Einigung beim Branchenmindestlohn Gebäudereiniger: Dieser Mindestlohn gilt 2022, 2023 und 2024

Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Gebäudereiniger-Handwerk haben sich auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Der Branchenmindestlohn steigt im Oktober 2022 in einem ersten Schritt auf 13 Euro. Auch Auszubildende, Fachkräfte sowie die Glas- und Fassadenreinigung erhalten eine zweistufige Lohnanpassung. Eine Übersicht.

Die Gebäudereinigung ist mit ihren bundesweit rund 700.000 Arbeitnehmern die beschäftigungsstärkste Sparte im deutschen Handwerk. Nach Information der IG Bau arbeiten 500.000 von ihnen zum Branchenmindestlohn. - © Dusan - stock.adobe.com

Die Lohnerhöhungen lägen "nah am roten Bereich", sagt Christian Kloevekorn, Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite. In der zweiten Runde einigten sich der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) und die Gewerkschaft IG Bau auf einen 27-monatigen Tarifvertrag bis Ende 2024. Die Tarifkommissionen beider Parteien haben dem Kompromiss mittlerweile zugestimmt. Er soll allgemeinverbindlich für alle Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk gelten.

Der Branchenmindestlohn (Lohngruppe 1/Einstiegslohn) steigt demnach in zwei Stufen. Im ersten Schritt klettert der Mindestlohn zum 1. Oktober 2022 von derzeit 11,55 Euro auf 13 Euro, was einem Plus von 12,55 Prozent entspricht. Eine zweite Erhöhung um 3,85 Prozent erfolgt zum 1. Januar 2024 auf 13,50 Euro.

Der zweite Branchenmindestlohn, der für Fachkräfte sowie für die Glas- und Fassadenreinigung (Lohngruppe 6) gilt, steigt zum 1. Oktober 2022 von derzeit 14,81 Euro auf 16,20 Euro (9,39 Prozent) und zum 1. Januar 2024 auf 16,70 Euro (3,09 Prozent). Die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich bis Laufzeitende im Jahr 2024 je nach Lehrjahr auf 900, 1.035 und 1.200 Euro.

Neuer Branchenmindestlohn: "Sinnvoller Kompromiss"

"Unterm Strich ist das Tarifergebnis herausfordernd für die Unternehmen, aber mit Blick auf Planbarkeit und Personalgewinnung ein sinnvoller Kompromiss", so Christian Kloevekorn.

Die IG Bau freut sich, dass Reinigungskräfte auch weiterhin deutlich mehr als den gesetzlichen Mindestlohn erhalten. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie sehr es auf die oft unsichtbare Arbeit der Reinigungskräfte ankommt. "Es ist wichtig, dass die Beschäftigten für ihren anspruchsvollen Job mehr bekommen als nur den gesetzlichen Mindestlohn", so Bundesvorstandsmitglied Ulrike Laux.

Hintergrund: Darum forderte die IG Bau Neuverhandlungen

Wer im Gebäudereiniger-Handwerk in Lohngruppe 1 eingruppiert ist, erhält derzeit einen Branchenmindestlohn in Höhe von 11,55 Euro brutto pro Stunde. Für den 1. Januar 2023 vereinbarten die Gewerkschaft IG Bau und der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) im November 2020 eine Erhöhung auf zwölf Euro. Was sie damals noch nicht wissen konnten, inzwischen aber gesichert scheint: die Bundesregierung wird den gesetzlichen Mindestlohn im Oktober 2022 auf zwölf Euro anheben. Die gesetzliche Lohnuntergrenze würde damit den Branchenmindestlohn überholen und auch im Gebäudereiniger-Handwerk gelten.

Unter dem Motto "Wir schwitzen nicht für Mindestlohn" forderte die IG Bau deshalb vorzeitige Neuverhandlungen. Es brauche auch weiterhin einen spürbaren Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn, damit Beschäftigte nicht aus der Branche abwandern, so die Gewerkschaft. Sie forderte einen Mindeststundenlohn von 13,73 Euro für die Gebäudereiniger-Branche – eine Steigerung um rund 19 Prozent.

Mindestlohn im Gebäudereiniger-Handwerk: Das war das erste Angebot der Arbeitgeber

Die Arbeitgeber stimmten zu, mit der Gewerkschaft in vorzeitige Gespräche einzutreten. In einer ersten Verhandlungsrunde am 23. Mai boten sie einen Stundenlohn von 12,50 Euro. Ab 2024 könnte es zudem eine weitere Erhöhung um 25 Cent geben. Die Gewerkschaft lehnte den Vorschlag angesichts der stark steigenden Lebenshaltungskosten als "viel zu gering" ab.

Der Bundesinnungsverband der Gebäudereiniger verwies auf die zahlreichen Belastungen, denen die Betriebe wie auch ihre Auftraggeber ausgesetzt seien: Krieg in Europa, Lieferkettenengpässe, steigende Energiepreise, demografischer Wandel, Unsicherheiten durch die Pandemie.

So geht es jetzt weiter

Nachdem die Tarifkommissionen beider Parteien inzwischen grünes Licht für die erzielte Einigung gegeben haben, muss das Bundesarbeitsministerium den Mindestlohn für das Gebäudereiniger-Handwerk abschließend nur noch für allgemeinverbindlich erklären.

Das sieht der neue Mindestlohn-Tarifvertrag vor

Mindestlohn im Gebäudereiniger-Handwerk (Mindestlohn-Tarifvertrag)

Seit Januar 2022Ab Oktober 2022 Ab Januar 2024
Lohngruppe 111,55 Euro 13,00 Euro 13,50 Euro
Lohngruppe 614,81 Euro 16,20 Euro 16,70 Euro

Bei den Lohngruppen 1 und 6 handelt es sich um Mindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz. Sie sind im Mindestlohn-Tarifvertrag geregelt. Sobald sie vom Bundesarbeitsministerium für allgemeinverbindlich erklärt werden, gelten die Branchenmindestlöhne auch für nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer, einschließlich der nach Deutschland entsandten Beschäftigten von Arbeitgebern im Gebäudereiniger-Handwerk mit Sitz im Ausland. Er gilt dann als gesetzlicher Branchenmindestlohn zwingend für alle Betriebe des Gebäudereiniger-Handwerks – unabhängig von einer Mitgliedschaft in Verbänden oder Gewerkschaften. Der Anspruch auf den Mindestlohn der Lohngruppe 1 stünde somit auch den Arbeitnehmern mindestens zu, die gemäß des Rahmentarifvertrags Gebäudereinigung in der jeweils gültigen Fassung aufgrund ihrer Tätigkeiten in die Lohngruppen 2, 3 oder 4 (Lohngruppe 5 entfallen), der Anspruch auf den Mindestlohn der Lohngruppe 6 auch denjenigen Arbeitnehmern, die gemäß Rahmentarifvertrag Gebäudereinigung in der jeweils gültigen Fassung aufgrund ihrer Tätigkeiten in die Lohngruppen 7 oder höher, einzugruppieren sind.