Die jüngsten Reformen bei Gebäudeenergiegesetz, EEG und Netzpaket beschädigen aus Sicht des ZVEH zentrale Säulen der Energiewende. Präsident Stefan Ehinger fordert ein klares politisches Bekenntnis – und sieht die E-Handwerke selbst gut gerüstet für die Transformation.

VEH-Präsident Stefan Ehinger hat die Bundesregierung scharf für ihren energiepolitischen Kurs kritisiert. Insbesondere die jüngsten Reformen des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG/GEG), des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und des Netzpakets stoßen beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke auf Widerstand. Ein schlüssiger Gesamtplan für die Energiewende sei nicht erkennbar.
"Wir haben in den vergangenen Monaten miterleben müssen, wie Orientierung verloren geht, weil einzelne Säulen der Energiewende beschädigt werden, ohne dass ein schlüssiger Gesamtplan sichtbar wird", so Ehinger.
Besonders kritisch bewertet er den politischen Umgang mit fossilen Energieträgern. Wirtschaft und Energiewende dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Nutzung fossiler Energien als Ausdruck von Freiheit darzustellen – wie es aus seiner Sicht im Kontext der GMG-Reform geschehe – führe in neue Abhängigkeiten und könne zur Kostenfalle werden.
Iran-Krieg verschärft Debatte um fossile Energien
Ehinger verwies in diesem Zusammenhang auch auf die anhaltende Energiekrise im Zuge des Iran-Kriegs. Dieser habe deutlich gemacht, welche Risiken mit fossilen Energieträgern verbunden seien. Wer weiterhin auf Gas, Öl und Benzin setze, ignoriere nicht nur die Endlichkeit der Ressourcen, sondern nehme auch Abhängigkeiten von Lieferländern wie China, den USA, Russland und dem Iran in Kauf.
Konjunktur im E-Handwerk rückläufig
Die Verunsicherung durch den energiepolitischen Kurs der Bundesregierung wirkt sich nach Angaben des ZVEH bereits spürbar auf die Elektrohandwerke aus. Ehinger verwies auf die rückläufige Konjunktur im E-Handwerk sowie sinkende Installationszahlen im Photovoltaik-Bereich.
E-Branche sieht sich gut aufgestellt
Trotz der Kritik zeichnete der ZVEH-Präsident ein positives Bild der Zukunftsfähigkeit der Branche. Das notwendige Instrumentarium für eine erfolgreiche Energiewende sei bereits vorhanden, auch die Kunden würden zunehmend umdenken. Im Neubau seien Wärmepumpen inzwischen nahezu Standard. Elektromobilität, Photovoltaik und Energiespeicher könnten Verbraucher angesichts steigender Preise für Benzin, Gas und Öl unabhängiger machen.
Die Elektroindustrie stelle dafür innovative Lösungen bereit. Die E-Branche verfüge mit den Elektrohandwerken über Erfahrung und Fachkräfte sowie mit dem dreistufigen Vertrieb über ein bewährtes Modell, um die Energiewende mit Tempo und Qualität umzusetzen.
Digitalisierung und KI als Zukunftsthemen
Um kommende Herausforderungen gemeinsam anzugehen, rückt die Branche laut Ehinger noch enger zusammen. Dazu zählen insbesondere die Digitalisierung von Prozessen, die Nutzung von Datenräumen sowie die Einführung des Digitalen Produktpasses (DPP) und des Digitalen Projektordners (DPO). Auch Schnittstellen wie LeanConnect spielen dabei eine wichtige Rolle.
Darüber hinaus beteiligen sich die E-Handwerke an Förderprojekten wie "Construct-X" und "CraftForward" sowie an Energiewende-Allianzen wie der "Taskforce Gebäudetechnik" und dem "Bündnis Gebäudewende".
Forderungen an die Politik
Mit Blick auf die Politik fordert Ehinger ein klares Bekenntnis zur Energiewende und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen. Statt eines "Regulierungs-Klein-Klein" brauche es marktgerechte Lösungen über den CO2-Preis sowie eine Energiesteuerreform zur Entlastung des Strompreises.
Zudem kritisierte der ZVEH-Präsident fehlende Investitionen in die Zukunft und sprach sich für eine transparente Politik aus, die die Bürgerinnen und Bürger stärker mitnehme. Transformationen durch Energiewende, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz würden disruptiv und teilweise schmerzhaft verlaufen. Umso wichtiger sei es, Chancen sichtbar zu machen und gesellschaftliche Akzeptanz zu schaffen.
Zum Abschluss appellierte Ehinger an die E-Branche, Prozesse neu zu denken sowie Digitalisierung und KI konsequent voranzutreiben, um die Leistungsfähigkeit der Branche vollständig auszuschöpfen. avs