KI, Automatisierung, Nachhaltigkeit 10 wichtige Bautrends für 2024 und die Zukunft

Die Baukrise belastet die Branche. Unternehmer sollten jetzt nicht den Fehler machen, in Ohnmacht zu verfallen. Stattdessen können Betriebe freie Kapazitäten nutzen, um sich auf Trends und neue Technologien vorzubereiten. Eine Auswahl.

Bautrends 2024
Eine Zukunftsvision: Humanoide Roboter auf der Baustelle - © XaMaps - stock.adobe.com

Im abgelaufenen Jahr ist die Konjunktur im Bauhandwerk eingebrochen. Und auch für 2024 ist keine Trendwende in Sicht. Weniger Aufträge und Personalkürzungen werden prognostiziert. "Es ist ein echtes Dilemma. Das Bauhauptgewerbe bewegt sich zwischen Fachkräftesuche einerseits und drohender Kurzarbeit und Kündigungen andererseits. Dabei mangelt es nicht an Aufgaben, sondern an Aufträgen", sagt Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe.

Zu diesen Aufgaben gehört auch, sich strategisch stärker auf die Zukunftsthemen am Bau vorzubereiten und Geschäftsprozesse weiterzuentwickeln. Laut Einschätzungen von Marktanalysten werden folgende Trends besonders wichtig.

1. Künstliche Intelligenz

Auch abseits von Textrobotern wie ChatGPT schreitet der Einsatz von Künstlicher Intelligenz voran und betrifft das Bauhandwerk. Nach Einschätzung von Bauinfoconsult lassen sich Fehlerkosten auf deutschen Baustellen, die sich aktuell pro Jahr auf einen zweistelligen Milliarden-Betrag belaufen, durch KI deutlich reduzieren. Die KI-gestützte Bauplanung und -ausführung kann menschliche Fehler verhindern. Zudem ist ein effizienterer Materialeinsatz möglich, indem die Künstliche Intelligenz vorab genau berechnet, wie viel Material für ein Bauvorhaben wirklich benötigt wird. Das spart den Betrieben Kosten, führt zu weniger Müll und leistet einen Beitrag zum Umweltschutz.

2. Sensoren und Kameras

Im Zusammenspiel mit KI können Sensoren auf der ­Baustelle Risiken erkennen. In der Arbeitskleidung von Handwerkern erfassen sie, welche körperlichen ­Belastungen bei einer Tät­igkeit entstehen. Dank einer vorausschauenden Analyse lassen sich schädliche Fehlbelastungen und mögliche Berufskrankheiten durch mechanische Einwirkungen vermeiden. Auch gefährliche Stoffe in der Arbeitsumgebung können gemessen werden. ­Sensoren in Werkzeugen und Baumaschinen ermöglichen zudem eine vorausschauende Wartung. So lassen sich mögliche Defekte erkennen, bevor die Maschinen ausfallen.

3. Automatisierung

Während die Industrie schon längst nicht mehr auf hochleistungsstarke Roboter verzichten kann, zeigt sich auf deutschen Baustellen noch ein anderes Bild. Roboter, die selbstständig aufmessen, eine Mauer hochziehen oder Wände und Decken verputzen, sind eher in Forschungsumgebungen anzutreffen. In Zukunft könnte sich das jedoch ändern. Neben Spezialrobotern, die monoton bestimmte Aufgabe erledigen, tüfteln Hersteller auch an humanoiden Modellen mit künstlicher Intelligenz, die als menschliche Maschine eine Lösung gegen den Fachkräftemangel sein sollen. Mithilfe von Internet of Things sollen Roboter zudem untereinander kommunizieren und sich auf der Baustelle absprechen können. Auch Drohnen und 3D-Drucker werden zu mehr Automatisierung auf den Baustellen beitragen.

4. BIM

Nur zögerlich beschäftigen sich Betriebe aus dem Bauhandwerk mit den Chancen von BIM, während sich die Arbeit mit dem digitalen Zwilling in anderen Ländern schon etabliert hat. BIM ermöglicht es, alle relevanten Daten über ein Bauwerk digital zu erfassen und zu speichern. Dabei könnten Hersteller, Architekten, Planer und Handwerker gemeinsam auf das Abbild des realen Gebäudes zugreifen. Eingaben und Änderungen sind für alle nachvollziehbar und erleichtern die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit. Zudem lässt sich mit BIM der ganze Lebenszyklus eines Gebäudes nachhalten, was hinsichtlich des Gebäudemanagements und anfallender Modernisierungen wesentliche Vorteile bietet.

5. Lean Construction

Beim Lean Management werden alle Arbeitsprozesse im Unternehmen betrachtet und analysiert, um die Effizienz maximal zu steigern. Jede Art der Verschwendung, ob in Form von Zeit oder Personal, soll vermieden werden. In der Baubranche kann Lean Management helfen, bei der Planung und Ausführung eines Bauvorhabens schlanke Prozesse zu entwickeln. Mit einem möglichst geringen Personaleinsatz sollen Gebäude schneller und kostengünstiger hergestellt werden. Betriebe können auf diesem Weg Kosten einsparen und die Zufriedenheit der Kunden durch schnelle Bauverfahren steigern.

6. Serielles Bauen

Häuser und Gewerbebauten, die in wenigen Tagen auf der Baustelle komplett errichtet werden, sind längst keine Seltenheit mehr. Möglich wird dies durch einen hohen Grad der Vorplanung und Vorfertigung im Werk. Große Bauteile werden komplett im Betrieb produziert und die Elemente vor Ort nur noch zusammengesetzt. Auch die Gebäudetechnik und Stromleitungen können bereits vorab integriert werden. Serielles Bauen ermöglicht es, Projekte weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen wie dem Wetter umzusetzen und bietet Bauherren eine größere Verlässlichkeit. Nach Ansicht von Experten könnte serielles Bauen ein Schlüssel sein, um künftig in kürzer Zeit mehr neue Wohnungen bauen zu können.

7. Modernisierung

Mangelnder Platz und fehlende Baugenehmigungen führen dazu, dass sich das Baugeschehen in Zukunft stärker in Richtung des Bauens im Bestand verschieben wird, sind sich Experten einig. Betriebe, die bisher vorrangig im Neubau tätig waren, könnten dazu gezwungen sein, ihre Geschäftsmodelle neu auszurichten. Besonders "Klimahandwerker", etwa aus dem Bereich SHK oder Elektro, können sich über einen Wachstumsmarkt freuen. Mit Blick auf das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestandes in Deutschland bis 2045, dürften energetische Sanierungsmaßnahmen und der Einbau moderner Heizungssysteme sowie Solaranlagen noch wichtiger werden.

8. Energieeffizienz

Energie zu sparen und Gebäude energieeffizienter zu bauen, gehört nach Einschätzung von Herstellern und Bauakteuren zu den wichtigsten Trends für 2024 und darüber hinaus. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Jahresanalyse von Bauinfoconsult. Möglich wird dies durch den verstärkten Einsatz von energieeffizienten Baumaterialien oder auch der nachträglichen Gebäudedämmung im Bestand. Weiterhin können moderne Fenster und energieeffiziente Heiz­systeme die Energiebilanz verbessern.

9. Nachhaltigkeit

Wie klima- und umweltfreundlich ein Gebäude ist, entscheidet sich über seinen ganzen Lebenszyklus und nach dem Rückbau durch die weitere Verwendung der Baumaterialien. Noch stärker verbreiten dürften sich Bauten mit nachwachsenden Rohstoffen wie Holz sowie recycelbaren Baumaterialien, die auch nach ihrem Einsatz im Gebäude ganz oder weitgehend wiederverwendbar sind. Hersteller arbeiten an neuen Baustoffen, die diese Kriterien erfüllen. Für eine breite Akzeptanz bei Unternehmen und Bauherren spielen aber auch ihre Kosten im Vergleich zu traditionellen Baustoffen eine Rolle.

10. Leasing

Ein Auto zu leasen, anstatt zu kaufen, ist nichts Ungewöhnliches. Das Leasing von Bauprodukten ist hingegen noch kaum verbreitet. Künftig soll es möglich sein, dass Kunden für ihre Fenster oder Fußböden einen Leasing-Vertrag mit einer festen Nutzungsdauer abschließen. Für Bauherren ergibt sich der Vorteil, dass weniger Anschaffungskosten entstehen und sie sich später nicht um die Entsorgung kümmern müssen. Die Hersteller selbst übernehmen den Ausbau und engagieren sich für eine umweltschonende Weiterverwendung.

Interessante Einblicke zu Bautrends finden sich auch in der Bauinfoconsult Jahresanalyse. ­Bestellung unter bauinfoconsult.de möglich.