Teilqualifizierungs-Set (TQ): Weiterbildung in Modulen E-Handwerk macht Hilfskräfte fit für Energie- und Gebäudetechnik

Die Elektrifizierung der Energieversorgung verstärkt den Fachkräftemangel im E-Handwerk. Mit einem neuen Teilqualifizierungs-Set will der ZVEH Bauhelfer und Quereinsteiger gezielt für Energie- und Gebäudetechnik schulen – modular, online und mit Option auf den Gesellenabschluss.

Teilqualifizierungs-Set (TQ-Set) für den Beruf "Elektroniker/-in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik"
Mit Digitalisierung und Energiewende wächst auch der Bedarf an e-handwerklichen Fachkräften. Ein neues Teilqualifizierungs-Set (TQ-Set) für den Beruf "Elektroniker/-in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik" soll Bauhelfern und Quereinsteigern die Möglichkeit der Qualifizierung geben. - © anatoliy_gleb – stock.adobe.com

Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Handwerk ist hoch – schon allein durch die Digitalisierung der Energiewende und die Elektrifizierung der Energieversorgung. Neben Meistern und Gesellen arbeiten in den Betrieben allerdings auch Mitarbeiter, die zwar mit Praxiserfahrung punkten, aber keine reguläre Berufsausbildung durchlaufen haben. Die Rede ist von Bauhelferinnen und Bauhelfern sowie Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern.

Um diejenigen von ihnen, die älter als 25 Jahre alt sind, für den Beruf "Elektroniker/-in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik" zu qualifizieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich für Teilbereiche dieses Weiterbildungsfelds zu spezialisieren, hat der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) als erstes Gewerk im Handwerk ein vollständiges Teilqualifizierungs-Set (TQ) erstellt und dafür jetzt mit einem Partner ein Bildungsangebot geschaffen, das zum Teil auch online absolviert werden kann.

Neues Teilqualifizierungs-Set: Energie- und Gebäudetechnik in Modulen

Das TQ-Set besteht aus sieben Modulen. Die ersten beiden bilden die Grundlage und sind verpflichtend. Danach kann man entscheiden, wie viele und welche Module man für die weitere Qualifikation belegt. Viele Betriebe sind spezialisiert und möchten ihre Mitarbeiter für ganz bestimmte Aufgabenbereiche weiterbilden.

"Das ist mit dem TQ-Set genauso möglich wie eine umfassende Qualifikation mit allen Inhalten, die auch in der dualen Ausbildung enthalten sind", erklärt Andreas Habermehl, ZVEH-Geschäftsführer Technik und Berufsbildung. Denn wer alle sieben Module abschließt, kann danach eine Externenprüfung absolvieren und bei erfolgreichem Abschluss einen Gesellenbrief erwerben. Das ist aber nicht verpflichtend.

Webinar zu TQ und der Beantragung

Der ZVEH informiert über die Teilqualifizierung für den/die "Elektroniker/-in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik" in einem kostenlosen Webinar, das zwei Mal angeboten wird: am 26. Juni 2026 von 13:00 bis 14:30 Uhr oder am 30. Juni 2026 von 9:00 bis 10:30 Uhr. Eine Anmeldung ist erforderlich. Infos und das Webinar-Programm gibt es unter zveh.de.

Der ZVEH betont, dass das TQ nicht in Konkurrenz zur regulären e-handwerklichen Ausbildung tritt – im Gegenteil. Laut Andreas Habermehl ergänzt es das e-handwerkliche Qualifizierungsangebot und soll den Betrieben und Beschäftigten eine flexiblen neuen Lösungsansatz bieten, um sowohl ältere Mitarbeiter als auch Arbeitskräfte aus dem Ausland fit für die technischen Anforderungen zu machen.

"Rund neun Prozent der Beschäftigten in den Betrieben verfügen nicht über eine reguläre Ausbildung und sind als Helfer angestellt", sagt Andreas Habermehl. Durch Migration und demografische Veränderungen habe sich mitunter ein heterogener Bildungsstand ergeben, dem die Teilqualifizierung Rechnung trägt. "Ältere Mitarbeiter wollen vielleicht nicht mehr unbedingt zur Berufsschule gehen und können über die TQ entscheiden, ob sie die gesamte Qualifikation absolvieren oder sich vielleicht auch nur für Teilbereiche qualifizieren wollen, die ihr Arbeitgeber auch bedient", erklärt der ZVEH-Vertreter.

TQ für Energie- und Gebäudetechnik ist förderfähig

Als Alternative sei schon länger diskutiert worden, eine verkürzte Ausbildung und schnellere Qualifizierungen anzubieten. "Wir sind allerdings dagegen, die duale Ausbildung zu verkürzen. Diese ist bleibt für uns der Goldstandard. Was wir jedoch – nicht zuletzt aufgrund der wachsenden Nachfrage nach Fachkräften – ergänzend anbieten wollten, war ein modulares Zusatzangebot. Dieses orientiert sich aber eng an der Ausbildungsverordnung und stellt so sicher, dass die Teilnehmenden später auch verantwortungsvoll arbeiten und über eine entsprechende fachliche Qualität verfügen", so Habermehl. Er berichtet, dass das SHK-Handwerk ebenfalls bald eine eigene Teilqualifizierung vorstellen werde, da der Bedarf in diesem Gewerk ähnlich sei.

Es gehe insgesamt um eine bessere fachliche Weiterbildung der vorhandenen Beschäftigten in den Bereichen, die für die anstehenden Herausforderungen der Energiewende notwendig sind. Andreas Habermehl betont, dass die Politik erkannt habe, dass es in der Fachkräftedebatte nicht nur um neue Beschäftigte gehe, sondern auch um weiterführende Qualifizierungsoptionen, die man auf verschiedenen Wegen anbieten müsse. Deshalb ist das TQ auch förderfähig. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt bis zu 100 Prozent der Kosten für die Weiterbildung. Betriebe können die Lohnkosten der Beschäftigten für die Zeit der Weiterbildung zu 100 Prozent als Zuschuss bekommen. Hierbei gibt es allerdings regionale Unterschiede.

Wichtige Fragen und Antworten zum neuen Teilqualifizierungs-Set (TQ) des ZVEH

Wer kann das TQ-Set absolvieren?

Zielgruppen der TQ sind formal gering qualifizierte Mitarbeiter/-innen wie Quereinsteiger oder Hilfskräfte. Sie müssen über 25 Jahre alt sein und eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bei einem Betrieb des E-Handwerks haben.

Wo findet das TQ-Set statt?

Das TQ-Set ist modular aufgebaut, so dass berufliche Kompetenzen schrittweise erworben werden können. Die ersten beiden Grundlagenmodule (elektrotechnisches Arbeiten 1 und 2) sind jedoch verpflichtend und werden online angeboten. Die Module orientieren sich eng an der Ausbildungsverordnung sowie dem Rahmenlehrplan für den entsprechenden e-handwerklichen Beruf. Die TQ kann rein online oder auch als Kombination aus Online- und Präsenzmodulen absolviert werden. Jedes Modul schließt mit einer internen Prüfung und einem Zertifikat ab.

Wie lange dauert die TQ?

Jedes einzelne Modul umfasst sechs Monate, so dass die gesamte Weiterbildung den gleichen Umfang hat wie eine reguläre duale Ausbildung von drei Jahren zusätzlich der Prüfungszeit. Da aber nach den beiden ersten Pflichtmodulen entschieden werden kann, wie viele Module folgen sollen, ist die Weiterbildungszeit individuell.

Wie kann man über das TQ-Set zum Gesellenabschluss kommen?

Wer alle sieben Module abschließt, kann zudem eine Externenprüfung ablegen und bei erfolgreichem Abschluss einen Gesellenbrief erwerben. Die Externenprüfung übernimmt die regional zuständige regionale Handwerkskammer.

Mit wem kooperiert der ZVEH zur Umsetzung des TQ-Sets und wann starten die ersten TQs?

Die Umsetzung des TQ-Sets wurde mit der digi professionals GmbH erarbeitet und vom TÜV Süd als Weiterbildungsmaßnahme zertifiziert.

Die Anmeldungen zu den ersten TQs laufen bereits. Das jeweilige Modul wir gestartet, sobald sich genügend Teilnehmer (ca. 6) angemeldet haben. Laut ZVEH ist abzusehen, dass die ersten Module bereits im August starten.

>>> Weitere Infos zu neuen Teilqualifizierungs-Set und Ansprechpartner finden Sie unter zveh.de