Wenn Debora Weißbrod Weidenruten in den Händen hält, entsteht daraus mehr als ein Korb. Im Juli legte die 39-Jährige als bundesweit einzige Auszubildende im Rahmen einer dualen Ausbildung ihre Gesellenprüfung ab. Ihre Geschichte zeigt, wie es um einen anerkannten, aber kaum noch bekannten Ausbildungsberuf steht – und warum dieses alte Handwerk dennoch Zukunft haben kann.

Es ist ein seltenes Handwerk, das vielen Menschen kaum noch bekannt ist. Dabei ist die Flechtwerkgestaltung – früher als Korbmacherei bezeichnet – bis heute ein anerkannter Ausbildungsberuf. "Es ist weder Bastelei noch Beschäftigungstherapie, sondern echtes Handwerk", sagt sie. Gleichzeitig sieht sie eine der größten Herausforderungen in der fehlenden Wertschätzung für handgefertigte Flechtwaren. Vielen Kunden sei nicht bewusst, wie viel Können und Zeit in jedem einzelnen Stück stecken. Umso wichtiger sei es, den Wert echter Handarbeit wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken.
Kreativ mit den Händen
Ihr Weg in die Flechtwerkgestaltung und von Oberfranken nach Mühlhausen war nicht vorgezeichnet. Kreativ war die 39-Jährige zwar schon immer. Lange glaubte sie jedoch, studieren zu müssen. Nach verschiedenen beruflichen Stationen suchte sie schließlich eine Tätigkeit, die besser zu ihr passt – eine Arbeit, bei der sie mit ihren Händen Bleibendes schaffen kann. Erste Erfahrungen mit dem Flechten sammelte sie in einem Kurs. Daraufhin bewarb sie sich an der Staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels. Kurz darauf wurde sie zu einem Schnupperpraktikum eingeladen. "Da wusste ich: Genau das möchte ich lernen. Im Handwerk fühlt es sich einfach richtig an", sagt sie.

Vor drei Jahren begann sie zunächst eine schulische Vollzeitausbildung, wechselte dann aber in eine duale Ausbildung, um mehr praktische Erfahrung zu sammeln. Im dritten Lehrjahr kam sie schließlich zum Mühlhäuser Inklusionsbetrieb Manufact GmbH. Unter Anleitung von Ausbilder Ronald Helbing lernte sie neben Materialien und Techniken auch die Anforderungen des professionellen Handwerks kennen: das Flechten nach Zeit- und Mengenvorgaben, eine sorgfältige Planung sowie präzise Maßarbeit.
Ihre Gesellenprüfung vor wenigen Wochen markierte den Abschluss einer besonderen Ausbildungszeit. Nach der schriftlichen Prüfung in Dresden stellte sie ihr Können im praktischen Teil bei Korbmachermeister Mike Heßler in Bad Düben unter Beweis. 26 Stunden an vier Tagen standen ihr dafür zur Verfügung. Entstanden sind unter anderem ein Papierkorb und ein eckiger Korb mit Würfelgeflecht.
Filigrane, stabile Produkte
Das Flechthandwerk lebt von Erfahrung, Geduld und Präzision. Aus Weide entstehen stabile und zugleich filigrane Produkte. Die Bandbreite reicht von der Feinflechterei über Korbwaren – dem Schwerpunkt von Debora Weißbrod – bis hin zum Möbelbau. Gerade beim Thema Nachhaltigkeit sieht sie große Chancen für ihr Gewerk. "Flechtwerk entsteht aus einem nachwachsenden Rohstoff, ist langlebig und hat – je nach Verarbeitung und Nutzung – einen sehr geringen ökologischen Fußabdruck. Insbesondere hochwertige Flechtwaren lassen sich reparieren."
Doch das Handwerk steht vor Herausforderungen. Viele Flechterinnen und Flechter sind inzwischen älter, Nachwuchs fehlt, und manche Techniken drohen verloren zu gehen. Auch feste Arbeitsplätze gibt es nur wenige. Nach ihrer Gesellenprüfung hat Debora Weißbrod daher zunächst keine Festanstellung in Aussicht. Sie kann sich vorstellen, nebenberuflich den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen, einen eigenen Kundenstamm aufzubauen und sich so für die Zukunft des Gewerks einzusetzen. Ihr Ziel: mehr Wertschätzung für ein Handwerk schaffen, das zwar alt ist – aber keineswegs veraltet.