Umfrage im Gebäudereiniger-Handwerk Gebäudereiniger kündigen, weil Bürgergeld steigt

Die Regierung erhöht das Bürgergeld. Reinigungskräfte entscheiden sich deshalb laut einer Umfrage, ihren Job zu kündigen. Dabei sind die Löhne in der Gebäudereinigung nicht mal die niedrigsten.

Rund eine halbe Million Beschäftigte im Gebäudereiniger-Handwerk arbeiten laut IG BAU zum Branchenmindestlohn von derzeit 13 Euro. - © Ratchapon - stock.adobe.com

Nach einer brancheninternen Umfrage registriert der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks erste negative Auswirkungen der angekündigten Bürgergelderhöhung. "Dass das neue Bürgergeld in sieben von zehn Betrieben des beschäftigungsstärksten Handwerks in Deutschland die Personalnot verschärft, sollte die Politik dringend alarmieren", kommentierte Thomas Dietrich, Präsident des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks, die Ergebnisse einer Umfrage seines Verbandes unter 2.500 Mitgliedsbetrieben gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Mehr Beschäftigte wollen wegen Bürgergeld kündigen

Wie die Zeitung berichtet, gaben 28,4 Prozent der befragten Unternehmen an, dass bei ihnen bereits "mehrere Beschäftigte mit konkretem Verweis auf das Bürgergeld gekündigt oder eine Kündigung in Aussicht gestellt haben". Weitere rund 40 Prozent bestätigten diese Tendenz. Sie sprachen allerdings noch von Einzelfällen. Bei den Übrigen sind noch keine negativen Auswirkungen des Bürgergeldes auf die Personalsituation erkennbar.

Große Besorgnis bei den Unternehmen

Darüber hinaus wurden die Unternehmen gefragt, wie groß ihre Sorge sei, dass das Bürgergeld zunehmend in Konkurrenz zum Lohnerwerb trete. Auf einer Skala von 1 bis 10 (größte Sorge) ergab die Befragung einen Wert von 8,8. Angesichts solcher Werte mahnt Dietrich die Politik. "Die Balance zwischen Fördern und Fordern sowie sozialem Ausgleich und Anreiz zur Arbeit" dürfe nicht verloren gehen. Andernfalls drohe eine gefährliche Entwicklung für den Arbeitsmarkt, die Wirtschaft und die Leistungsfähigkeit des Standorts.

Branche mit höherem tariflichem Mindestlohn

Dabei weist der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks darauf hin, dass in der Branche ein tariflicher Branchenmindestlohn von derzeit 13 Euro gilt. Er liegt damit einen Euro über dem gesetzlichen Mindestlohn – und steigt Anfang 2024 auf 13,50 Euro.

Geplante Bürgergeld-Erhöhung

Das Bürgergeld wiederum soll nach einem Beschluss der Ampel vom September 2023 zum 1. Januar 2024 nochmals um zwölf Prozent erhöht werden. Damit soll die Inflationsentwicklung schneller als bisher berücksichtigt werden. Mit der Einführung des Bürgergeldes waren die Sätze schon Anfang 2023 um zwölf Prozent angehoben worden. Zum Jahresbeginn 2024 steigt damit nach Angaben des Bundessozialministeriums der Regelsatz für einen Erwachsenen von derzeit 502 Euro auf 563 Euro. Entsprechende Erhöhungen gibt es auch für weitere im Haushalt lebende Personen.