Handwerkliche Herstellung Dieses Eis weckt Kindheitserinnerungen

Schon als Jugendlicher verkaufte Uwe Weigelt Eis im Laden seines Vaters. Heute gehört er zu den wenigen Eismachern, die das Eis noch handwerklich herstellen. Für besondere Eis-Kunstwerke sorgt seine Frau Anke.

Anke und Uwe Weigelt präsentieren eine Eistorte.
Uwe Weigelt mit seiner Frau Anke bei der Zubereitung einer für sie eher schlichten Eistorte. Die Food-Artistin und mehrfache Siegerin der Olympiade der Köche ist darauf spezialisiert, aus Lebensmitteln Kunstwerke zu kreieren. Zu sehen gibt es diese auch auf der Eisheimisch-Webseite, auf Facebook und bei Instagram. - © HWK Halle/ Yvonne Bachmann

Wer hat sie nicht, Kindheitserinnerungen an die Eisdiele. Glückliche, unbeschwerte Sommermomente in der Stadt oder am Strand, ein kühles Soft-, Kugel- oder Wassereis in der Hand, oder sogar einen Eisbecher mit großer Waffel. Und die meisten Menschen werden sagen: So gut wie damals schmeckt das Eis heute nicht mehr. Denn auch in die Eis-Branche ist die Industrie eingezogen und hat das Eis zum Fertigprodukt gemacht, das mit Pulver angemischt werden kann.

Natürliche Zutaten statt künstlicher Aromen

Für Uwe Weigelt kommt das nicht in Frage. In seinem Eiscafé "Eisheimisch" in Merseburg wird das Eis noch selbst hergestellt. "Laut einer Studie machen 75 Prozent der Eisverkäufer ihr Eis nicht selbst", sagt Uwe Weigelt. Der Unternehmer setzt aber nach wie vor auf Handarbeit und zusätzlich auf diverse Qualitätsstandards. So kommen bei ihm natürliche Zutaten statt künstlichen Aromen zum Einsatz, und alles, was aus regionaler Herstellung und regionalem Anbau erhältlich ist, wird beim Kleinhändler bestellt und zur Verarbeitung genutzt. Auch Bioprodukte kommen zum Einsatz. Um umweltschonend zu arbeiten, wird unter anderem der Einsatz von Plastik vermieden, soweit es machbar ist.

Jeden Tag 18 Sorten Eis

Uwe Weigelt und sein Team bieten ihren Gästen jeden Tag 18 selbst gemachte Eissorten an. Insgesamt gibt es sogar 24, aber das Tagesangebot variiert. Und welche Sorten sind am beliebtesten? "Vanille, gefolgt von Schoko", verrät Uwe Weigelt. "Auch Mango und Sauerkirsch werden gern gegessen. Bestimmte Nusseis-Sorten, wie etwa Pistazie, sind hingegen eher ein Randprodukt." Gerade arbeitet der Eis-Profi an einer neuen Sorte: Zaubereis soll es werden, in Anlehnung an die bekannten Merseburger Zaubersprüche, Beschwörungsformeln aus einer Zeit, in der die Menschen noch auf die Kraft ihrer Worte und an Götter glaubten. Wie das Zaubereis aussehen und schmecken wird, ist aber noch ein Geheimnis.

Milch, Schokolade, Joghurt und Frucht

Und wie entsteht das selbst gemachte Eis? Vier verschiedene Grundmassen werden bei Uwe Weigelt hergestellt: Milch, Schokolade, Joghurt und Frucht. Anschließend werden sie individuell mit Rohstoffen versetzt, vermengt und kommen dann für fünf bis zehn Minuten in die Eismaschine. "Unsere Eismaschine gibt das fertige Eis bei minus 16 Grad aus. Es ist tiefer gefroren als anderswo, hat eine gute Konsistenz und schmilzt nicht so schnell", erklärt Uwe Weigelt. Bei ihm komme es danach für mindestens 24 Stunden in die Kühlung und erst dann in den Verkauf. Es schmecke dann einfach besser. Auch die Toppings für das Eis werden selbst und ohne Chemie hergestellt. Die Kunden wundern sich, weshalb zum Beispiel ein Kiwi-Topping nicht grellgrün aussieht.

An seinen Rezepturen tüftelt Uwe Weigelt perfektionistisch. "Ich will Eis herstellen wie früher. Ich arbeite zum Beispiel mit fünf Zuckersorten und schaue, wie sich das Mundgefühl verändert. Nicht jeder Zucker funktioniert mit jeder Eissorte." Am Ende müsse es krachen. Es müsse perfekt sein.

Zulassungsfreies Gewerbe

Eis war schon immer ein Teil von Uwe Weigelts Leben. Schon sein Vater hatte ein Eisgeschäft in Merseburg. "Zu DDR-Zeiten musste man einen Eisschein besitzen. Man besuchte einen Lehrgang, es gab eine Prüfung und eine Urkunde. Heute kann jeder Eis herstellen", so Uwe Weigelt. Tatsächlich ist der Speiseeishersteller ein handwerksähnliches Gewerbe, das zulassungsfrei ist und keinen Meistertitel voraussetzt.

Weiterbildungs-Junkie

Im Eisgeschäft des Vaters verdiente sich Uwe Weigelt Geld für ein eigenes Motorrad. Nach einer Koch-Lehre im DDR-Prestige-Hotel Panorama in Obersdorf und einem Jahr beim Virtuosen in Coburg, stieg er in das Gastro-Geschäft seines Vaters ein, bevor er sich 1995 ebenfalls in der Gastronomie selbstständig machte. Bis heute ist Uwe Weigelt, der sich selbst einen Weiterbildungs-Junkie nennt, der Branche treu geblieben und entwickelt immer wieder neue Geschäftsideen. Mit seinem Ringhotel Jägerhof in Weißenfels und dem Eiscafé "Eisheimisch" im historischen Merseburger Ständehaus richtet er Veranstaltungen für bis zu 3.000 Leute aus und geht darin komplett auf. Unterstützt wird er von seinem Team, das ihm zu einem großen Teil schon seit vielen Jahren treu ist und das einen echt guten Job mache. Auch Nachwuchsförderung sei für ihn ein Muss, sagt der Unternehmer: "Wir haben bestimmt schon 100 Lehrlinge ausgebildet", berichtet der Geschäftsführer.

Preisgekrönte Food-Artistin

Zum Team gehört auch Uwe Weigelts Frau Anke. Die gelernte Goldschmiedin und international preisgekrönte Food-Artistin hat ein kreatives Händchen und zaubert für die Kunden besondere Eistorten für jeden Anlass. Über ihren Mann sagt sie: "Er braucht immer neue Herausforderungen".

Das zeigt sich auch am Eiscafé. Das plante Uwe Weigelt über Jahre. Als die gewünschten Räumlichkeiten 2021 verfügbar waren, befand sich die Welt mitten in der Pandemie. Uwe Weigelt wagte es trotzdem und wurde als Geschäftsführer seines Hotels (oder der Weißenfelser Gastronomie & Hotel GmbH?) im gleichen Jahr sogar Unternehmer des Jahres im Burgenlandkreis.

Sein Eiscafé, das sich in Schloss- und Domnähe befindet, öffnet sieben Tage die Woche und bietet im Innen- und Außenbereich je 80 Sitzplätze. Neben dem Straßeneisverkauf gibt es Eisschalen, selbst gemachten Kuchen nach alten Hausfrauen-Rezepten und Herzhaftes wie Flammkuchen und Pizza. Unter den Besuchern ist übrigens auch hin und wieder ein Eismacher der alten Schule. Denn Uwe Weigelts Vater lebt noch und testet hier und da mal die neuen Kreationen seines Sohnes.