Hier ein Angebotsschreiben, dort eine Stellenausschreibung: Arbeiten wie diese können in Handwerksbetrieben viel Zeit in Anspruch nehmen. ChatGPT könnte Abhilfe schaffen. Digitalisierungsexperte Robert Falkenstein warnt jedoch vor einem allzu sorglosen Umgang mit der KI.

Kaum eine Software verbreitete sich bisher so schnell wie ChatGPT. Die Künstliche Intelligenz aus dem Hause OpenAI könnte die Arbeitswelt nachhaltig verändern. Einige befürchten einen Wandel wie zur Zeit der Industrialisierung mit einhergehender Massenarbeitslosigkeit.
Robert Falkenstein sieht die Entwicklung nüchterner – zumindest was das Handwerk angeht. Der Projektleiter beim Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk in Bayreuth warnt vor einem unbedachtem Einsatz der KI und verrät, wo ChatGPT das Handwerk zwar nicht revolutionieren, aber dennoch sinnvoll unterstützen kann.
Interview: "Für die meisten Betriebe ist es ausreichend, mit Vorlagen zu arbeiten"
OpenAI hat mit ChatGPT-4 eine kostenpflichtige Version seines erfolgreichen Chatbots veröffentlicht. Was unterscheidet ihn von seinem kostenlosen Vorgänger?
Robert Falkenstein: Die größte Neuerung ist, dass die Künstliche Intelligenz den Menschen besser versteht. Das Modell ist dahingehend trainiert, Texteingaben besser zu verstehen. Die KI denkt mehr mit, ist dadurch aber auch langsamer.
Raten Sie Handwerksbetrieben dazu, mit der KI zu experimentieren?
Das Hauptproblem an Technologien ist, dass man sich auf sie einlassen muss. Die KI nimmt einem die Kreativität nicht ab, wenn man nicht weiß, was man eingeben soll. Für ChatGPT-4 müssen monatlich zudem um die 20 Euro bezahlt werden. Betriebe müssen sich also gut überlegen, ob es sich für sie lohnt. Für die meisten dürfte es ausreichend sein, mit klassischen Vorlagen zu arbeiten.
Nehmen wir als Beispiel eine Bäckerei. Wie könnte ChatGPT dort eingesetzt werden?
Für eine Bäckerei könnten zum Beispiel Umsatz- und Bedarfsanalysen erstellt werden. Generell ist es bei der Nutzung der Software aber wichtig, keine Kundendaten oder Geschäftsgeheimnisse preiszugeben. Alles, was man der Software mitteilt, landet in einer Cloud. Das führt zu Datenschutzproblemen. Innerbetrieblich ist es ratsam, konkret eine Person zu benennen, die KI- oder Digitalisierungsbeauftragter wird.

Gerade rechtlich ist noch vieles ungeklärt. Auch einige Funktionen sind noch nicht ausgereift. Ist es für einen Einsatz von ChatGPT im geschäftlichen Kontext noch zu früh?
Auf lange Sicht werden die Betriebe überleben, die sich modernen Technologien nicht verschließen. Betriebe sollten – unabhängig von ChatGPT – digitale Angebote ins Auge fassen, die auf ihre eigenen Bedürfnisse passen. ChatGPT allein wird das Handwerk nicht modernisieren, weil als Problem immer die Betriebsintegration bleiben wird. Hinzu kommen die erwähnten datenschutzrechtlichen Bedenken. Die Software lügt teilweise auch, um eine Antwort liefern zu können. Es braucht also immer auch Personen, die Antworten prüft. Dennoch sollten Betriebsinhaber die Entwicklung der Software weiterverfolgen und den Moment abpassen, an dem sie wirklich sinnvoll im Betrieb eingesetzt werden kann.
Welche Gefahren sehen Sie außerdem durch ChatGPT?
Die Software könnte mit Ideologien angereichert werden, die diskriminierend gegenüber bestimmten Menschengruppen sind. Als Nutzer geht man erst einmal davon aus, dass die Software einem vorurteilsfrei begegnet. Auf Reddit gibt es Anleitungen dazu, wie man die Moral der KI aushebeln kann. Hier ist der Hersteller in der Verantwortung, entsprechend zu handeln, damit so etwas nicht passiert.
Inwieweit kann die ChatGPT bei Übersetzungsarbeiten unterstützen?
Bei Übersetzungen ist die KI super und auch einfach im Workflow. Man kann sich Texte zeitgleich in mehrere Sprachen übersetzen lassen. Ein weiteres Handlungsfeld sehe ich bei Übersetzungen zum Beispiel auf dem Bau, wenn Handwerker aus unterschiedlichen Ländern aufeinandertreffen und sich austauschen müssen.
Ist es eine Generationenfrage, wie digitalaffin Handwerker sind?
Die meisten Anfragen haben wir tatsächlich von jungen Chefs, die gerade einen Betrieb übernehmen und diesen digitalisieren möchten. Mit dem Wunsch nach einem "papierlosen Büro" fängt es meistens an.
Gibt es bestimmte Gewerke, die besonders digital unterwegs sind?
Wer dazu praktisch gezwungen wird, sind SHKler und Elektrobetriebe. Aber es gibt auch Personen aus dem Lebensmittelhandwerk und auf dem Bau, die sehr digital unterwegs sind. Ich sehe allerdings keinen allgemeinen Trend, welches Handwerk besonders digitalaffin ist.