Schmiedemeister Detlef Wächtler Der Mäuseschmied aus Stolpen

Detlef Wächtler ist Handwerker mit Leib und Seele. Die Arbeiten des Schmiedemeisters aus Rennersdorf bei Stolpen zieren sowohl Schlösser und Burgen als auch Gräber und Gärten. Ein kleines Markenzeichnen machte ihn auch überregional bekannt.

Schmiedemeister Detlef Wächtler in seiner Werkstatt
In seiner Werkstatt lässt Detlef Wächtler Skulpturen, Tore und Grabschmuck entstehen. - © Daniel Bagehorn

Rote Glut und Hammerschläge – die Werkstatt von Detlef Wächtler entspricht dem, was man sich unter einer alten Schmiede vorstellt. Sie ist dunkel und fast mystisch. Ein großer Amboss thront im Raum und in jeder Ecke lagern metallene Gegenstände, Muster und Modelle. Manche noch spartanisch, eckig und kantig, andere bereits kunstvoll verdreht und verziert. Während vor dem Werkstatttor der frisch gefallene Schnee Rennersdorf und die Felder einhüllt, sorgen inmitten der Schmiede das lodernde Feuer und die Hammerschläge Detlef Wächtlers für Atmosphäre.

Klassisches Kohlefeuer

In einem liebevoll restaurierten Bauernhof im 550-Seelen-Ortsteil von Stolpen hat der 62-Jährige seine Werkstatt eingerichtet und schmiedet hier das heiße Eisen, von der Idee bis zum fertigen Produkt – alles aus einer Hand! Ganz klassisch im Kohlefeuer werden die Metalle von ihm erhitzt. "Anders geht es auch gar nicht", sagt Detlef Wächtler und macht im gleichen Atemzug seinem Unmut Luft, dass die große Politik fossile Brennstoffe verbieten will, auf dass er künftig besonders ressourcenschonend und klimaneutral arbeite. "Ich habe ja viel Verständnis, jedoch plädiere ich für einen ausgewogenen und bezahlbaren Energiemix. Als Kunstschmied arbeite ich so wie Generationen vor mir. Gerade im Bereich des Denkmalschutzes wird in Ausschreibungen die traditionelle und historisch akkurate Herstellung und Restauration gefordert."

Neuorientierung nach der Wende

Das Stolpener Stadtspiel
Das Markenzeichen: Die kleinen Mäuse vom Stolpener Stadtspiel stammen ebenfalls von ihm. - © Daniel Bagehorn

Detlef Wächtler weiß, wovon er spricht. Seit mehr als vier Jahr­zehnten geht er seinem Handwerk mit Leidenschaft nach. "Ich habe Schmied gelernt, weil mich das Feuer und das glühende Eisen der Schmiede in der Nachbarschaft faszinierten – und das ist heute noch so!", lacht der 62-Jährige, der 1987 seinen Meister machte. Mit dem Ende der DDR musste sich aber auch Detlef Wächtler neu orientieren. Anfang der 1990er-Jahre bewarb er sich bei der Kunstschmiede von Alfred Schmidt/Trappenkamp in Dresden. "Schmidt war Metallbildhauer und Künstler. Der gebürtige Dresdner Kunstschmied war aus der DDR geflohen und kam nach der politischen Wende im Alter von 78 Jahren in seine Heimat zurück, um seine Liegenschaften wieder zu beleben", erläutert der Rennersdorfer. Als Filialleiter mit zwei Gesellen und drei Lehrlingen lernte Detlef Wächtler dort sein Handwerk von einer anderen Seite kennen. "Wir fertigten u.a. für namhafte Firmen kunstvolle Geländer und Portale, Auftragsarbeiten und Freiplastiken. Auch Bronze wurde zunehmend als Werkstoff in der Schmiede verwendet."

Arbeiten am Schloss Bad Muskau

Schließlich machte sich Detlef Wächtler 1998 in einem ehemaligen Bauernhof in Rennersdorf als Kunstschmied und Schmiedemeister selbstständig. In seiner Werkstatt entstehen historische und zeitgemäße Gitterwerke, Brunnen, Tor- und Zaunanlagen, Geländer, Leuchten und Interieur. Am Barockschloss Rammenau und am Schloss in Bad Muskau sind seine Arbeiten zu sehen. Als umfangreiches und interessantes Arbeitsfeld beschreibt Detlef Wächtler die Restauration von denkmalgeschützten Grabanlagen auf den verschiedensten Friedhöfen Dresdens. Ebenso die Herstellung von Sakralgerät. "Aktuell arbeite ich viel für einen privaten Investor, der ein altes Schloss nach historischem Vorbild wieder erstehen lässt. Aufträge gibt es genügend, jedoch schmälern die aktuellen Rahmenbedingungen mit zunehmender Bürokratie, Digitalisierungsanforderungen sowie steigenden Kosten die Freude an der Arbeit."

Mäusepatenschaften

Detlef Wächtler
Detlef Wächter hat genügend Aufträge. Die aktuellen Rahmenbedingungen mit zunehmender Bürokratie, Digitalisierungsanforderungen sowie steigenden Kosten schmälern die Freude an der Arbeit. - © Daniel Bagehorn

Überregional bekannt ist Detlef Wächtler auch für seine kleinen Mäuse. 30 von ihnen laden unterhalb der Burgruine in Stolpen Kinder zum Mäusesuchspiel ein. Sogar der MDR berichtete über die kleinen Nager, die die Stadtgeschichte vermitteln. "Anfangs waren die Mäuse ein Markenzeichen meiner Arbeiten. Dann wurde daraus die Idee zum Stadtspiel geboren. Die ersten drei Mäuse übernahm die Stadt, die Stolpener folgten und gingen Mauspatenschaften ein", sagt Detlef Wächtler, der auch als Stadtrat die Geschicke seiner Heimat prägt. Seit 25 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich in der Lokalpolitik und seit 45 Jahren in der Feuerwehr. Das neuste Projekt des Handwerksmeisters ist ein metallener Fuchs. Dieser soll auf das Geburtshaus von Hellmut Fuchs hinweisen, einem Maler, Fotografen und Ehrenbürger der Stadt Stolpen. Vielleicht gelingt dem neuen Tier ja ein ähnlicher Siegeszug wie den kleinen Mäusen.