Zahlungsverhalten Auch im Handwerk: Immer mehr Menschen zahlen mit Karte

Fast 60 Prozent der Umsätze im stationären Handel wurden 2021 mit Kartenzahlungen gemacht, zeigt eine aktuelle Studie. Ein Trend, der auch im Handwerk angekommen ist. Doch Friseur- und Bäckerhandwerk warnen davor, Bargeld als Zahlungsmittel weiter zu beschränken.

Szene in Friseursalon, Kundin legt zum Zahlen Karte auf, Nahansicht.
Im Friseurhandwerk haben Kartenzahlungen zugenommen. Ein Beschleuniger für diese Entwicklung war die Corona-Pandemie. - © Monkey Business - stock.adobe.com

Bargeld spielt beim Einkaufen in Deutschland infolge der Pandemie eine immer geringere Rolle. Im vergangenen Jahr seien im stationären Einzelhandel 38,5 Prozent der Umsätze bar bezahlt worden, berichtete das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI in einer aktuellen Studie. Vor der Pandemie – im Jahr 2019 – waren es 46,5 Prozent.

Immer häufiger griffen Kundinnen und Kunden beim Bezahlen statt zum Bargeld zur Karte. Dadurch stieg der Umsatzanteil der Kartenzahlungen im stationären Handel von 50,5 Prozent 2019 auf 58,8 Prozent im vergangenen Jahr. Am beliebtesten war dabei die Girocard, früher EC-Karte. Mehr als 42 Prozent der stationären Einzelhandelsumsätze wurden damit bezahlt. Auch Kreditkarten wurden häufiger eingesetzt.

Eine Entwicklung, die sich auch im Handwerk zeigt, etwa in Bäckereien und Friseursalons. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks berichtet nicht nur von einer steigenden Nachfrage seitens der Kunden. Gleichzeitig bieten auch immer mehr Bäckereien bargeldlose Bezahlmöglichkeiten an. "Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Hygiene-Maßnahmen haben viele Betreibe veranlasst, kontaktloses Bezahlen für ihre Kunden anzubieten", sagt Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider.

Auch in Friseursalons nehmen Kartenzahlungen zu

In Friseursalons sieht das ähnlich aus. Vor allem in der Pandemie seien Kartenzahlungen stark angestiegen, sagt Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. Gleichzeitig betont er, dass Bargeld weiterhin ein wichtiges Zahlungsmittel in den Salons sei: "Vor Corona haben täglich eine Millionen Friseurkunden mit Bargeld bezahlt", so Müller. Der Verband würde seinen Mitgliedern deshalb keine Vorgaben machen, auf welches Zahlungsmittel sie setzen sollten. "Am Ende des Tages entscheidet der Kunde, wie er bezahlen will."

Auch der Bäckerverband steht Kartenzahlungen offen gegenüber, macht sich gleichzeitig aber für das Bezahlen mit Bargeld stark. Denn im Falle der Bäckereien bliebe ohne diese Zahlungsmöglichkeit ein Grundproblem, erklärt Geschäftsführer Schneider. Zwar seien mittlerweile die Transaktions- und Handlingsgebühren der Dienstleister gesunken, was es für viele Bäckereien lukrativer gemacht habe, kontaktloses Bezahlen anzubieten. Aber: "Der durchschnittliche Kassenbon ist bei vielen Bäckereien gering und die Kosten für die Abwicklung des bargeldlosen Bezahlens würde den Ertrag am verkauften Produkt übersteigen", sagt Schneider.

Handwerksverbände machen sich fürs Bezahlen mit Bargeld stark

Doch auch bei dieser Zahlungsmethode zeigen sich im Berufsalltag Probleme. Und das, obwohl ein großer Teil der Kunden von Handwerksbetrieben nach wie vor mit Bargeld zahlt, bestätigt auch der Bäckerverband. Dort häuften sich Berichte, wonach die Bereitstellung und Einzahlung von Bargeld für die Bäckereien schwieriger und teilweise erheblich teurer werde. "Diese Probleme nehmen nicht ab, sondern werden noch größer, wenn sich Unternehmen aus dem Bargeldkreislauf 'verabschieden' und kein Bargeld mehr annehmen", sagt Schneider. In diesem Fall müssten Kosten für den Bargeldkreislauf, etwa für die Herstellung und Bereitstellung von Bargeld, umverteilt und von den verbleibenden Unternehmen getragen werden, die noch Bargeld akzeptieren.

Auch aus diesem Grund hat der Bäckerverband sich der 2020 gegründeten Initiative "Bargeld zählt!" angeschlossen. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, die Bargeldversorgung in Deutschland zu erhalten und die Politik für das Thema zu sensibilisieren. Teil davon sind auch der Friseurverband sowie weitere Verbände und Zusammenschlüsse aus dem Handwerk.

>>> In diesem PDF können Sie mehr über die Forderungen der Initiative "Bargeld zählt!" lesen

Mehr Kunden kaufen online statt im Handel

Derweil, so zeigt die Studie des EHI, verändere die Pandemie zumindest im Handel nicht nur das Bezahl-, sondern auch das Einkaufsverhalten. "Aufgrund der Kontaktbeschränkungen ging der Trend dahin, den Handel deutlich weniger aufzusuchen, dann aber erheblich mehr einzukaufen und gleichzeitig einen wesentlichen Anteil der Einkäufe außerhalb des täglichen Bedarfs online zu tätigen", berichteten die Forscher.

Die Zahl der Einkäufe schrumpfte nach Angaben der Handelsexperten binnen zwei Jahren von 20 Milliarden auf 16,6 Milliarden. Der Durchschnittsbon erhöhte sich dagegen um 16 Prozent auf 25,90 Euro. Mit Inhalten der dpa

Kontaktlose Bezahlung: Was müssen Bäckereien beachten?

Was sind die Vorteile von Kartenzahlungen? Wie funktioniert die Kontaktlos-Technologie? Für alle Bäckereien, die bargeldlose Bezahlmöglichkeiten bisher noch nicht anbieten und Fragen zur Einführung haben, bietet der Bäckerverband eine hilfreiche Broschüre zum Download an:

>>> Broschüre: Beim Bäcker kontaktlos bezahlen