Eine erfolgreiche Weiterbildung zur ersten geprüften Brotsommelière Thüringens, die Wahl zur Landesinnungsmeisterin für das Thüringer Bäckerhandwerk und als i-Tüpfelchen die Auszeichnung zu Deutschlands Bäckerin des Jahres: 2023 war das Jahr von Celestina Brandt. Die Bäckermeisterin und Konditorin erfindet sich und ihr Handwerk immer wieder neu.
Wenn Celestina Brandt auf 2023 zurückblickt, möchte sie sich manchmal kneifen. Nach der erfolgreichen Weiterbildung zur ersten geprüften Brotsommelière Thüringens ist sie im Sommer dieses Jahres zur Landesinnungsmeisterin des Thüringer Bäckerhandwerks gewählt geworden. Doch damit nicht genug. Im Herbst folgte der nächste Coup.
Celestina Brandt wurde als Deutschlands Bäckerin des Jahres ausgezeichnet. "Das ist schon verrückt. Für mich ist es eine große Ehre, diesen Preis bekommen und nach Thüringen geholt zu haben. Gleichzeitig weiß ich aber auch, wie viel Arbeit dahintersteckt und dass mir diese Erfolge nicht einfach so zugefallen sind", sagt die 47-jährige Bäckermeisterin und Konditorin.
Betrieb in vierter Generation
Die Chance, Bäckerin des Jahres zu werden, gibt es womöglich nur einmal im Leben – und Celestina Brandt hat sie beim Schopfe gepackt. Sie überzeugte die Jury der Allgemeinen Bäckerzeitung mit ihrem innovativen Konzept im ländlichen Raum, welches das Traditionshandwerk mit vielen frischen Ideen für das Bäckergewerk verbindet. Und mit Sicherheit haben auch ihre Liebe zum Detail und ihr schier unbändiger Tatendrang Punkte gebracht. Celestina Brandt wirbelt in der Buttstädter Vollkornbäckerei, deren Grundsteine vor über 100 Jahren von Albert Rammelt gelegt wurden. Ihm folgten der Ehemann seiner ältesten Tochter Anneliese, Erich Markert, und dessen Sohn Jochen Markert, der nach der politischen Wende mit Mitgesellschaftern die Buttstädter Vollkornbäckerei GmbH gründete. Seit Mai 2012 führt Celestina Brandt den Betrieb, den sie von Kindesbeinen an kennt, in nunmehr vierter Generation fort.
Brotgenussabende und Drive-in-Service
Und sie erfindet sich immer wieder neu. Schon zwei Jahre nach der Geschäftsübernahme hat sie ein neues Ladengeschäft und das Café Celestina eröffnet. Mittlerweile gibt sie Kurse und Workshops und veranstaltet Brotgenussabende. Sie betreibt einen 24-Stunden-Selbstbedienungsladen, in dem die Kunden rund um die Uhr frische Waren bekommen, und hat einen Drive-in-Service installiert, bei dem Brot und Brötchen – ähnlich wie bei Fast-Food-Ketten – im Vorbeifahren zu haben sind.
Alte Handwerkskunst erlebbar machen
Die alte Backtradition verliert sie dabei aber nie aus dem Blick. Im Gegenteil: Sie ließ das Altdeutsche Backhaus in Burgwenden aufwendig sanieren. Jeden Donnerstag wird hier Holzofenbrot im alten Ofen gebacken und damit alte Handwerkskunst erlebbar. Für den Brotsommelière-Kurs hat sie sich während der Corona-Zeit entschieden. "Ich musste viel lernen, aber ich bin sehr froh, dass ich ihn gemacht habe. Neben dem fachlichen Wissen konnte ich mein Netzwerk erweitern", sagt sie. Dank des Kurses wurde unter anderem Starkoch Johann Lafer auf sie aufmerksam. In seinem neuen Buch, der "Brotbibel", ist Celestina Brandt mit einem Rezept vertreten.
Viele Ideen für das neue Jahr
Für das nächste Jahr hat sie sich viel vorgenommen. "Ausruhen war noch nie meine Sache", sagt sie und lacht. So will sie nicht nur ihren eigenen Betrieb vorantreiben, ihre Kunden mit guten Produkten glücklich machen und eine gute Chefin für die rund 40 Mitarbeiter sein, sondern auch den Landesinnungsverband stärken und das Bäckerhandwerk stärker ins Gespräch bringen. "Das geht nur gemeinsam. Deswegen würde ich mir wünschen, noch mehr Bäcker, und gerne auch den Nachwuchs, ins Team integrieren zu können", sagt sie.
Besonders Frauen spricht sie Mut zu. "Aktuell ist der Beruf noch von Männern dominiert. Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Frauen den Schritt wagen, sich im Handwerk auszuleben und in Führungspositionen Verantwortung zu übernehmen", sagt sie. Wie erfolgreich eine Frau im Handwerk sein kann, zeigt sie mit ihrer Arbeit tagtäglich.
