aber schon als Zehnjähriger war ihm klar, dass er in die Fußstapfen des Vaters tritt. "Weil Handwerk kreativ ist und abwechslungsreich. Jeder Tag ist anders." Vielleicht erklärt das seine Begeisterung für Technik. Bekö hat Exoskelette für seine Mitarbeiter angeschafft: tragbare Stützsysteme, die den Körper bei anstrengenden Arbeiten wie Schleifen, Streichen oder Spachteln über Kopf entlasten.
Beim Datenschutz geht der Unternehmer einen sicheren Weg: Er hat seine Server in Deutschland, Systemadministratoren und nachvollziehbare Prozesse. Auch seine anfänglichen Zweifel, betriebliches Wissen in KI-Systeme zu geben, sind gewichen; die Modelle würden mit jedem Update leistungsfähiger, ist er überzeugt.
Laszlo Bekö will sein Handwerk nicht durch KI ersetzen. Er will mehr Zeit haben: für Kunden, für Mitarbeiter, für die Baustelle. Petra kann ans Telefon gehen. Fabo kann die Angebote vorbereiten. Die Wand streicht immer noch der Mensch.
So machen wir das……
KI im Betrieb erfolgreich einsetzen? Laszlo Bekö rät: "Informieren, statt abwarten. Möglichkeiten prüfen und sich beraten lassen. Vor allem: keine Angst haben. Mit kleinen Schritten in den Alltag starten. Mitarbeitende von Anfang an mitnehmen – und: Immer dranbleiben! Digitalisierung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess."