Kündigungsreport Nach 5 Minuten ist Schluss – wie Entlassungen in Betrieben ablaufen

Vier von zehn Kündigungsgesprächen dauern höchstens fünf Minuten. Fast zwei Drittel akzeptieren das erste Abfindungsangebot ohne Verhandlung. Und in Kleinbetrieben gehen 60 Prozent ohne finanziellen Ausgleich nach Hause. Was eine neue Studie über den Trennungsprozess in deutschen Betrieben verrät – und warum die häufigste Emotion danach überrascht.

Nur jeder Zweite fühlt sich bei der Kündigung respektvoll behandelt – und 53 Prozent der Gespräche verlaufen rein formal. - © Andrey Popov - stock.adobe.com

Kein Feedbackgespräch, keine Abmahnung, kein Hinweis – für mehr als jeden vierten Entlassenen kommt die Kündigung ohne jedes Warnsignal. Im Gespräch selbst geht es dann schnell: 40 Prozent stehen nach fünf Minuten wieder vor der Tür. 53 Prozent der Kündigungsgespräche verlaufen rein formal, nur 34 Prozent der Betroffenen dürfen ihre Sicht schildern. Nicht einmal die Hälfte fühlt sich respektvoll behandelt. Das zeigt der Kündigungsreport 2026 des HR-Software-Anbieters HR WORKS, für den das Marktforschungsinstitut Bilendi im April 2026 rund 6.000 Beschäftigte zwischen 18 und 69 Jahren befragt hat – über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg. Auch im Handwerk war demnach jeder vierte Beschäftigte von einer Entlassung in den vergangenen fünf Jahren betroffen.

Wer die Kündigung ausspricht, spielt dabei kaum eine Rolle: Nur rund jeder Zweite erlebt den Umgang als respektvoll. Die Daten legen nahe, dass der Prozess selbst das Problem ist, nicht die beteiligten Personen.

Abfindung: 60 Prozent in Kleinbetrieben gehen leer aus

Abfindungen sind in Deutschland kein Standard. 47 Prozent der Entlassenen gehen ohne finanziellen Ausgleich nach Hause, in Kleinbetrieben sind es sogar 60 Prozent. Wer ein Angebot erhält, hat kaum Zeit zum Nachdenken: 26 Prozent unterschreiben bereits im Kündigungsgespräch eine erste Vereinbarung. Weitere 36 Prozent sagen mündlich zu und unterzeichnen kurz danach. Insgesamt akzeptieren fast zwei Drittel das Erstangebot – ohne Bedenkzeit, ohne Anwalt, ohne Verhandlung.

Ob sich diese Eile lohnt, ist fraglich. Jeder vierte Entlassene mit Abfindung empfindet die Summe im Rückblick als nicht ausreichend. Trotzdem landen die wenigsten Fälle vor Gericht: Nur acht Prozent der Trennungen enden in einem gerichtlichen Vergleich.

Erleichterung – und Wut auf den Chef

Die häufigste Emotion nach einer Entlassung mag zunächst überraschen: 32 Prozent der Betroffenen geben an, nach dem Gespräch erleichtert gewesen zu sein. Knapp die Hälfte sagt rückblickend, ihre Lebensqualität habe sich durch die Entlassung verbessert. Für die Studienautoren deutet dies darauf hin, dass viele ihre Arbeitssituation bereits vorher als belastend empfunden haben.

Fast genauso verbreitet: Wut. Beinahe jeder Dritte ist nach der Entlassung wütend auf seinen Arbeitgeber oder seine direkte Führungskraft. Als zentralen Treiber nennen die Befragten fehlende Unterstützung durch die Führungskraft während der Anstellung. Der zweithäufigste Grund: das Gefühl, die Führungskraft habe auf die Entlassung hingearbeitet.

Wie die Kündigung übermittelt wird, prägt den emotionalen Nachhall. Wer schriftlich von seiner Entlassung erfuhr, leidet mehr als doppelt so oft an Nachwirkungen wie Wut, Kränkung oder Selbstzweifeln (27 Prozent) wie jemand, der persönlich informiert wurde (elf Prozent).

Warum die Arbeitgebermarke leidet

Für Arbeitgeber ist das auch ein Image-Thema: Wut aus schlechten Trennungen wirkt nach außen – über Bewertungsportale, Gespräche mit ehemaligen Kollegen oder die öffentliche Wahrnehmung. Wer Betroffene respektvoll behandelt, schützt also auch die eigene Arbeitgebermarke.

Betriebsbedingte Gründe dominieren – KI auf dem Vormarsch

Wenn Arbeitgeber kündigen, nennen sie meist wirtschaftliche Ursachen. 38 Prozent der Entlassenen geben an, ihnen seien betriebsbedingte Gründe genannt worden – 2025 waren es sogar 43 Prozent. Dahinter folgen Stellenabbau (knapp 16 Prozent) und strategische Neuausrichtungen (gut sieben Prozent). Personenbezogene Gründe wie unzureichende Leistung oder zwischenmenschliches Verhalten spielen mit jeweils zwölf Prozent eine kleinere Rolle.

Auffällig ist der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz als Kündigungsgrund. 2021 nannten ihn gerade einmal gut ein Prozent der Befragten, 2025 schon rund acht Prozent. Im Schnitt sagen sechs Prozent aller Entlassenen, ihre Stelle sei durch KI überflüssig geworden.

Jeder siebte Entlassene hat überhaupt keine Begründung erhalten. Das hat Folgen: Fast jeder Zweite aus dieser Gruppe ist zum Befragungszeitpunkt noch immer auf Jobsuche.

Handwerk im Branchenvergleich

Insgesamt haben 30 Prozent der Beschäftigten in den vergangenen fünf Jahren eine berufliche Trennung erlebt. 16 Prozent kündigten selbst, 13,5 Prozent wurden vom Arbeitgeber entlassen. Hochgerechnet auf die rund 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland sind das fast fünf Millionen Menschen. In Deutschland gibt es bisher keine einheitliche amtliche Statistik dazu, wie viele Beschäftigte jährlich entlassen werden.

Im Handwerk lag die Entlassungsquote in den vergangenen fünf Jahren bei 25 Prozent. Spitzenreiter ist das Consulting mit 34 Prozent, gefolgt von Energie und Immobilien (je 30 Prozent) sowie IT (27 Prozent). Am unteren Ende rangiert die Medien-, Presse- und Marketingbranche, in der nur etwa jeder Achte seinen Job verlor.

Auch die Unternehmensgröße macht einen Unterschied. In Konzernen mit mehr als 1.000 Beschäftigten wurden elf Prozent der Befragten entlassen. In Betrieben mit 51 bis 100 Mitarbeitern sind es 25 Prozent – mehr als doppelt so viele.

Entlassungswelle 2024 und 2025

Die Zahl der Entlassungen zog zuletzt deutlich an. Fast die Hälfte aller in der Studie erfassten Kündigungen durch den Arbeitgeber (46 Prozent) fällt allein auf die Jahre 2024 und 2025. Auf 2025 entfallen 24 Prozent, auf 2024 weitere 22 Prozent. Zum Vergleich: 2023 waren es 15 Prozent, 2022 nur zehn Prozent. Im Corona-Jahr 2021 lag der Anteil bei 19 Prozent. fre