Explodierende Kosten und fehlende Materialien drücken auf die Stimmung in der Bauwirtschaft. Die aktuelle Notlage beim Gas könnte aber auch neue Chancen für die Branche bieten.

Corona-Pandemie und Krieg in der Ukraine – in den 2020er-Jahren folgt bislang eine Krise auf die nächste. Sorgenvoll blickt deshalb auch die Bauwirtschaft auf ihre aktuelle Situation und erwartet keine Entspannung. Das zeigen die Ergebnisse der Jahresanalyse 2022/23 von Bau Info Consult. Der Marktforschungsspezialist hat in Telefoninterviews Einschätzungen von mehr als 600 Bauunternehmern, Dachdeckern, Zimmerern, Malern, Trockenbauern, SHK-Installateuren und Architekten eingeholt und sie nach den wichtigsten Trends für die Branche gefragt.
Die Aussagen sind von Problemen und nicht gedeckten Bedarfen bestimmt. An die oberste Stelle rücken die erhöhten Materialpreise, während das Thema in der Befragung des vergangenen Jahres noch nicht unter den Top-3-Trends zu finden war. Zwar zogen die Preise für viele Baustoffe schon im Vorjahr an, aber der Ukraine-Krieg und seine Folgen haben die Preisdynamik noch beschleunigt. Die Mehrkosten können jedoch nicht ohne Weiteres an die Auftraggeber weitergeben werden, so dass die Befragten über sinkende Gewinnmargen klagen.
Materialmangel und Lieferengpässe belasten
Die zweite große Belastung der am Bau Beteiligten sind der Materialmangel und Lieferengpässe, die ebenfalls mit den genannten Krisen in Verbindung stehen. Beide Trends zusammengenommen führen schließlich zu deutlich steigenden Baukosten und damit Platz 3 unter den Top-Trends für 2022/23. Die Preise sind zwar zuletzt nochmals deutlich gestiegen, allerdings ist das Thema nichts Neues für die Branche. Schon seit der Jahresanalyse 2018/2019 befindet sich dieser Trend konstant in den Top 3. Zudem treibt die Bauwirtschaft weiterhin der Fachkräftemangel um. Vor allem die spezialisierten Gewerke wie Dachdecker, Maler oder SHK-Installateure geben in der Befragung an, dass sie dies aktuell beschäftigt. So sagt jeder zweite dieser Betriebe, dass er wohl in Zukunft kein vernünftiges Fachpersonal und/oder Auszubildende finden wird.
SHK-Handwerk glaubt an Siegeszug der Luftwärmepumpe
Dauerbrenner bleiben die Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Gerade mit Blick auf die stark gestiegenen Preise für Öl und Gas dürften Einsparungen und der Verzicht auf fossile Energien an Bedeutung gewinnen, sind sich die Befragten sicher. Die Mehrheit der SHK-Installateure ist von einem Siegeszug der Luftwärmepumpe überzeugt, auch wenn es bei der Nachrüstung im Bestand einige Herausforderungen wie z.B. bauliche Beschränkungen gibt. Die Experten erwarten, dass sich die Technik weiter verbessert und mittelfristig die Investitionskosten sinken werden. Großes Potenzial wird zudem beim Ausbau der Photovoltaik auf Dachflächen gesehen. Zwei von drei Bauakteuren sehen hier für die kommenden fünf Jahre starke Wachstumschancen.

