Akademische vs. berufliche Bildung KI-Welle im Arbeitsmarkt: Wird das Handwerk der große Gewinner?

Die Zukunftsaussichten mancher akademisch geprägter Bürojobs werden bereits stark durch KI verändert. Indes könnten handwerkliche Tätigkeiten in der Werkstatt und auf der Baustelle bei jungen Menschen beliebter werden. Doch ganz so einfach ist die Gleichung nicht, wie Experten erklären.

KI Kündigung
KI kann schon heute manche Jobs ausführen. Das Handwerk muss sich aber wenig Sorgen um die Zukunft machen. - © Hammad - stock.adobe.com

Lange Zeit galt in vielen Familien ein ungeschriebenes Gesetz: Wer Karriere machen will, muss studieren. Doch der rasante Aufstieg der künstlichen Intelligenz bringt dieses gesellschaftliche Mantra ins Wanken. Während generative KI-Modelle heute mühelos Programmiercodes schreiben oder Marketingkonzepte entwerfen, scheitern sie noch häufig an der praktischen Realität einer Baustelle oder Werkstatt.

KI erhöht den Druck auf viele akademische Berufe

Dass dies Auswirkungen auf die Jobs der Zukunft hat, beobachtet Katharina Grienberger vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Durch KI habe sich das Automatisierungspotenzial verändert: "Was man sehr klar sieht, ist, dass zunehmend komplexe, also höher qualifizierte Tätigkeiten unter Druck geraten."

Laut IAB-Daten ist bei Expertenberufen mit Hochschulausbildung das Risiko gestiegen, potenziell durch Technik ersetzt zu werden. Doch Grienberger warnt vor pauschalen Schlüssen: "KI zieht sich quer durch alle Berufe hindurch.“ So weisen insbesondere Fachkraftberufe hohe Automatisierungspotenziale auf. Dass Berufe wie der Bäcker dennoch bestehen bleiben, liege oft an verschiedenen Hürden, die einer Automatisierung entgegenstehen, etwa rechtlicher oder ethischer Art, oder schlicht an Kundenpräferenzen für handgefertigte Produkte.

Dennoch besitzt das Handwerk einen Vorteil: die physische Komponente. Alexander Burstedde, Senior Economist am Institut der deutschen Wirtschaft (IW), ordnet ein: "Das, was KI besonders gut kann, sind alle Aufgaben mit Texten und Bildern. Ihr fällt es aber noch schwer, Mauern zu bauen, Wände zu streichen oder Dachstühle zu errichten."

Handwerk profitiert von Digitalisierung und KI

Handwerkspräsident Jörg Dittrich ist deshalb überzeugt: "Das Handwerk wird Gewinner der Entwicklung sein." Auch Bildungsministerin Karin Prien betont: "Die duale Ausbildung hat große Zukunftschancen." Dies gelte insbesondere mit Blick auf die künstliche Intelligenz, die den einen oder anderen akademischen Beruf ersetzen könne.

Dass die Zukunftssicherheit von Jobs ein immer wichtigeres Argument bei der Berufswahl wird, beobachtet auch Markus Rempe, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe. Er stellt fest, dass bei Jugendlichen und Eltern zunehmend die Erkenntnis reife: "Das Handwerk ist ein potenziell sicherer Arbeitgeber."

Gleichzeitig mache die Digitalisierung die Ausbildung attraktiver. Rempe nennt das Beispiel eines Azubis, der über eine KI-App autonomer arbeiten kann. Auch lästige Routineaufgaben fallen weg: "Der Maler muss keine Räume ausmessen. Das kann die KI übernehmen."

Neue Chancen durch die Verbindung von Praxis und Digitalisierung

Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), sieht in der Technologie ebenfalls eine Chance zur Aufwertung beruflicher Bildung. "Vor allem Handwerksberufe können breitflächig über alle Gewerbebereiche von der Anwendung der KI profitieren. In der Folge wird es weniger körperlich schwere Arbeit geben, aber mehr digitale Anwendungen, was die Berufe attraktiver machen wird."

Er mahnt aber zugleich: "Unsere Volkswirtschaft braucht sie alle: gute Handwerker, Facharbeiter und Akademiker."

Dass akademische und berufliche Bildung nicht konkurrieren müssen, hebt auch Klaus Schafmeister, Forschungsdirektor an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM), hervor. Er sieht eine steigende Nachfrage nach hybridem "Handwerksmanagement", das Ausbildung, Meister und Bachelor verzahnt.

Die Zukunft gehört hybriden Qualifikationen

Die Diskussion um KI und Arbeitsmarkt zeigt: Nicht allein der Bildungsabschluss entscheidet künftig über beruflichen Erfolg. Gefragt sind zunehmend Menschen, die digitale Technologien sinnvoll einsetzen und gleichzeitig praktische Fähigkeiten mitbringen. Gerade an der Schnittstelle von Handwerk, Management und Technologie könnten dadurch neue Karrierewege entstehen.