Konjunkturprognose Volkswirte: "Deutliche Erholung der Bauinvestitionen in 2025"

Die Sparkassen-Finanzgruppe rechnet erst ab 2025 wieder mit einem spürbaren Wachstum in Deutschland. Langfristig machten Bürokratie, Fachkräftemangel und hohe Energiepreise dem Land zu schaffen. Hinzu kämen die Gefahren eines politischen Rechtsrucks.

Irgendwann werde man auch bei den neu erreichten Zinsen wieder mehr bauen, sagte Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Deka-Bank. - © framedbythomas - stock.adobe.com

Die deutschen Sparkassen rechnen erst im kommenden Jahr wieder mit einem deutlichen Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt. "Für 2024 erwarten wir eine Erholung um 0,3 Prozent. Ab 2025 sollte es beim BIP mit einem Plus von 1,1 Prozent deutlich bergauf gehen", sagte der neue Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Ulrich Reuter. 2023 war die Wirtschaft um 0,3 Prozent geschrumpft und auch das erste Quartal 2024 fällt nach den Prognosen der Chef-Volkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe schwach aus. Hoffnung machen ihnen dagegen eine abnehmende Inflation und das Anziehen des privaten Konsums sowie eine leichte Erholung der Exportwirtschaft.

Reale Lohnzuwächse bringen Konsum in Schwung

Wie Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Deka-Bank, sagte, erholt sich die Wirtschaft erst langsam von der Corona-Krise, in deren Folge die Inflation und die Zinsen angestiegen und der private Konsum und die Investitionsgüternachfrage zurückgegangen seien. Gleichwohl zeigte er sich zuversichtlich, dass der Konsum angesichts realer Lohnzuwächse wieder ins Laufen komme. Gleiches gelte auch für die Investitionsnachfrage. "Irgendwann wird man auch bei den neu erreichten Zinsen wieder mehr bauen", sagte er. Für 2025 erwarte er eine deutliche Erholung der Bauinvestitionen.

Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte erwartet

Mit Blick auf die Inflation rechnen die Chef-Volkswirte mit einer Teuerung von durchschnittlich 2,6 Prozent in diesem und mit 2,4 Prozent im nächsten Jahr nach 6,0 Prozent im vergangenen Jahr. Vor diesem Hintergrund sind nach Einschätzung Katers die Überlegungen zu Zinssenkungen in Europa gerechtfertigt. Er erwarte erste Leitzinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte, fügte er hinzu.

Sparkassen: Endlich Wachstumsimpulse stärken

Als enorme Herausforderung sehen die Experten der Sparkassen-Finanzgruppe die strukturellen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft. Das langfristige Wachstumspotenzial liege nur noch bei 0,4 Prozent pro Jahr, warnte Kater. Als Grund nannte er vor allem die Alterung der Gesellschaft. Umso wichtiger sei es, Wachstumsimpulse zu entfachen. Dies sei aber zurzeit wenig der Fall. Noch immer machten den Unternehmen vor allem das Übermaß an Bürokratie und der Mangel an Fachkräften sowie hohe Energiepreise zu schaffen. Aufgabe der Politik sei es, für wachstumsfördernde Rahmenbedingungen zu sorgen, forderte Reuter.

Darauf drängten in dieser Woche auch die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, darunter der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). In einem Brandbrief an Bundeskanzler Olaf Scholz forderten die Verbände unter anderem schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, eine Steuerreform, ein "Stoppschild" bei den Sozialversicherungsabgaben sowie Reformen bei der Rente. Mit einem "kräftigen Aufbruchssignal" und langfristig verlässlichen, wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen könne und müsse die Politik bei den Unternehmen wieder mehr Vertrauen aufbauen und Zuversicht für eine gelingende Transformation in Richtung Klimaneutralität schaffen.

Reuter: Wir müssen die Ärmel hochkrempeln

Nichts hält Sparkassenpräsident Reuter von Diskussionen zu Arbeitszeitverkürzung. "Wir alle müssen die Ärmel hochkrempeln, um uns aus den aktuellen Schwierigkeiten herauszuarbeiten", sagte er. Dies sei etwa möglich, indem zusätzliche Arbeitsstunden über ein definiertes Mindestmaß hinaus steuerlich entlastet oder eine freiwillige Verlängerung der Lebensarbeitszeit stärker belohnt würden.

Sparkassen-Chef: Deutschland ist auf Weltoffenheit angewiesen

Darüber hinaus warnt der Sparkassenpräsident vor einem politischen Rechtsruck in Deutschland. "Deutschlands wirtschaftliche Stärke beruht darauf, dass wir ein demokratisches, weltoffenes Land sind und bleiben", sagte er. Wer diese Grundwerte infrage stelle, gefährde nicht nur die freiheitlich-demokratische Grundordnung, er entziehe Deutschland seinen Wohlstand. "Wir sind auf internationale Zusammenarbeit, auch auf gezielte Zuwanderung, ökonomisch zwingend angewiesen", sagte er.

Mit Inhalten der dpa