Zahl der Baugenehmigungen sinkt Dem Wohnungsmarkt steht eine düstere Zukunft bevor

Die Lage ist besorgniserregend: Baubranche und Wohnungswirtschaft sehen eine "Verkettung historisch schlechter Baubedingungen" und fordern mehr staatliche Hilfen. Neubauziele drohen dramatisch verfehlt zu werden.

Es braucht dringend neue Wohnungen. Doch die Zahl der Baugenehmigungen ist rückläufig, genehmigte Projekte werden storniert. - © myfoto7 - stock.adobe.com

Die Baubranche fordert angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt und rückläufiger Auftragszahlen mehr Unterstützung von der Politik. "In der Wohnungsbauförderung braucht es jetzt eine ambitionierte und mittelfristig verlässliche Politik mit Augenmaß", fordert der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Baugewerbes, Felix Pakleppa. Andernfalls würden in diesem Jahr statt der jährlich benötigten 400.000 Wohnungen nicht einmal 250.000 Wohnungen gebaut. Auch der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW) warnt vor einem Einbruch im Wohnungsbau und fordert mehr staatliche Hilfen.

Anhaltend negative Entwicklung bei den Baugenehmigungen

Die anhaltend negative Entwicklung bei den Baugenehmigungen ist nach Einschätzung Pakleppas ein ernstzunehmendes Warnzeichen für den Wohnungsbau. Allein im November 2022 sei die Zahl der genehmigten Wohnungen nach Angaben des Statischen Bundesamtes um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat auf 24.300 Wohnungen zurückgegangen. Insgesamt seien zwischen Januar und November 2022 mit rund 321.800 Wohnungen sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum genehmigt worden.

Genehmigte Bauprojekte werden storniert

Darüber hinaus werden nach den Worten Pakleppas immer mehr genehmigte Projekte storniert. "Wegen steigende Preise, hoher Bauzinsen und einer veränderten Förderpolitik verschieben Bauherren ihre Projekte auf ungewisse Zeit oder werfen ganz das Handtuch", betont er. "Irgendwann könnten Deutschland die Wohnungen ausgehen", warnt Pakleppa auch mit Blick auf eine Nettozuwanderung von rund drei Millionen Menschen seit 2015.

Baugewerbe: Förderung vom EH-40-Standard abkoppeln

Sowohl beim Mietwohnungsbau als auch beim sozialen Wohnungsbau muss die Förderung nach Ansicht Pakleppas vom EH-40-Standard abgekoppelt werden. Mehr Planbarkeit würde Bauwilligen auch die Senkung der Grunderwerbssteuer bieten sowie eine Ausweitung der Sonderabschreibungen im sozialen Wohnungsbau auf zehn Prozent. Außerdem sei für private Häuslebauer eine Nachfolgeregelung für das Baukindergeld dringend notwendig, forderte er. Hier hat Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) zuletzt eine Förderung von 350 Millionen Euro in diesem Jahr für Familien mit einem zu versteuernden Haushaltseinkommen von 60.000 Euro plus 10.000 für jedes minderjährige Kind angekündigt. 

Wohnungswirtschaft stellt geplante Wohnungen zurück

Wie angespannt die Lage ist, unterstreicht auch eine Umfrage des  GdW unter seinen Mitgliedsunternehmen. Rund ein Drittel der geplanten bezahlbaren Wohnungen in Deutschland wird 2023 und 2024 nicht gebaut werden könnten", teilt der Verband mit. Dabei geben 64 Prozent der befragten Unternehmen die nicht verlässliche und 62 Prozent eine unzureichende Förderung der Bundesregierung als Ursache an. Mehr als drei Viertel nennen auch die gestiegenen Material- und Finanzierungskosten. Darüber hinaus spielten eine fehlende Bau- und Handwerkerkapazitäten sowie Materialengpässe eine Rolle. "Eine Verkettung von historisch schlechten Baubedingungen und eklatante Fehler der Regierung lassen den bezahlbaren Wohnungsbau aktuell dramatisch einbrechen", erklärte GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Rückgang auch bei geplanten Modernisierungsvorhaben

Die Verbandsunternehmen planten für 2023 und 2024 ursprünglich rund 61.000 Wohnungen. Davon würden knapp 20.000 weniger errichtet. Ähnlich schlecht seien die Aussichten im sozialen Wohnungsbau. Dort würden statt 20.000 neuen Sozialwohnungen nur rund 15.800  gebaut. Eine dramatische Lage zeichne sich zudem bei den Modernisierungsvorhaben ab. Rund ein Fünftel der Maßnahmen werden die GdW-Unternehmen nicht umsetzen können. Von ursprünglich 272.000 Wohnungen würden rund 53.000 weniger erneuert werden können. "Nicht nur die Wohnungsbauziele, sondern auch die Klimaziele werden zunehmend unerreichbar", warnt Gedaschko.