Umfrage der Deutschen Bundesbank Auch beim Bäcker und Friseur: Bargeldlos Zahlen immer beliebter

Immer mehr Deutsche zahlen lieber mit Karte als mit Bargeld, selbst bei kleineren Beträgen. Komplett wollen die Menschen aber nicht auf Scheine und Münzen verzichten. Das wollen auch bargeldintensive Branchen wie Bäcker und Friseure nicht – doch die Banken machen es ihnen zunehmend schwer.

Bar oder mit Karte? Spätestens seit der Pandemie bieten die meisten Bäckereien beide Varianten an. - © Zoriana - stock.adobe.com

Die Liebe der Bundesbürger zum Bargeld schwindet allmählich. Vor allem in der Corona-Pandemie griffen Verbraucher beim Bezahlen häufiger zur Karte als zuvor. Eine Rückkehr zum alten Zahlungsverhalten scheint eher unwahrscheinlich. Auch in Friseursalons und Bäckereien steigt die Nachfrage nach bargeldlosem Bezahlen. Immer mehr Betriebe bieten entsprechende Bezahlmöglichkeiten an.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) schließt nicht aus, dass über kurz oder lang erste Händler keine Scheine und Münzen mehr annehmen könnten. Selbst im bargeldintensiven Bäcker- oder Friseurhandwerk spielt mancher Inhaber mit dem Gedanken. "Dies sind aber absolute Ausnahmen – sicherlich auch in der Zukunft", legt sich Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks (ZV), für seine Branche fest. Auch beim Bäckerverband glaubt man, dass Brot und Brötchen auch künftig noch in den allermeisten Betrieben bar bezahlt werden können. "Der durchschnittliche Kassenbon ist bei vielen Bäckereien gering und die Kosten für die Abwicklung des bargeldlosen Bezahlens würde den Ertrag am verkauften Produkt übersteigen", erklärt Friedemann Berg, stellvertretender Hautgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks.

Nur noch 58 Prozent der Bezahlvorgänge in bar

Nach einer Umfrage der Deutschen Bundesbank wurden im vergangenen Jahr 58 Prozent der Bezahlvorgänge für Wareneinkäufe und Dienstleistungen mit Scheinen und Münzen beglichen. Bei der letzten großen Erhebung der Notenbank im Jahr 2017 waren es noch 74 Prozent. "Das Zahlungsverhalten hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert", sagt Johannes Beermann, das für Bargeld zuständige Bundesbank-Vorstandsmitglied.

Ein Grund ist nach Einschätzung der Bundesbank die Zunahme der Einkäufe im Internet sowie die geringere Nutzung von Bargeld in der Corona-Pandemie. In der Pandemie seien viele Betriebe dazu übergegangen, auch kontaktloses Bezahlen für ihre Kunden anzubieten, bestätigt Friedemann Berg vom Bäckerverband. "Die Dienstleister haben dahingehend eine starke Nachfrage feststellen können." Bargeldloses Bezahlen ist zudem sehr viel einfacher geworden. Kunden müssen ihre Kreditkarte oder Girocard vielerorts nicht mehr in ein Lesegerät einschieben, sondern einfach nur vor das Gerät halten.

Girocard nach Bargeld zweithäufigste Bezahlmethode

Gemessen am Umsatz betrug der Bargeldanteil im vergangenen Jahr 30 Prozent. Im Jahr 2017 waren es noch 48 Prozent. Von allen erfassten Zahlungen an der Ladenkasse, in der Freizeit oder im Onlinehandel erfolgten 29 Prozent mit einer Karte, bezogen auf den Umsatz waren es 40 Prozent. Besonders beliebt waren dabei Zahlungskarten wie die Girocard. Sie war mit 23 Prozent aller Transaktionen das am zweithäufigsten verwendete Zahlungsmittel. Während der Pandemie zahlten die Menschen damit vermehrt auch kleinere Beträge.

Mobiles Bezahlen mit Smartphone, Smartwatch oder Fitnessarmband gewinnt vor allem bei jüngeren Menschen an Beliebtheit. Der Umfrage zufolge bezahlten 17 Prozent der Smartphonebesitzer damit an der Ladenkasse. Bei Besitzern einer Smartwatch oder eines Fitnessarmbandes waren es 27 Prozent. "Mobiles Bezahlen gewinnt an Bedeutung, es ist aber noch nicht in der Breite der Bevölkerung angekommen", sagt Burkhard Balz, das für Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme zuständige Bundesbank-Vorstandsmitglied.

Bereitstellung und Einzahlung von Bargeld für die Betriebe zunehmend ein Problem

Eine generelle Rückkehr zum alten Zahlungsverhalten scheint eher unwahrscheinlich. Nur elf Prozent derjenigen, die weniger bar zahlten, wollen der Umfrage zufolge nach dem Ende der Pandemie wieder mehr Scheine und Münzen nutzen. Allerdings könnten häufigere Einkäufe in Geschäften und weniger Internetbestellungen den Barzahlungsanteil der Notenbank zufolge wieder steigen lassen.

Sollte die Entwicklung anhalten, "werden wir über kurz oder lang erste Unternehmen sehen, die kein Bargeld mehr annehmen", sagte Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE). Neben der nachlassenden Nachfrage sähen sich die Unternehmen mit stetig steigenden Kosten im Bargeldhandling konfrontiert. Ein Problem, das auch Friedemann Berg mit Sorge beobachtet. Die Bereitstellung und Einzahlung von Bargeld gestalte sich für die Betriebe zunehmend schwierig. "Diese Probleme nehmen nicht ab, sondern werden noch größer, wenn sich Unternehmen aus dem Bargeldkreislauf 'verabschieden' und kein Bargeld mehr annehmen", warnt er.

Die Kosten für den Bargeldkreislauf müssten dann umverteilt und von den verbleibenden Unternehmen getragen werden, die noch Bargeld akzeptieren. Daher unterstützt der Zentralverband gemeinsam mit anderen Handwerksverbänden wie den Friseuren oder Konditoren die Initiative "Bargeld zählt". Diese hat sich zum Ziel gesetzt, die Bargeldversorgung in Deutschland zu erhalten und die Politik für das Thema zu sensibilisieren.

Grundsätzlich steht Friedemann Berg der Entwicklung zu mehr bargeldlosen Geschäften aber offen gegenüber. So unterstützt der Bäckerverband seine Betriebe beispielsweise mit einer Informationsbroschüre zum kontaktlosen Bezahlen. "Gleichzeitig stellen wir aber auch fest, dass ein großer Teil der Kunden von Handwerksbetrieben nach wie vor mit Bargeld zahlt, wohl noch auf absehbare Zeit mit Bargeld zahlen wird und erwartet wird, dass Bargeldzahlung möglich ist", so Berg.

Erhöhte Bargeldnachfrage nach mehrtägigem Ausfall von Zahlungsterminals

Eine im Mai veröffentlichte Studie des Handelsforschungsinstituts EHI kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Scheine und Münzen beim Einkaufen infolge der Pandemie eine geringere Rolle spielen. Immer häufiger griffen Kundinnen und Kunden beim Bezahlen statt zum Bargeld zur Karte. Dadurch stieg der Umsatzanteil der Kartenzahlungen im stationären Handel von 50,5 Prozent 2019 auf 58,8 Prozent im vergangenen Jahr. Am beliebtesten war dabei die Girocard.

Eine erhöhte Bargeldnachfrage stellte die Bundesbank in diesem Jahr nach dem mehrtägigen Ausfall Tausender Zahlungsterminals im Handel fest. Ende Mai hatten viele Kunden beim Einkauf nicht mehr mit Giro- oder Kreditkarten zahlen können. Betroffen waren unter anderem Filialen von Aldi Nord, Edeka oder der Edeka-Tochter Netto.

"Wir waren ehrlicherweise überrascht und natürlich nicht amüsiert über das, was da stattfand", sagt Balz. "Für uns als Bundesbank ist auch klar, dass wir diesen Fall noch sehr präzise aufarbeiten müssen." Dass etwa zehn Prozent der Kartenterminals auf einmal ausgefallen seien, sei "eine völlig inakzeptable Situation, das geht schon sehr klar in Richtung eines systemischen Risikos."

Mit Inhalten der dpa