TV-Kritik: NDR – Die Tricks mit Heizen und Energie NDR lässt Zuschauer nach Energie-Doku ratlos zurück

Der Winter naht, und einmal mehr geraten die Themen Heizen und Energie wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Der NDR stellte in einer Reportage drei Arten der Energiegewinnung vor, die klimafreundlich sein sollen – und klopfte vermeintliche Vorurteile ab. Dabei blieb der Moderator aber zumeist recht einseitig und verpasste es, im richtigen Moment die richtigen Fragen zu stellen. 

Solarmodule werden auf Dach installiert
Bei der Entscheidung, die Heizung und die Energieversorgung im eigenen Haus umzurüsten, spielen viele Faktoren eine Rolle. Eine aktuelle NDR-Reportage stellte einige Möglichkeiten vor, blieb aber oft unkonkret. - © alphaspirit - stock.adobe.com

Die Männer schrauben eine Leiste an das Haus mit Klinker-Fassade, an der Wand lehnen zwei Leitern. Die Akkuschrauber machen Lärm, "ein Stück weiter nach rechts", ruft einer. An die Leiste kommen später Solarmodule, die dem Haus und seiner Besitzerin Einsparungen beim Energieverbrauch und ein Stück mehr Unabhängigkeit bringen sollen. Die Szenerie sieht mehr nach der Arbeit von Heim- als von Handwerkern aus, irgendwie bleibt während der Szenen in der NDR-Reportage "Die Tricks mit Heizen und Energie" stets unklar, wie viel Energie sich damit nun wirklich einsparen lässt – und die Ausrichtung der Anlage nach Osten, und das auch noch in Norddeutschland – lässt nicht vermuten, dass dabei allzu viel rumkommen wird. 

Die NDR-Doku wollte das große Rad drehen, widmete sich neben der Photovoltaik auch den Themen Pelletheizung und der allgegenwärtigen Wärmepumpe. Moderator Jo Hiller sprach dafür mit Hausbesitzern, Handwerkern, Heimwerkern und Experten, doch am Ende blieben angesichts des Aufwands, der bei der Erstellung der Reportage gemacht wurde, seltsamerweise zahlreiche Fragen offen.  

"Breit informieren" – aber welche Info stimmt nun? 

"Wer eine Wärmepumpe einbauen möchte, sollte sich breit informieren, damit die Rechnung am Ende aufgeht", stellte Hiller am Ende des ersten Teils der Reportage, die sich mit der Wärmepumpe beschäftigte, fest. Doch das hatte er selbst ja in den Minuten zuvor ja getan, und dabei kein zufriedenstellendes Ergebnis erhalten.

Zunächst hatte er eine Energieberaterin bei ihrem Besuch in einem Haus älteren Baujahrs begleitet, die mit dem Eigentümer Möglichkeiten der energetischen Sanierung und des Einbaus einer Wärmepumpe sondierte. Einiges an Dämmung – unter anderem auch im Keller – und der Austausch so gut wie aller Heizkörper sei nötig, letzteres aufgrund der niedrigeren Vorlauftemperaturen. Kosten: etwa 42.000 Euro, abzüglich möglicher Förderungen.

Wenig später suchte ein Elektriker dasselbe Haus auf, erklärte, dass nur wenig Dämmung nötig sei, wahrscheinlich sogar die alten Heizkörper drin bleiben könnten, die Wärmepumpe auch in den Keller könne, wenn dazu noch eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach des Hauses komme, die sozusagen kostenlosen Strom für die Wärmepumpe bereitstelle. Kosten: 38.000, abzüglich möglicher Förderungen.  

Die Frage, die im Raum stand: Wer hat jetzt recht? Energieberaterin oder Elektriker? Hiller besuchte dafür das Fraunhofer-Institut in Freiburg, in dem zu Wärmepumpen geforscht wird. Dort habe man festgestellt, "dass Wärmepumpen auch in Bestandsgebäuden gute Effizienz erreichen können, auch manchmal sogar ohne Sanierung. Natürlich ist es immer besser, zuerst zu sanieren, aber, wenn man es nicht kann oder gerade nicht dazu in der Lage ist, ist es trotzdem sinnvoll, eine Wärmepumpe zu installieren." Was sollte der Zuschauer mit solchen Aussagen angesichts von Investitionen von mehreren Zehntausend Euro anfangen? Wird man auf dieser Basis wirklich das Parkett rausreißen und eine Fußbodenheizung installieren? 

Keine konkreten Kosten genannt 

So geschah es nämlich in einem anderen Haus, das Hiller besuchte. Dort führte ihn die Architektin herum, und es zeigte sich, welchen Umfang Sanierungsprojekte bekommen können, wenn man wirklich grundlegend herangeht – mit Dämmung, Fußbodenheizung und so weiter. "Viel Geld" koste das, sagte die Architektin wenig überraschend, und flüchtete sich dann in die Aussage, dass es darauf ankomme, "wie man es rechnet".

"Das Dach musste eh neu, es ist alt, die Fenster mussten eh neu, sie sind alt", sagte sie und meinte damit, dass diese Kosten ohnehin entstanden wären. Und selbst wenn sich das alles erst nach 20 oder 25 Jahren amortisiere, sei die Frage, ob die Familie dann mit alten Fenstern weitergelebt und mehr Geld für Gas oder Öl gezahlt hätte.

Auch hier also: wenig Konkretes, keine genaueren Umstände zum Einzelfall, aber das Gefühl, dass hier viel Geld auf einer eher unsicheren Entscheidungsbasis ausgegeben wird. 

Balkonkraftwerk: Eher ein Hobby 

Beim eingangs angeschnittenen Thema Photovoltaik schwankte die Reportage zwischen zwei Extremen. Es wurden Hausbesitzer gezeigt, die sich auf das Dach und in den Keller professionelle Anlagen haben bauen lassen. Oben die Module, unten Speicher, Wechselrichter – und alles per App kontrollierbar. Deren Motivation ist oftmals – und so auch in dieser Reportage – die Autarkie in Sachen Energie. Zumindest wenn die Sonne scheint, dürfte dieses Ziel mit entsprechendem Investment durchaus zu erreichen sein, auch wenn es leider erneut keine genauen Zahlen zu den Kosten gab.

Auf der anderen Seite begleitete Hiller Menschen, die an der Fassade oder gar auf dem Balkon Solarmodule anbringen, um sich ein Stückchen unabhängiger von den Strompreisen zu machen – und den Aussagen zufolge auch, um einen Teil zur Energiewende beizutragen. Das ist natürlich eine Motivation, die angesichts des Umstands, dass jene Energiewende mittlerweile nicht nur von deren Kritikern als einigermaßen verkorkst angesehen wird, nicht jeder Bundesbürger in sich spüren dürfte.

Jedenfalls kam es nur zu näherungsweisen Rechnungen, wonach ein Solarmodul etwa die Hälfte des Stromverbrauchs in der Wohnung einsparen könne. Das dürfte in der Praxis jedoch noch von Ausrichtung und vor allem vom Sonnenschein abhängen. Wie sinnvoll all das ist – auch hier gab es keine klaren Aussagen, die Tendenz ging aber wohl eher zu Liebhaberei und Hobby als zum professionellen Einsatz solcher "Balkonkraftwerke".  

Schließlich beschäftigte sich die Reportage noch mit dem Thema Holzpellets und klopfte diese auf ihre Klimaverträglichkeit und Nachhaltigkeit ab. Fazit: Pellets sind eher keine ökologische Energiequelle, weil dafür nicht nur Totholz, sondern auch noch lebende Bäume gefällt würden, und auch das Herausnehmen von Totholz als Biomasse "Raubbau" am Wald sei.

Schließlich unterlief Hiller noch der Fehler, der so vielen Journalisten unterläuft, als er die Lobby-Organisation Greenpeace quasi als unabhängigen Experten zu Wort kommen ließ. Deren Vertreterin sprach sich denn auch gegen Pellets aus, unter anderem weil beim Verbrennen von Holz CO2 freigesetzt werde, das der Baum zuvor der Luft entnommen habe. Also auch hier: letztlich keine konkreten Aussagen zur Verwendung von Pellets in konkreten Fällen, etwa wenn Holz für Möbel verwendet wird und bei der Verarbeitung Reste übrig bleiben – was durchaus passiert. 

Kaum Infos für die breite Masse 

Am Ende blieb dem Zuschauer nur, sich in Sachen Energie und Heizen auf die eigene Urteilsfähigkeit zu verlassen und selbst mit Experten zu sprechen, um in der ganz konkreten eigenen Situation entscheiden zu können. Ratgeber-Reportagen wie die des NDR können für einen groben Überblick zur Thematik ganz interessant sein. Doch die journalistische Neigung, immer nur besondere Fälle auszugraben und weniger darauf zu schauen, was die breite Masse – die vielleicht einfach nur eine funktionierende Heizung und günstigen Strom, aber daraus keine Wissenschaft und auch keine moralische Lebenseinstellung machen möchte – interessiert, führte auch in diesem Fall dazu, dass sich der Erkenntnisgewinn leider in Grenzen hielt. 

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