Ein Orgelbauer-Azubi, der Burgerpatties formt, ein angehender Fleischerei-Fachverkäufer, der Teile für eine Orgel fertigt: Beim "Azubi-Tausch" haben sechs Auszubildende einen Tag lang in den Handwerksberuf des jeweils anderen geschnuppert. Was sie dabei erlebt haben, hat die Handwerkskammer Dresden in einer spannenden YouTube-Serie festgehalten.

Wie würde mein Arbeitsalltag aussehen, wenn ich mich für die Ausbildung in einem ganz anderen Handwerksberuf entschieden hätte? Eine Antwort auf diese Frage haben nun sechs Auszubildende erhalten. Sie waren die Protagonisten der zweiten Staffel von "An deiner Stelle! Azubi-Tausch", der YouTube-Serie zur Nachwuchsgewinnung der Handwerkskammer (Hwk) Dresden. Bereits beim Start wurden die Kandidatinnen und Kandidaten ins kalte Wasser geschmissen. Denn zuvor wusste keiner der Azubis, in welchem Beruf und Betrieb sie oder er sich einen Tag lang ausprobieren darf.
Brunnenbauer tauscht mit Raumausstatterin, Anlagenmechaniker mit Kosmetikerin
Zu Beginn erhielt jeder der Teilnehmer eine sogenannte "Tauschbox". Darin ein typischer Gegenstand, der im jeweiligen Handwerksberuf zum Einsatz kommt. In seiner Box fand Dominik Domke, künftiger Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, eine Wimpernzange.
Er durfte sich damit als Kosmetiker in einem Dresdner Naturkosmetikstudio versuchen. Dabei standen Massagetechniken und das Auftragen einer Reinigungsmaske auf dem Programm. Währenddessen reparierte Tauschpartnerin Linda Keitsch, Auszubildende zur Kosmetikerin, zum ersten Mal in ihrem Leben einen Spülkasten. Der angehende Brunnenbauer Hamoud Yasin tauschte mit der künftigen Raumausstatterin Emmi Schwarz. Während Hamoud Yasin Teppich verlegte und Vorhänge anbrachte, bewies seine Tauschpartnerin ihr Geschick an einem 25 Tonnen schweren Bohrgerät.
"Ich habe gar nicht gewusst, dass es den Beruf des Orgelbauers überhaupt gibt"
In der Fleischerei Lothar Franke in Weinböhla überließ der angehende Fleischerei-Fachverkäufer Felix Mißbach dem künftigen Orgelbauer Paul Ahrend für einen Tag Fleischmesser und Bratengabel. Er selbst probierte sich beim Fertigen einer Windlade aus Holz – dem Herzstück einer Orgel – in der Dresdner Orgelwerkstatt Kristian Wegscheider aus.
Für Felix Mißbach war die Überraschung besonders groß, als er zuvor seine "Tauschbox" geöffnet hatte und darin einen ihm unbekannten Gegenstand – nämlich eine Orgelpfeife – vorfand: "Ich habe gar nicht gewusst, dass es den Beruf des Orgelbauers überhaupt gibt", erzählt er. Umso besser habe ihm aber der Tag in der Werkstatt gefallen. Nicht nur habe ihn Chef und Handwerksmeister Kristian Wegscheider sehr detailreich in das Handwerk des Orgelbauers eingeführt, auch das Instrument an sich habe ihn beeindruckt: "Ich bin begeistert, wie viel in einer Orgel steckt", sagt der 20-Jährige.
Facettenreiches Fleischerhandwerk
Und auch Paul Ahrend, Orgelbauer-Azubi im dritten Lehrjahr, hat bei diesem Experiment viel Neues gelernt. Ihm war vorher nicht bewusst, wie viele unterschiedliche Berufe das Fleischerhandwerk zu bieten hat. Er durfte nicht nur bei der Produktion der Waren, sondern auch beim Anrichten und im Verkauf helfen. So formte er etwa Burgerpatties oder half bei der Dekoration des Kalten Buffets. "Dass der Beruf so breit aufgestellt ist, hat mir sehr gut gefallen", sagt Ahrend. Auch der viele Kontakt mit Kunden war eine neue Erfahrung für ihn. "Im Orgelbau sehen wir die Kunden höchstens bei der Montage und der Abnahme. Als Fachverkäufer in der Fleischerei hat man ständig Kundenkontakt und kriegt auch direkt Feedback, das ist sehr schön", so der Azubi.
Den Nachwuchs aufs Handwerk aufmerksam machen
Es handelt sich bereits um die zweite Staffel des Azubi-Tauschs. "Mit der Fortführung der YouTube-Serie bauen wir unsere digitalen Angebote zur Berufsorientierung weiter aus", sagt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. Der unterhaltsame Blick auf die verschiedenen Berufe solle die junge Zielgruppe ansprechen und einen niedrigschwelligen Einstieg in die vielfältigen Karrieremöglichkeiten im Handwerk bieten. "Durch das emotionale Storytelling wird den Zuschauern vermittelt, was bei einer Ausbildung im Handwerk zählt: Kreativität, Leidenschaft und der Stolz, etwas Nachhaltiges mit den eigenen Händen zu schaffen", so Brzezinski.
Schon so einige Zuschauer haben die Challenges der Azubis verfolgt: Bisher haben die Azubitausch-Folgen nach Angaben der Hwk Dresden mehr als 5,1 Millionen Impressions sowie 74.000 Direktaufrufe auf YouTube verzeichnet. Und nicht nur das: mit der Serie gehörte die Hwk Dresden zu den drei Finalisten bei der Verleihung des 27. Dresdner Marketing-Preis am 16. Juni. Sie belegte mit ihrer Kampagne zur Nachwuchsgewinnung im Handwerk den zweiten Platz.
Die Protagonisten der YouTube-Serie sind mit Leidenschaft Handwerkerinnen und Handwerker. Der angehende Fleischerei-Fachverkäufer Felix Mißbach will nach seinem Tauschtag zwar nicht zum Orgelbauer umschulen. Im Anschluss seiner jetzigen Ausbildung möchte er aber noch eine Lehre zum Fleischer machen. Jedem Jugendlichen empfiehlt er, sich selbst mal in einem Handwerksberuf auszuprobieren, zum Beispiel in Form eines Schnuppertags oder Praktikum. "Das Handwerk macht Spaß, denn es ist viel vielseitiger als andere Berufe." Und auch der angehende Orgelbauer Paul Ahrend ist der Meinung: "Wenn man technisches Geschick und grundlegende Freude daran hat, sich kreativ auszuleben, sollte man unbedingt einen Handwerksberuf erlernen."
>>> Alle Folgen der ersten und zweiten Staffel gibt es hier zum Nachschauen: "An deiner Stelle! Azubi-Tausch".