Das Baugewerbe blickt schweren Zeiten entgegen und fordert endlich mehr Klarheit über die Förderkulisse im nächsten Jahr. Was derzeit in Aussicht gestellt ist, sei deutlich zu wenig.

Die Neuausrichtung der Neubauförderung lässt auf sich warten. "Die Neubauförderung startet im ersten Halbjahr 2023", sagte eine Sprecherin des Bundesbauministeriums auf Anfrage. Die genauen Förderbedingungen würden zurzeit erarbeitet. Ursprünglich sollte die neue Förderkulisse schon Anfang des Jahres 2023 stehen.
Wie die Sprecherin weiter sagte, soll die neue Neubauförderung nahtlos an die alte Neubauförderung anschließen. Für die kommende Neubauförderung sind 1,1 Milliarden Euro vorgesehen. Im vergangenen Jahr war es deutlich mehr.
Mehr Fördermittel für Wohnungsneubau gefordert
Die Bauwirtschaft zeigt sich angesichts der zunehmend schwierigen konjunkturellen Lage verärgert und fordert mehr Klarheit in der Förderpolitik – sowie mehr Geld. "Hier muss massiv aufgestockt und das Baukindergeld verlängert oder eine vergleichbare Regelung gefunden werden", fordert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes. Andernfalls werde man beim notwendigen Wohnungsneubau einen noch größeren Einbruch sehen.
Aufträge gehen spürbar zurück - Bauherren verunsichert
Schon jetzt verzeichnet das Bauhauptgewerbe nach eigenen Angaben einen starken Rückgang der Auftragseingänge. So sei der reale Auftragseingang im September um 22,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen. Bauherren seien zunehmend durch eine "toxische Mischung" aus Energiepreisen, Inflation und Zinskosten verunsichert, betonte Pakleppa.
Hinzu kommt, dass die Neubauförderung in diesem Jahr deutlich verschärft wurde. Geld gibt es derzeit nur noch für den Neubau mit Standard EH 40 Nachhaltigkeit. Dabei bedeutet EH 40, dass ein solches Gebäude nur 40 Prozent des Primärenergiebedarfs des Standard-Neubaus verbrauchen darf. Auch das Qualitätssiegel für nachhaltiges Bauen mit entsprechenden Anforderungen an nachhaltige Baumaterialien wird Auswirkungen zeigen. Wie der ZDB erklärt, haben sich mit der Verschärfung der Förderung auf EH 40 Standard auch die Baukosten um rund 30.000 Euro für ein normales Einfamilienhaus erhöht.
Geywitz ab Januar für Neubauförderung zuständig
Zuständig für die Neubauförderung ist ab dem neuen Jahr Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD). Die weitaus höher dotierte Sanierungsförderung bleibt weiter im Ressort des Ministers für Wirtschaft und Klimaschutz. Wie Geywitz jüngst beim Baugewerbetag sagte, will sie im Neubau auf eine veränderte Förderpolitik setzen. "Wir müssen im Bereich der Gebäude den gesamten Lebenszyklus in den Blick nehmen", sagte sie. So solle bei der Neubauförderung künftig nicht nur den Primärenergiebedarf - also den Energiebedarf für die Nutzung von Heizung, Warmwasser, Lüften und Kühlen, eines Hauses betrachtet werden, sondern auch die Nachhaltigkeit der Baumaterialien in den Blick genommen werden.