Ungewöhnliche Arbeitsplätze Wenn Elektroniker Märchen zum Leben erwecken

Bis zu tausendmal täglich lösen Besucher die rund 30 Märchenanlagen im Blühenden Barock in Ludwigsburg aus. Hinter den Kulissen sorgt ein Elektroniker-Team dafür, dass der Riese Goliath brüllt und der Froschkönig Wasser spuckt. Baljot Singh leitet dieses Team und hat seinen Traumberuf gefunden. Was seinen Arbeitsalltag ausmacht und warum dieser Job zeigt, wie vielfältig das Elektroniker-Handwerk sein kann.

Baljot Singh
Im Märchengarten erwarten den Elektroniker jeden Tag neue Herausforderungen. Rund 30 Märchenszenen müssen regelmäßig kontrolliert werden. - © HWK Stuttgart

Wer sorgt im Märchengarten eigentlich dafür, dass Riese Goliath mit dröhnender Stimme aus der Burg emporsteigt? Oder dass die Boote im Märchenbach die Besucherinnen und Besucher sicher durch die zauberhafte Landschaft tragen? Natürlich das Handwerk! Jeden Tag prüft und repariert ein Team hochqualifizierter Elektroniker die rund 30 Märchenszenen im Blühenden Barock. "Die Märchen sind individuelle Einzelbauten. Dadurch kann die Reparatur auch mal eine echte Herausforderung werden – aber genau das macht mir an der Arbeit so viel Spaß", erklärt Elektroniker Baljot Singh, der das technische Team im Blühenden Barock leitet. Seit 8 Jahren arbeitet der 29-Jährige Stuttgarter an dem märchenhaften Ort in Ludwigsburg und kann sich keinen schöneren Arbeitsplatz vorstellen: "Ich habe hier meinen Traumberuf gefunden. So schnell wird mich das Blühende Barock nicht mehr los."

Baljot Singh
Mit einer hydraulischen Steuerung wird Riese Goliath angehoben. - © HWK Stuttgart

So werden Märchen lebendig

Bis zu tausendmal werden die Märchen am Tag ausgelöst. Früh am Morgen und am Nachmittag prüft daher das technische Team gründlich jede einzelne Anlage. Ist tatsächlich etwas defekt, kann die Reparatur wenige Minuten oder auch mal mehrere Tage dauern. "Jeder Tag steckt voller Überraschungen", schwärmt der Elektroniker. Schon wenige Stationen des Kontrollgangs machen die Vielfalt der Arbeit deutlich und zeigen, welche komplexe Technik in den Anlagen verborgen ist: Beim Märchen von Max und Moritz wird beispielsweise geprüft, ob sich die Körper neigen und der Kopf richtig dreht. Ab und an schaltet ein Relais nicht oder der Motor gibt den Geist auf, dann müssen die Teile ausgetauscht werden.

Baljot Singh
Blick hinter die Kulissen: Wenn sich die Körper von Max und Moritz nicht richtig bewegen, bedeutet das für Baljot Singh einen Reparatureinsatz. Mit seinem handwerklichen Knowhow bringt er die Märchen wieder zum Laufen. - © HWK Stuttgart

Auch im Märchenbach ist anspruchsvolle Technik verbaut, die regelmäßig gewartet und repariert werden muss. "Wenn es irgendwo wackelt, beheben wir das Problem und tauschen beispielsweise die Sensoren aus", erzählt Baljot Singh. Auch die Trittstufen beim Froschkönig sind mit Sensoren ausgestattet. Bei der Berührung öffnet sich ein Magnetventil und Wasser tritt aus – wer nicht schnell genug ist, bekommt nasse Füße. "Viel Spaß macht mir das Rumtüfteln, wenn etwas nicht so einfach zu reparieren ist."

Kindheitstraum wird wahr

Bei den Reparaturarbeiten komme es auch ab und zu vor, dass Kinder als Schaulustige die Arbeit verfolgen und auch Fragen stellen. "Besonders schön ist es, wenn alles wieder funktioniert und die Kinder das Märchen auslösen – dafür gibt es dann auch mal Applaus." Auch Baljot Singh besuchte als Kind das Blühende Barock und interessierte sich bereits damals für die Arbeit des Personals vor Ort. "Als die Ausbildungsstelle dann online war, habe ich mich sehr gefreut und direkt beworben." Den begehrten Ausbildungsplatz zu ergattern, sei nicht leicht gewesen, doch er setzte sich gegen die vielen Mitbewerbenden durch. Die Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik sei eine schöne und lehrreiche Zeit gewesen.

Vor allem die Abwechslung begeistert ihn jeden Tag aufs Neue für den Beruf: Neben der Arbeit im Märchengarten gehört auch der Aufbau großer Veranstaltungen im Blühenden Barock zu seinen Tätigkeiten. Für das Internationale Straßenmusikfestival im Juni verlegte das technische Team beispielsweise die Kabel für die Stromversorgung der Bühnen. "Wenn bei den Veranstaltungen dann alles rundläuft, freuen wir uns im gesamten Team darüber."

Der Märchengarten im Blühenden Barock

Wer denkt, dass Märchen nur in Büchern existieren, wird im Märchengarten des Blühenden Barocks in Ludwigsburg eines Besseren belehrt. Von Rapunzels Turm über das Pfefferkuchenhaus in Hänsel und Gretel bis hin zum bösen Wolf aus Rotkäppchen – Groß und Klein tauchen in den rund 30 liebevoll gestalteten Szenen in die Märchenwelt ein. 1959 wurde der Märchengarten eröffnet und lockte von Beginn an viele Besucherinnen und Besucher in das Blühende Barock. Seither werden die Attraktionen stetig erweitert. Das Blühende Barock umfasst die gesamte Garten­anlage rund um das zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Herzog Eberhard Ludwig erbaute Residenzschloss und bietet neben dem Märchengarten eine Dauergartenschau sowie zahl­reiche Ver­anstaltungen das ganze Jahr über.