4-Tage-Woche und Co. Diese Handwerker haben ihre Vorsätze 2023 umgesetzt

Zum Jahreswechsel grübeln viele Menschen, was sie im kommenden Jahr ändern oder verbessern wollen. Die Deutsche Handwerks Zeitung wollte wissen: Was haben sich DHZ-Leser für das laufende Jahr vorgenommen – und tatsächlich umgesetzt? Fünf Ideen zum Nachahmen.

Uhr von 2023 bis 2024
Gute Vorsätze haben in diesen Wochen wieder Hochkonjunktur. Doch nur wenige werden nachhaltig umgesetzt. Nicht so bei den fünf Unternehmern, mit denen wir über ihre Vorsätze für 2023 gesprochen haben. - © alones - stock.adobe.com

Im Fernsehen laufen die Jahresrückblicke und so mancher fragt sich, was ihn persönlich in diesem Jahr beschäftigt hat. Mancher fragt sich auch, was aus den Vorsätzen für 2023 geworden ist.

Gerade Selbstständige und Unternehmer stellen sich häufig die Frage, wie sie ihre Arbeit produktiver gestalten können. Neben mehr Gewinn sollte auch die Gesundheit der Mitarbeiter nicht zu kurz kommen. Und möglichst auch die eigene Lebensqualität. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat ihre Leser gefragt, welche guten Vorsätze sie in diesem Jahr erfolgreich umgesetzt haben.

Moritz Stöhr, Geschäftsführer Heimsch Metallbau aus Stuttgart

"Wir haben 2023 die Vier-Tage-Woche eingeführt. Nach einem Testlauf im März und April waren unsere Mitarbeiter begeistert und wir haben das Modell im Mai fest umgesetzt.

Moritz Stöhr
Moritz Stöhr hat 2023 erfolgreich die Vier-Tage-Woche eingeführt. - © privat

Wir arbeiten jetzt nur noch an einem Freitag im Monat, für sechs Stunden. Unsere 37,5 Stunden haben wir auf die restlichen Tage umgeschichtet. Das heißt, wir haben die Arbeitszeit nicht reduziert, nur unsere Stunden anders verteilt. Dadurch bleibt auch das Gehalt gleich. Weniger Arbeitszeit bei gleichem oder sogar höherem Lohn, wie es in der Industrie gefordert wird, ist für uns nicht vorstellbar – ich denke, das ist in keinem Handwerksbetrieb umsetzbar.

In unserem Job tragen wir viele schwere Metallteile – von der Fluchttreppe, über das Geländer bis zum Balkon – da ist ein zusätzlicher Tag zur Erholung sehr praktisch. Vor allem auch unsere Familienväter freuen sich über den Tag mehr, den sie mit der Familie verbringen können.

Ich selbst kann als Geschäftsführer an dem Freitag auch manchmal freinehmen, sofern keine Ablage mehr ansteht. Wenn ich noch schriftliche Sachen zu erledigen habe, ist es aber auch geschickt, wenn ich am Freitag alleine im Büro bin, nicht gestört werde und alles kontrollierter abarbeiten kann.

Für 2024 haben wir uns vorgenommen, unseren Instagram-Account auszubauen. Den haben wir erst vor kurzem gestartet und ich finde es schön, wenn wir uns dort präsentieren und zeigen, was hinter unserer Arbeit steckt."

Desiée Pucher
Desiée Pucher hat nach der Geburt ihrer Tochter den Wiedereinstieg in die Geschäftsleitung gemeistert. - © privat

Desirée Pucher, Geschäftsführerin Pucher Haustechnik aus Nabburg

"2023 war für mich persönlich ein sehr gutes Jahr, vor allem dank meiner Familie und meiner Mitarbeiter. Ich bin schon kurz nach der Geburt meiner Tochter wieder in unseren Betrieb eingestiegen, den ich gemeinsam mit meinem Papa führe. Am Anfang wusste ich nicht, ob das klappt. Aber es ist alles wunderbar gelaufen.

Früher habe ich 50 bis 60 Stunden gearbeitet. Jetzt sind es deutlich weniger Stunden. Als ich wieder eingestiegen bin, haben wir genau überlegt, wie wir meine Arbeitszeiten verteilen und wann ich ins Büro komme. Anfangs habe ich viel Homeoffice gemacht. Dann habe ich die Kleine auch öfter mit in den Betrieb genommen. Das Schöne ist, dass sie nie gefremdelt hat. Meine Mitarbeiter kennen sie jetzt alle.

Sie hat im Büro geschlafen oder war im Laufstall. Außerdem hatten wir einen festen Plan, wer sich wann um sie kümmert. Mein Papa, meine Mama und meine Bonus-Mama haben abwechselnd auf die Kleine aufgepasst. Mein Papa hat sie zum Beispiel mittags spazieren gefahren, damit sie einschläft.

Viele Menschen haben mir vorher gesagt: 'Arbeiten gehen mit Kind, das kannst du vergessen!' Aber es hat wirklich gut funktioniert. Ich will anderen Müttern mit meinem Beispiel Mut machen, dass es möglich ist. Natürlich nur, wenn alle drumherum und auch das Baby mithelfen."

Benjamin Helm
Benjamin Helm hat sich im Jahr 2023 erfolgreich als Selbstständiger etabliert. - © privat

Benjamin Helm, Fliesenleger aus Pfaffenhofen an der Ilm

"Ich habe mich bereits 2022 selbstständig gemacht als Handwerksdienstleister und Handwerkervermittler und diese Entscheidung auch in diesem Jahr nicht bereut. Im Gegenteil, ich habe meine Arbeit in diesem Jahr weiter ausgebaut. Ich bin gelernter Fliesenleger und kenne mich auch in anderen Bereichen auf dem Bau gut aus. Ich habe mich vor 15 Jahren mit einem Kleinstgewerbe in der alten Heimat und nun ab 2022 in Bayern (nach fünf Jahren) selbstständig gemacht. Mein damaliger Chef hat mich dabei unterstützt und mir bei den ersten Anträgen geholfen. Außerdem hat er mir zugesichert, dass er mir Aufträge gibt, wenn es bei mir mal knapp wird.

Seitdem habe ich immer genug zu tun, denn meine Kunden kommen über Empfehlungen zu mir. Ich brauche keine Werbung zu machen. Der Anfang war nicht einfach. Es gibt viel Bürokratie und auch viele Dritte, die plötzlich Geld wollen, wenn man selbstständig ist. Im ersten Jahr habe ich oft zehn Stunden und mehr gearbeitet. Meine Ablage mache ich am Sonntagmorgen. Aber so ist das, wenn man selbstständig ist. Ich bin froh, dass meine Frau so viel Verständnis hat.

Anderen Handwerkern kann ich diesen Schritt nur empfehlen. Negative Erfahrungen wie zum Beispiel schleppender Zahlungsverkehr, schlechte Moral oder Baustellenabsagen helfen der Motivation und Weiterentwicklung. Man hat nichts außer der Zeit zu verlieren. Allerdings sollte man schon einen gewissen Ruf oder Kundenstamm und Kenntnisse vom Rechnungswesen haben sowie mit seinem Geld haushalten können.

Für das kommende Jahr denke ich darüber nach, meine Arbeit weiter auszubauen. Ich würde gerne einen selbstständigen Handwerker finden, mit dem ich meinen Betrieb erweitern und ausbauen kann und den ich mit meinen bisherigen Erfahrungen unterstützen kann."

Bernd Heier
Bernd Heier war 2023 Teil des Friseur-Teams, das sich in Neapel den WM-Titel in der Kategorie Damenfrisuren geholt hat. - © privat

Bernd Heier, Friseur aus Stuttgart

"Die tollste Erfahrung in diesem Jahr war, dass ich bei der Friseur-Weltmeisterschaft in Neapel war und Weltmeister im Team für Damenfrisuren geworden bin. Eigentlich hatte ich dazu nie den Wunsch. Aber verschiedene Zufälle haben dazu geführt, dass Fiol Thormann mich gefragt hat, ob ich nicht mitmachen möchte. Sie trainiert das deutsche Damen-WM-Team und von ihr habe ich viel lernen können. An vier Trainingstagen haben wir gemeinsam geübt, zusätzlich habe ich jeden Morgen, jeden Abend und jede freie Stunde in meinem Salon trainiert. Das war auch nötig, denn vorgeschrieben war ein Roter-Teppich-Look, da musste alles ganz exakt sein. Dank meines WM-Titels kann ich den jungen Mitarbeitern zeigen: Mit fast 60 Jahren ist man lange noch nicht tot. Der Titel ist auch die beste Werbung für unseren Salon. Seit knapp acht Jahren bin ich selbstständig und mein Herrensalon läuft bombig.

Im nächsten Jahr habe ich mir das Ziel gesetzt, den Damensalon zu vergrößern. Um das zu schaffen, habe ich unter anderem eine Agentur eingeschaltet. Sie erstellt regelmäßig Posts für Social Media, um auf uns aufmerksam zu machen. Wir investieren aber auch in bessere Stellenanzeigen. Ich wünsche mir menschliche, loyale und humorvolle Mitarbeiter für meinen Salon. Damit ich die für mich gewinnen kann, biete ich aber auch etwas: Machen Mitarbeiter einen bestimmten Umsatz, erhalten sie 40 Prozent davon als Bruttolohn plus einen Bonus. So möchte ich auch dazu beitragen, dass der Friseurberuf wieder attraktiver wird."

Rocco Funke, Geschäftsführer ELBS Leckortungs- und Bautrocknungsunternehmen aus Hundeshagen/Eichsfeld

"2023 haben wir unsere Prozesse und Abläufe im Betrieb weiter optimiert. Wir wurden in diesem Jahr außerdem eingeladen, an der neuen großen deutschlandweiten Studie zur Vier-Tage-Woche teilzunehmen und sind nun offiziell dabei.

Rocco Funke
Der Thüringer Unternehmer Rocco Funke hat mit Erfolg vor zwei Jahren die Vier-Tage-Woche in seinem Leckortungs- und Bautrocknungsbetrieb eingeführt und 2023 seine Prozesse und Abläufe weiter optimiert. - © Rocco Funke

Bereits 2021 haben wir die Vier-Tage-Woche eingeführt. Das war ein langer Prozess mit vielen Schulungen, Überlegungen und Gesprächen mit meinen Mitarbeitern. Wir haben zum Beispiel unser Lager umstrukturiert und digitalisiert.

Letztendlich hat sich gezeigt, dass das Modell bei uns ein großer Erfolg ist. Wir arbeiten 20 Prozent weniger, haben aber 50 Prozent mehr Umsatz und obendrein 100 Prozent mehr Spaß bei der Arbeit. Meine Mitarbeiter sind so gut wie nicht mehr krank und fühlen sich fitter.

Für mich als Chef ist es natürlich eine Herausforderung, denn es ist eine neue Art der Führung für dieses Arbeitsmodell notwendig. Davor hatte ich Angst. Aber die ist unnötig. Anstatt wie früher 80 oder 90 Stunden die Woche, arbeite ich nur noch fünf Tage und mache freitags vor allem die Ablage. Dadurch kann ich meinen Sohn viel öfter sehen."